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Waschbär

Procyon lotor
Waschbär
Waschbär
© Lisa Spreckelmeyer / PIXELIO

Aussehen

Die Gattung der Waschbären gehört zur Familie der Kleinbären innerhalb der Überfamilie Hundeartige in der Ordnung der Raubtiere. Die bei uns seit ca. 1850 zur Pelzzucht eingebürgerte Art ist der Nordamerikanische Waschbär.

Waschbären sind zwischen 40 und 70 cm lang, der buschige Schwanz ist weitere 20 bis 40 cm lang. Sie wiegen ca. 3,6 bis 10 kg, wobei die Männchen etwas größer und schwerer sind als die Weibchen. Das Fell ist aus unterschiedlichen Grautönen zusammengesetzt. Typisch ist ihre Gesichtszeichnung, eine braune bis schwarze Maske über der Augen- und Wangenregion, ein dunkler, senkrechter Streifen auf der Stirn und eine weiße Umrahmung des Gesichts. Auffällig ist auch der Schwanz, dessen Fell mit dunklen Ringen versehen ist.

Lebensraum / Vorkommen

Waschbären stammen ursprünglich aus Nordamerika. In Deutschland gibt es mindestens seit 1934 frei lebende Waschbären, die zuvor ausgewildert wurden oder aus der Zucht entkommen waren. Besonders verbreitet sind sie in Nordhessen, Südniedersachsen und Brandenburg. Mittlerweile scheinen sie aber fast in ganz Deutschland angetroffen zu werden. Sie sind auch in Städten verbreitet, wo sie besonders leicht Nahrung finden (Müll, Komposthaufen, Gärten).

Verhalten

Die Waschbären sind dämmerungs- und nachtaktiv und leben in lockeren Kleingruppen. Miteinander verwandte Weibchen (Fähen) teilen sich den Lebensraum, die Männchen leben mit etwa vier nicht verwandten Rüden in einer lockeren Kleingruppe. Dadurch können sie sich besser gegen fremde Rüden und andere Angreifer schützen. Paarungszeit ist in Mitteleuropa Januar bis Februar.

Waschbären haben ein sehr gutes Gedächtnis und einen hervorragenden Tastsinn in ihren Pfoten, der ihnen bei der Nahrungssuche hilft. Sie können gut klettern und gehören zu den intelligentesten Tieren.

Ernährung / Wachstumsbedingungen

Waschbären sind Allesfresser, bevorzugen aber Weich- und Wirbeltiere und zu etwa 40 Prozent pflanzliche Nahrung. Auf dem Speiseplan stehen z.B. Würmer, Insekten, Weichtiere, Krebse und Fische, junge Bisamratten, Kleinsäuger, Vögel und deren Gelege, Eicheln, Mais, im Herbst besonders auch Obst und Beeren und sogar Aas. Im Herbst frisst sich der Waschbär ein etwa 2,5 kg schweres Fettdepot für den Winterschlaf an.

Fortpflanzung

Das Weibchen bekommt im Frühling nach einer ca. 65-tägigen Tragezeit etwa zwei bis fünf Junge (Nesthocker), die sie bis zum Herbst allein aufzieht. Die Lebenserwartung von Waschbären in Gefangenschaft beträgt bis zu 20 Jahre, doch in freier Natur werden Waschbären nur wenige Jahre alt, da Verkehrsunfälle und Jagd sowie Infektionskrankheiten viele Opfer fordern.

Natürliche Feinde

In Europa gibt es kaum größere Raubtiere, in deren Beutschema Waschbären passen würden. Die ärgsten Feinde sind somit Viren und Bakterien, die ab und an zu epidemieartigen Durchseuchungen der Populationen führen. Waschbären sind aber durch ihre hohe Reproduktionsrate in der Lage, auch große Verluste innerhalb weniger Jahre wieder auszugleichen.

Gesundheitsrisiken für den Menschen

Waschbären können durch Flöhe, Läuse und Zecken verschiedene Krankheitserreger auf Mensch und Haustier übertragen. Außerdem können sie Tollwut und andere infektiöse Krankheiten (Staupe, Panleukopenie, Hasenpest u.a.) verbreiten.

Auf Dachböden nutzen oft mehrere Tiere eine Stelle als Toilette, wobei die im Kot möglicherweise enthaltenen Spulwurm-Eier gefährlich sind. Kinder und Haustiere sollten davon ferngehalten werden. Der Kot sollte unbedingt entfernt (verbrannt) werden, wobei bei der Beseitigung unbedingt Handschuhe getragen werden sollten.

Waschbären sollten nicht gefüttert werden und man sollte nicht versuchen, sie als Haustiere zu halten. In Berlin ist es explizit verboten, Waschbären zu füttern.

Informationen zum Artenschutz

Waschbären stehen nicht unter Naturschutz. Sie unterliegen in allen Bundesländern mit Ausnahme von Bremen und Saarland dem Jagdrecht. Dort dürfen sie als Schädlinge gejagt werden.

Typische Schäden

Wenn Waschbären einen Dachboden nutzen, ist der Schaden durch Verschmutzung und Lärm groß. Es ist schwer, sie wieder los zu werden. Auseinandergebrochene, geplünderte Obstbäume zeugen von einem nächtlichen Besuch von Waschbären.

Gefahrenabschätzung

Die Gefahren lassen sich durch passive Schutzmaßnahmen in Grenzen halten.

Alternative Bekämpfungsmaßnahmen

Die wichtigsten vorbeugenden Maßnahmen sind der Verschluss möglicher Einstiege zu Dachböden, Schuppen usw. und die Verhinderung des Einstiegs durch passive Schutzmaßnahmen wie glatte Bleche, an denen Waschbären keinen Halt finden. So können auch Obstbäume geschützt werden. Offen liegende Müll- und Essensreste sowie Fallobst sollten generell rasch entfernt werden, um keine unerwünschten Besucher anzulocken.

Weitere Informationen: