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Das Risiko von Silbernanopartikeln gegenüber terrestrischen Pflanzen ist gering, aber durch Chlor erhöht

Nanopartikel aus Silber haben bereits eine Reihe von Anwendungen gefunden, von Katalysatoren bis hin zu antimikrobiellen Mitteln (dann auch als Biozid) und werden zunehmend in allgemeinen Haushaltsprodukten wie Reinigungsmitteln, Textilien, Haushaltsgeräten, Nahrungsergänzungsmitteln und sogar Zahnpasta verwendet. Tatsächlich ist Silber in Konsumgütern die häufigste Nanotechnologie-Anwendung in Europa.

In einer aktuellen Studie wurde das Risiko für Pflanzen gegenüber Nanosilberpartikeln im Boden untersucht. Die Studie konzentrierte sich auf Nanopartikel in Klärschlamm (die in einigen Ländern auf landwirtschaftliche Flächen als Dünger angewendet werden kann) und ist die erste, die das langfristige Verhalten und das Risiko von Silbernanopartikeln über die gesamte Kette von Abwasser zu Schlamm, dann Boden bis zu den Pflanzen untersucht.

Untersucht wurde die Stabilität und Bioverfügbarkeit von Silber (d.h. wie wahrscheinlich es ist, von Pflanzen absorbiert zu werden), mit umweltrelevanten Konzentrationen und einem realistischen Expositionsweg (Ausbringung von Klärschlamm auf Böden).

Die Ergebnisse zeigten, dass fast das gesamte Silber, das den Schlammreaktoren zugesetzt wurde, im Schlamm verblieb, wobei es meistens in Silbersulfid umgewandelt wurde - eine Form von Silber, die für längere Zeit stabil ist.

Obwohl die Bioverfügbarkeit von Silber im Boden insgesamt niedrig war, kam es zu einer deutlichen Erhöhung in Böden mit höherem Chlorgehalt. Die Zugabe von Natriumchlorid führte zu einer 2,3- bis 160-fachen Erhöhung der Verfügbarkeit von Silber. Die Autoren weisen darauf hin, dass dies plausibel ist, da Silber lösliche Komplexe mit Chlor bildet. Wichtig sei, dass trotz der höheren Verfügbarkeit des Nanosilbers das Pflanzenwachstum bei keiner der Behandlungen reduziert war.

Insgesamt deuten die Ergebnisse darauf hin, dass Silbernanopartikel, die über Klärschlamm in Böden eingebracht werden, ein geringes Risiko für Pflanzen darstellen, da sie bei der Abwasserbehandlung in eine stabile Silberform umgewandelt werden. Allerdings könnte die Bioverfügbarkeit (und damit das Risiko) steigen in salzhaltigen Böden (die über 20 Millionen Hektar in Europa umfassen) oder in denjenigen Böden, die mit schlechtem Wasser (das auch Chlor enthalten kann) bewässert werden.

Es wäre sinnvoll, das Experiment mit Böden zu replizieren, die typisch für europäische Verhältnisse sind, so dass die Ergebnisse bei der Entwicklung einer besseren Risikobewertung für Silbernanopartikel helfen können.

 (Science for Environment Policy, 9.2.2017)

Dateien:
risk_silver_nanoparticles_terrestrial_plants_low_increased_by_chlorine_482na1_en.pdf288 K