StartseiteAktuelles

Synthetische Chemikalien wie z.B. Biozide sind verkannte Komponenten des globalen Umweltwandels

Die Produktion synthetischer Chemikalien wächst weltweit rasant. Immer mehr Stoffe aus Medikamenten, Pestiziden und Bioziden, Lacken sowie industriellen Chemikalien und Kunstfasern gelangen in unsere Umwelt. Sie verunreinigen Böden und Gewässer, wirken auf Tiere, Pflanzen und Mikroorganismen und werden über das Trinkwasser oder die Nahrungskette in den menschlichen Körper aufgenommen. In einer neuen Studie, an der das Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) in Berlin beteiligt war, weisen Forscher auf die globale Dimension dieser Problematik hin.

 „Unsere Analyse zeigt, dass synthetische Chemikalien ein zentraler, aber in seiner Dimension auch in Fachkreisen erstaunlicherweise stark unterschätzter Aspekt des globalen Umweltwandels sind“, betont Prof. Mark Gessner, Wissenschaftler am Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) und Mitautor der Studie. Synthetische Chemikalien erfüllen klar die drei Kriterien, die Einflussfaktoren des globalen Umweltwandels charakterisieren: „Sie sind weltweit verbreitet, wirken nachweislich auf Lebewesen und zeigen exponentielle Veränderungsraten, die mit dem Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum gekoppelt sind.“ 

Entwicklung und Produktion solcher Materialien schreiten weltweit rasch voran. Im Vergleich dazu ist das Wissen zu den Umweltfolgen synthetischer Chemikalien jedoch extrem beschränkt. Prof. Emily Bernhardt von der Duke Universität in den USA und Erstautorin der Studie warnt: „Dieser blinde Fleck kann dazu führen, dass Maßnahmen gegen den globalen Umweltwandel wirkungslos bleiben und die definierten globalen Nachhaltigkeitsziele verfehlt werden.“ 

(Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei - IGB, 26.01.2017)