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Haushaltsmittel für biozide Wirkstoffe bewertet

In einer neuen Studie aus Deutschland wurden die Quellen biozider Wirkstoffe in gewöhnlichen Haushaltsprodukten beurteilt. Diese könnten potentiell in die Abwässer gelangen und für Natur, Umwelt und den Menschen giftig sein. Die wichtigsten Haushaltsquellen der bioziden Wirkstoffe waren Wasch-, Reinigungs- und Körperpflegeprodukte, die zusammen mehr als 90 % der Beobachtungen in den von den Forschern befragten Haushaltungen ausmachten.

Biozide Wirkstoffe sind Stoffe oder Mikroorganismen, die zur Kontrolle anderer Organismen verwendet werden, die natürliche oder hergestellte Materialien oder die menschliche Gesundheit schädigen. Sie werden in vielen Biozidprodukten (BP) eingesetzt, darunter in Desinfektionsmitteln, Holzschutzmitteln und Schädlingsbekämpfungsmitteln. Sie sind ein Beispiel für einen Schadstoff, der aus Haushalten freigesetzt wird, und es wächst das Bewusstsein dafür, dass sie für Nichtzielorganismen und für die menschliche Gesundheit schädlich sein können. Sie können auch zur Erhöhung der Resistenz gegenüber Antibiotika beitragen. Beispielsweise könnte die Verwendung von Benzalkoniumchlorid in Desinfektionsmitteln eine Resistenz gegen Fluorchinolon-Antibiotika auslösen.

Die Studie untersuchte das Vorkommen der bioziden Wirkstoffe in verschiedenen Haushaltsprodukten. Die Forscher nahmen Produktvorräte in 131 Haushalten in Norddeutschland unter die Lupe. Das Inventar umfasste Körperpflegeprodukte mit hoher Freisetzung in das Abwasser (wie Shampoo, Körperwäsche und Haarfärbemittel) sowie Wasch- und Reinigungsmittel und Produkte zur Bekämpfung von Schädlingen, des Weiteren wurden auch Arzneimittel gegen Flöhe und Läuse aufgenommen.

Biozide Wirkstoffe wurden in allen Haushalten der Studie gefunden. Insgesamt konnten 2 963 Produkte identifiziert werden. Die meisten Produkte waren Wasch- und Reinigungsmittel (48%) und Körperpflegeprodukte (43%). Der Rest (9%) waren Schädlingsbekämpfungsmittel.

 Insgesamt wurden 79 biozide Wirkstoffe gefunden. Zitronensäure war die am häufigsten gefundene Substanz (859-mal aufgezeichnet). Biozid-Produkte wurden in 75% der Haushalte gefunden. Desinfektionsmittel wurden am häufigsten gefunden (69%), Insektizide (24%) und Repellentien (9%) fanden sich auch relativ häufig.

Die Studie legt nahe, dass die Umweltzufuhr von bioziden Wirkstoffen aus Haushalten unterschätzt werden kann. Nach Ansicht der Forscher wäre eine kombinierte Bewertung der Bioizid-Exposition notwendig, um das von ihnen ausgehende Risiko vollständig bewerten zu können. Da dies unmöglich scheint, unterstützen sie eine weitere Regulierung für eine nachhaltige Nutzung der bioziden Wirkstoffe.

("Science for Environment Policy": European Commission DG Environment News Alert Service, 18.11.2016)

 

 

Dateien:
171-16_household_sources_biocidal_active_substances_assessed_477na5_en.pdf426 K