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Wanderratte

Rattus norvegicus
Wanderratte
Wanderratte
© Erik Schmolz / Umweltbundesamt

Aussehen

Ausgewachsene Wanderratten erreichen eine Kopf-Rumpf-Länge von 19-30 cm, eine Schwanzlänge von 13-32 cm und ein Gewicht von bis zu 500 g. Die Schnauze ist relativ stumpf, das Fell an der Oberseite grau, graubraun oder braun gefärbt. Der Kot von Wanderratten ist kugelförmig bis länglich und 1–3 cm lang.

Lebensraum / Vorkommen

Die Wanderratte ist als Kulturfolger des Menschen weltweit verbreitet. Im menschlichen Siedlungsbereich sind Wanderratten häufig in Kanalisationsanlagen, Tierställen, Kellern, Tiergärten, Parkanlagen, Schlachthöfen, auf Müllkippen, in lebensmittelverarbeitenden Betrieben, Getreidespeichern und schließlich in Büro- und Wohngebäuden zu finden. Wanderratten sind kaum in naturbelassenen Lebensräumen zu finden. Eine Ausnahme stellen Inseln dar, auf denen Ratten großen Schaden an Vogelpopulationen anrichten können.

Die Wanderratte (Rattus norvegicus) ist die Stammform der als Haus- oder Labortier gehaltenen Ratten (weiße Ratten, Farbratten).

Verhalten

Ratten sind soziale Tiere und leben in Gruppen (Rudeln) zusammen. Innerhalb der Gruppen gibt es oftmals eine soziale Hierarchie. Rudelmitglieder erkennen sich am Geruch und reagieren aggressiv auf fremde Ratten. Wanderratten sind in der Regel scheu und meistens im Dunkeln aktiv. Sie sind selten auf offenen Plätze zu finden, und bewegen sich oft entlang von Mauern und Wänden. Häufig benutzen Ratten immer wieder dieselben Laufwege (Wechsel). Wanderratten sind Fluchttiere. Wenn sie in die Enge getrieben werden können sie jedoch ausgesprochen aggressiv reagieren, beißen und bis zu 1,5 m hoch springen. Wanderratten sind in der Lage zu schwimmen und stellen ausgezeichnete Kletterer dar.

Ernährung / Wachstumsbedingungen

Wanderratten sind Allesfresser (omnivor) mit einer Präferenz für pflanzliche Nahrung. Sie fressen jedoch auch Aas und sind in seltenen Fällen sogar Räuber, die junge Enten oder Hühnerküken töten können. Wanderratten suchen im menschlichen Siedlungsbereich zur Nahrungsaufnahme Müllcontainer oder andere Plätze auf, an denen Nahrungsreste zu finden sind. Vorratsräume für Lebens- und Futtermittel sowie Tierhaltungsanlagen mit entsprechend zugänglichem Futterangebot werden ebenfalls gerne von Wanderratten aufgesucht.

Fortpflanzung

Ein Rattenweibchen kann bis zu sechsmal im Jahr durchschnittlich jeweils 8 Junge zur Welt bringen, die nach 2 Monaten geschlechtsreif werden und sich selber fortpflanzen können. Ein anfänglich kleiner Rattenbefall kann sich daher relativ schnell ausweiten. In der Regel wird eine wildlebende Wanderratte nicht älter als 1 Jahr, unter sehr günstigen Bedingungen oder in Gefangenschaft können Ratten bis zu 3 Jahre alt werden.

Natürliche Feinde

Ratten werden von Hunden und Katzen gejagt und getötet. In ländlichen Gegenden sind Marder, Wiesel und Iltisse Fraßfeinde, ebenso Greifvögel wie Bussarde und Eulen.

Gesundheitsrisiken für den Menschen

Wanderratten können über 100 verschiedene Krankheiten auf den Menschen übertragen. Darüber hinaus spielen Wanderratten eine bedeutende Rolle als Überträger von Tierseuchen. Ratten können Lebens- und Futtermittel durch ihren Kot und Urin verunreinigen, die Krankheitskeime enthalten und daher Gefahren für die Gesundheit des Menschen und seiner Haustiere darstellen.

Typische Schäden

Wanderratten sind häufig in Kellern von Wohngebäuden (Einfamilienhäusern wie großen Mietwohnungsanlagen) zu finden. Neben anderen Materialschäden verursachen sie dort durch das Annagen von elektrischen Kabeln Kurzschlüsse. Ein Kontakt mit Ausscheidungen dieser Tiere ist hier besonders wahrscheinlich, wobei Wanderratten vor allem in Altbauten auch in Wohnungen eindringen können. Wanderratten können kleinste Spalte und Löcher mit einem Durchmesser von nur 2 cm durchqueren.

Im Bereich der Lebensmittellagerung besteht der Schaden sowohl im Zernagen von Verpackungen als auch der Verunreinigung von Nahrung durch Kot und Urin.

Wanderratten dringen häufig über Kellerfenster und defekte Kanalisationsanschlüsse in Wohngebäude ein. Obwohl Kanalsysteme nicht das hauptsächliche Habitat von Wanderratten im städtischen Bereich darstellen, ist ihre Bekämpfung dort von besonderer hygienischer Bedeutung, denn die Keimdichte ist in städtischen Abwässersystemen hoch, und die Gefahr der Keimverschleppung durch die Nager erheblich. Dies ist vor allem von Bedeutung, da Wanderrattenpopulationen häufig zwischen dem Lebensraum Kanal und oberirdischen Lebensbereichen, mithin auch Gebäuden, hin- und her wechseln. Wanderratten können durch ihre Grab- und Wühltätigkeit auch Schäden an Deichen und Dämmen anrichten.

In der Landwirtschaft sind Ratten sehr häufig in Tierhaltungsbetrieben zu finden, wo sie sich von Tier- und Mastfutter ernähren. Gerade in diesem Bereich können vor allem durch die Übertragung und das Verschleppen von Tierseuchen große Schäden entstehen. Wanderratten ernähren sich außerdem von Vorräten (z.B. Getreide), wobei der Schaden nicht nur durch die Fraßtätigkeit, sondern vor allem durch Verunreinigung mit Kot und Urin entsteht.

Vorbeugende Maßnahmen

Den vorbeugenden Maßnahmen kommt bei der Bekämpfung von Nagetieren eine besondere Bedeutung zu. Prinzipiell gilt, dass Wanderratten nur dort vorkommen, wo es auch Nahrung und Nistmöglichkeiten für sie gibt. Werden ihnen diese Lebensgrundlagen durch vorbeugende Maßnahmen von vorneherein entzogen, so kann eine dauerhafte Ansiedlung dieser Schädlinge verhindert werden.

Ratten im Kanalsystem ernähren sich von Speiseresten, die über die Toilette entsorgt werden. Dies sollte daher unbedingt vermieden werden. Um zu vermeiden, dass Ratten über die Abwasserrohre in Gebäude eindringen können, werden spezielle Rückstauklappen angeboten. Durch bauliche Maßnahmen können auch Fensteröffnungen durch Gitter und Tür- bzw. Torspalten durch Bürstenleisten oder ähnlichem gesichert werden. Bei der Haltung von Kleintieren (z.B. Kaninchen oder Hühner) ist darauf zu achten, dass keine Futterreste unnötig herumliegen, die Schädlinge anziehen können. Dies gilt auch für Komposthaufen im Garten, auf die keine Speisereste ausgebracht werden sollten. Auch die Lagerung von Gerümpel und Abfällen begünstigt die Ansiedlung von Schadnagern, die auf diese Weise ungestörte Nistplätze finden.

Alternative Bekämpfungsmaßnahmen

Wanderratten lassen sich nur sehr schwer mit mechanischen Fallen fangen. Zudem ist bei der Anwendung dieser Fallen Vorsicht geboten, da je nach Fallentyp aufgrund der hohen Schlagkraft eine Verletzungsgefahr für den Anwender, aber auch für Kinder und Haustiere besteht. Als Köder für Fallen ist beispielsweise Erdnussbutter oder Nuss-Nougat-Creme geeignet. Treten Ratten gehäuft auf, lassen sie sich meist nur mit Giftködern bekämpfen.

Hunde und Katzen tragen möglicherweise dazu bei, eine Ansiedlung von Mäusen und Ratten in Gebäuden zu verhindern, können einen vorhandenen Befall jedoch nicht beseitigen.

In Bau- und Gartenmärkten werden teilweise auch Geräte angeboten, die Schall, Ultraschall oder elektromagnetische Felder erzeugen und Nagetiere vertreiben sollen. Nach bisherigem Kenntnisstand haben sich alle diese Geräte als wirkungslos erwiesen. Mit ihnen lassen sich Ratten weder fernhalten noch bekämpfen.

Es wird dringend empfohlen, spätestens bei größerem Rattenbefall den Rat von Mitarbeitern des örtlichen Gesundheitsamtes oder eines professionellen Schädlingsbekämpfers einzuholen.

weiterführende Informationen:

Ratten Infoblatt
Broschüre des Landesamt für Arbeitsschutz, Gesundheitschutz und technische Sicherheit, Berlin zu vorbeugenden Maßnahmen gegen Ratten

Weitere Informationen:

  • Risikominderungsmaßnahmen für Rodentizide mit Antikoagulanzien
    Dieser Vortrag wurde auf der Grünauer Tagung in Desden (07.-09.03.2013) über die Zulassung von Antikoagulanzien gehalten. Er beinhaltet allgemeine Informationen zur Zulassung der Produkte und zum Vorgehen bei der Zulassung von Rodentizid-Produkten in Deutschland. 0.94 MB