Stechmücken
Aussehen
Stechmücken (Familie Culicidae) gehören zur Ordnung der Zweiflügler. Sie sind schlank, haben lange Beine, dünnhäutige Flügel, sind grau bis bräunlich und etwa 6-10 mm lang, wobei der Stechrüssel die halbe Körpergröße einnehmen kann. Die Männchen sind deutlich kleiner als die Weibchen und unterscheiden sich von diesen durch dicht gefiederte Antennen. Die Larven der Stechmücken hängen unter der Wasseroberfläche stehender Gewässer und sind u. a. an ihrem Atemrohr zu erkennen.
Lebensraum / Vorkommen
In Mitteleuropa kommen über 100 verschiedene Stechmückenarten (zumeist Culex) vor. Daneben sind Arten der Gattungen Anopheles (u. a. Malariamücke) und Aedes (u. a. Gelbfiebermücke) von Bedeutung. Da Stechmücken ihre Eier auf der Wasseroberfläche oder in Wassernähe ablegen, bevorzugen sie stehende Gewässer und kommen daher besonders in Feuchtgebieten vor. Auch in Pfützen, Regenwassertonnen und ähnlichen kleinen Wasseransammlungen werden die Eier abgelegt. Die Eier vieler Arten können lange Trockenperioden überstehen. Nach starken Regenfällen und bei Hochwasser im Sommer kann es dann zur Massenentfaltung von Stechmücken kommen.
Verhalten
Bei tagaktiven Stechmückenweibchen spielen bei der Wirtsfindung optische Faktoren (z. B. sich bewegende, dunkle Objekte) eine entscheidende Rolle. Die dämmerungs- oder nachtaktiven Tiere, wie z. B. die Gemeine Stechmücke (Hausmücke) Culex pipiens, reagieren auf Wärme, feuchte Luft, ausgeatmetes Kohlenstoffdioxid sowie Körpergeruch (Schweiß, Harn, Blut). Diese Eigenschaft machen sich Repellentien zu Nutze.
Ernährung / Wachstumsbedingungen
Die Männchen saugen kein Blut, sondern ernähren sich nur von Blütennektar oder Pflanzensäften. Die weiblichen Mücken sind hingegen auf Blutmahlzeiten von Säugetieren oder Vögeln angewiesen.
Die Mundwerkzeuge der Larven sind wie ein Strudelapparat ausgebildet, durch den sie ihre Nahrung (Plankton) aus dem Wasser herausfiltrieren können. Sie selbst dienen als Lebensgrundlage für andere Gewässertiere, beispielsweise Muscheln, Schnecken, Würmer und Fische. Sie sind deshalb durchaus wertvolle Bestandteile der Nahrungskette und haben so eine nicht zu unterschätzende Bedeutung in der Ökologie von Gewässern.
Fortpflanzung
Befruchtete Weibchen der Gemeinen Stechmücke (Culex pipiens), eine der am weitesten verbreiteten mitteleuropäischen Arten, überwintern an geschützten Stellen, z. B. in Kellern oder Ställen. Im Frühjahr legen sie ihre Eier in Form sogenannter Gelegeschiffchen auf der Wasseroberfläche ab (200-300 Eier). Die Entwicklung zur ausgewachsenen Stechmücke verläuft über vier Larven- und ein Puppenstadium. Beide Entwicklungsstadien sind beweglich und halten sich unter der Wasseroberfläche auf. Die gesamte Entwicklung der Stechmücken kann unter günstigen Bedingungen (höhere Temperatur, optimales Futterangebot) weniger als zwei Wochen dauern. Die Lebensdauer der Imaginalstadien ist im Wesentlichen von ihrer Aktivität abhängig. So werden Stechmücken in unseren Breiten selbst im Sommer einige Wochen alt, und können bei Kälteeinbrüchen während der Winterruhe ein Alter von mehreren Monaten erreichen. In den Tropen hingegen beträgt die Lebenserwartung in der Regel weniger als zwei Wochen. Pro Jahr können sich hierzulande bis zu sechs oder sieben Generationen entwickeln.
Gesundheitsrisiken für den Menschen
Kurze Zeit nach einem Stich tritt an der Einstichstelle eine Schwellung und Juckreiz auf. Dies ist eine lokale, allergische Reaktion auf Eiweiße im Mückenspeichel (u. a. Histamin), den die Mücke injiziert, um die Blutgerinnung im Wirt zu hemmen. Während des ein- bis dreiminütigen Saugvorganges können aber auch Krankheitserreger übertragen werden. Zwar kommen in Mitteleuropa heutzutage nur sehr vereinzelt Krankheiten vor, die von Stechmücken übertragen werden können, man befürchtet aber, dass sich im Zuge der Klimaerwärmung die Situation sowohl für manche Stechmücken als auch Krankheitserreger so verbessern kann, dass sich stabile Populationen in Europa ausbilden können. Manche Viruserkrankungen (West-Nil, Chikungunya, Dengue, Gelbfieber) oder die Malaria könnten eventuell auch in unseren Breiten (wieder) vorkommen. In jüngerer Vergangenheit gab es bereits in Europa einige Epidemien (Chikungunya, West-Nil), deren Erreger durch Stechmücken übertragen werden.
Gefahrenabschätzung
Stechmücken können Krankheitserreger übertragen, wenn sie diese bei einer vorangegangenen Nahrungsaufnahme bei einem infizierten Wirt aufgenommen haben. Die Arten, die in Mitteleuropa leben, übertragen normalerweise keine Krankheiten. Allerdings wird vor einer Zunahme von Erkrankungen durch Einschleppung und Ausbreitung tropischer Stechmückenarten und durch im Ausland infizierte Reisende gewarnt.
Vorbeugung und Bekämpfung
Im Gartenteich begrenzen räuberische Fische den Massenbefall mit Stechmückenlarven. Hilfreich ist es darauf zu achten, dass sich im Garten keine weiteren Wasseransammlungen bilden (z. B. in Eimern oder Gießkannen); auch sollte man Regentonnen stets abdecken und Vogeltränken täglich erneuern. Bilden sich Wasseransammlungen in Dachrinnen so kann man der Entstehung von Brutstätten durch das Anbringen von Gaze entgegenwirken. Zur Mückenabwehr im Haus hält man die Fenster (abends) geschlossen oder bringt Fliegengitter an den Fenstern an.
Der Einsatz von Mückensprays im Haushalt oder eine dauerhafte Biozidfreisetzung zur Mückenbekämpfung, beispielsweise durch Elektroverdampfer, kann nicht uneingeschränkt empfohlen werden, da hierbei die Wirkstoffe in die Atemluft abgegeben werden. Der Einsatz von Verdampfern sollte daher wohlüberlegt sein und bestimmten Situationen vorbehalten bleiben. Von einem Dauereinsatz oder dem Gebrauch in schlecht belüfteten Räumen ist abzuraten. Geräte, die Stechmücken mittels Ultraschall vertreiben sollen (Hochfrequenz-Piepser), unterliegen keiner Prüfung oder Zulassung. Dementsprechend können keine amtlichen Empfehlungen zu solchen Geräten gegeben werden. Hier entscheidet der Verbraucher nach eigener Erfahrung oder Recherche, ob sein spezielles Schädlingsproblem mit einem solchen Gerät zu lösen ist oder nicht. Im Handel angebotene UV-Lampen, die die Tiere anlocken und an einem Stromgitter abtöten, dürfen nur im Haus eingesetzt werden. Im Garten locken diese Geräte auch sehr viele nützliche Tiere wie z. B. Nachtfalter an und töten diese. Daher ist dort der Einsatz verboten.
Im Freien schützen Kleidung und/oder Moskitonetze vor Mückenstichen. Auf die Haut aufgetragene Repellentien sollen auf die gesamte freiliegende Haut aufgetragen werden, besonders aber auf gefährdete Stellen (z. B. Hand- und Fußgelenke). Bei umfangreichen Outdoor-Aktivitäten bietet mit Repellentien behandelte Kleidung zusätzlichen Schutz. Grundsätzlich ist das Tragen heller Kleidung zu empfehlen, da die Stechmücken bevorzugt dunkle Farben anfliegen. Für Reisen in Malariagebiete gibt die Deutsche Tropenmedizinische Gesellschaft Hinweise zur Expositionsprophylaxe. Die Kommunale Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage e. V. (KABS) gibt Informationen zur biologischen Stechmückenbekämpfung in Deutschland.
weitere Informationen unter dem Biozid-Portal Praxisfälle:
Mücken - häufig gestellte Fragen und Antworten
Weitere Informationen:
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Allgemeine alternative Maßnahmen
Hier finden Sie Maßnahmen und Informationen für den täglichen Umgang.
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Repellents gegen Insekten und Zecken: Zulassung und Wirksamkeitsbeurteilung
0.07 MB
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Beißen und Stechen (Stiftung Warentest Ratgeber)
0.22 MB
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Durch Vektoren übertragene Infektionskrankheiten
Webseite des Centers for Disease Control and Prevention (CDC-DVBID), USA
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IWF - Wissensvideos
Webseite der IWF - Wissen und Medien gGmbH, Göttingen mit Videos zu Stechmücken
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Mögliche Auswirkungen von Klimaveränderungen auf die Ausbreitung von primär humanmedizinisch relevanten Krankheitserregern über tierische Vektoren sowie auf die wichtigen Humanparasiten in Deutschland
Abschlussbericht des F&E Projektes Nr. 200 61 218/11 im UFO Plan des Umweltbundesamtes (2004)
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Chikungunya Fieber
Epidemiologisches Bulletin Nr 36/2007 des Robert Koch Instituts
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Die Auswirkungen des Klimawandels
Welche neuen gesundheitlichen Probleme und Infektionskrankheiten sind zu erwarten? Bundesgesundheitsblatt 2009
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Schädlingsbekämpfungsmittel für Innenräume
Abwehr und Bekämpfung von Schädlingen in Innenräumen ohne giftige Wirkung. Webseite des Blauen Engel: RAL-UZ 34
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Hinweise zur Expositionsprophylaxe - Vermeidung von Insektenstichen
Webseite der Deutschen Tropenmedizinischen Gesellschaft (DTG)
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Biologische Stechmückenbekämpfung
Webseite der kommunalen Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage e.V. (KABS)
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Mückenatlas
Informationen zu Stechmückenarten und -vorkommen in Deutschland
