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Wirkstofffreier Anti-Zecken-Schutz ohne Biozide

Hohensteiner Wissenschaftler entwickeln gemeinsam mit dem Projektpartner Edelweiss Maschenstoffe Herter GmbH & Co. KG aus Albstadt neuartige Anti-Zecken-Textilien, die ohne Nervengifte auskommen. Die Zecken sollen dabei ausschließlich mit Hilfe von Oberflächenkonstruktionen und -veredlung von der Haut ferngehalten werden.

Für die Herstellung nutzen die Wissenschaftler spezielle, aus der Natur bekannte Anti-Zecken-Strukturen als Vorbild. Das Anti-Zecken-Textil soll den Träger schützen, indem die Zecken nach dem ersten Anhaften in ihrem weiteren Marsch Richtung Haut stark eingeschränkt werden. Dabei verhaken sich die kleinen Spinnentiere oder versinken in oberflächlichen Fäden, sodass eine wirksame textile Barriere entsteht. An den hakenförmigen Blatthaaren isolierter Blätter der Gartenbohne (Phaseolus vulgaris) konnten die Wissenschaftler die Zecken-bremsende Wirkung bereits erfolgreich nachweisen. In einem weiteren Schritt kopierten die Forscher die Struktur der winzigen Blatthäkchen, um neuartige, funktionelle textile Oberflächen zu schaffen: Wie in der Natur durchbohrten dabei die Blatthaar-ähnlichen Strukturen die feinen Klauen erwachsener Zecken, wie die Untersuchungen belegen. Im nächsten Schritt soll nun in Laborversuchen die Barriere-Leistung des Anti-Zecken-Textils exakt bestimmt werden.

Das Zecken-bremsende Funktionstextil ist im Vergleich zu Produkten, welche mit dem Insektizid Permethrin ausgerüstet sind, wirkstofffrei und somit humantoxikologisch unbedenklich. Auch die Markteinführung solch bionisch wirksamer Textilprodukte ist wesentlich einfacher, da sie frei von chemischen Risikosubstanzen sind und somit nicht der Biozid-Verordnung (BPR Nr. 528/2012) unterliegen.

(Hohenstein Institute, 24.10.2016)