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Viren

Viren
Influenza A virus
Influenza A Virus, Stamm Berlin/H1N1 (Orthomyxoviren). Transmissions-Elektronenmikroskopie, Negativkontrastierung
© Norbert Bannert, Lars Möller / RKI

Aussehen

Viren sind sehr kleine Partikel, deren Nukleinsäure von einer Proteinhülle umgeben ist, das als Nucleocapsid bezeichnet wird. Bei Viren handelt sich somit um keine eigenständigen Zellen. Das Erbgut liegt entweder als Desoxyribonukleinsäure (DNA) oder als Ribonukleinsäuren (RNA) vor. Man unterscheidet behüllte Viren mit einer äußeren Lipidstruktur und unbehüllte (nackte) Viren. Viren sind meist symmetrisch aufgebaut, wobei kubische und helikale (schraubenförmige) Strukturen unterschieden werden. Diese dienen, neben der vorhandenen Nukleinsäure und anderen Merkmalen, der Klassifizierung von Viren. Die Größe von Viren liegt deutlich unter der von Bakterien und beträgt meist 20 nm bis 300 nm.

Lebensraum / Vorkommen

Viren sind keine selbständigen Organismen mit eigenem Stoffwechsel, sondern bedienen sich zu ihrer Vermehrung lebender Zellen. Sie sind ubiquitär vorhanden und man kann davon ausgehen, dass jedes Lebewesen von Viren befallen werden kann. Viren rufen verschiedenste Krankheiten hervor. Als Wirte von Viren kommen Pflanzen, Mikroorganismen (Bakteriophagen) und Tiere in Frage.

Verhalten

Viren sind infektiöse Partikel, die sich nur innerhalb einer geeigneten Wirtszelle parasitär vermehren können. Außerhalb der Wirtzelle liegen Viren als Viruspartikel oder Virion vor.

Ernährung / Wachstumsbedingungen

Viren benötigen zu ihrer Vermehrung lebende Zellen.

Fortpflanzung

Viren können sich nur innerhalb von Zellen vermehren.

Gesundheitsrisiken für den Menschen

Viren sind verantwortlich für zahlreiche Infektionskrankheiten beim Menschen, von der Virusgrippe (Influenza) über Herpes und verschiedene Hepatitisviren bis hin zu Windpocken, Masern, Tollwut und Kinderlähmung. Das Infektionsrisiko hängen von der Virulenz und der Infektionsdosis (Anzahl der Viren). Einige Viren werden auch mit der Entstehung bestimmter Krebsarten in Verbindung gebracht. Die Übertragungswege sind vielfältig, z.B. direkte Einnahme über Nahrungsmittel, Tröpfcheninfektion über die Luft, Schmierinfektion, Übertragung durch Bisse, Stiche oder Hautverletzungen. Immungeschwächte Menschen sind besonders gefährdet.

Robert Koch-Institut > Infektionskrankheiten A-Z

BZgA ; Erregersteckbriefe

Prophylaxe

Die wichtigste Prophylaxe gegen Virusinfektionen ist ein aktives Immunsystem. Gegen viele Viruserkrankungen gibt es die Möglichkeit einer aktiven Immunisierung durch Impfung. Hierdurch wird das körpereigene Immunsystem befähigt, auf die Infektion mit einem Krankheitserreger so rasch und wirksam zu reagieren, dass daraus keine oder nur eine abgeschwächte Infektion resultiert. Durch entsprechende Impfprogramme konnten Infektionskrankheiten wie die Pocken nahezu ausgerottet werden. Eine aktive Impfung gegen bestimmte Kinderkrankheiten wie Windpocken, Hepatitis B, Masern, Mumps und Röteln wird von der Ständigen Impfkommission am Robert Koch-Institut (STIKO) empfohlen.

Robert Koch-Institut > Ständige Impfkommission (STIKO) > Empfehlungen der STIKO

Durch hygienische Maßnahmen wie Händewaschen, hygienisches Husten, regelmäßiges Lüften von Innenräumen etc. lässt sich die Ansteckungsgefahr durch Viren in der Regel gut eindämmen. Dazu gehört auch, entsprechende Erkrankungen zu erkennen und zuhause auszukurieren, statt die Kollegen und Kolleginnen anzustecken. Durch  Abstand halten von Familienmitgliedern und generelle Sauberkeit in der Wohnung werden auch die Familienmitglieder geschützt.

Biozid-Portal > Desinfektion und Hygiene > Hygiene im Privtabereich

Eine Kampagne der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) beschreibt Hygienetipps gegen Viren.

Die Wirksamkeit chemischer Desinfektionsmittel gegen Viren hängt von vielen Faktoren ab und kann nur durch entsprechende Wirkungsnachweise belegt werden. Die routinemäßige Anwendung von Desinfektionsmaßnahmen im Haushalt wird von den meisten Hygienikern abgelehnt.

PAN-Faltblatt „Hygiene gewusst wie“

Viren werden wegen ihrer geringen Größe von üblichen Bakterienfiltern nicht zurückgehalten, wohl aber von entsprechenden HEPA-Filtern (High Efficiency Particulate Airfilter).

Therapie

Da Viren keinen eigenen Stoffwechsel besitzen, ist die Behandlung viraler Infektionskrankheiten erschwert. So sind die teilweise bei grippalen Infekten verschriebenen Antibiotika gegen Viren wirkungslos - sie können höchstens eine Superinfektion durch Bakterien verhindern. Viele Virusinfektionen heilen spontan aus, so dass eine medikamentöse Behandlung nicht notwendig ist.

Virusstatika sind Arzneimittel (Chemotherapeutika), die die Vermehrung von Viren hemmen. Aufgrund möglicher Nebenwirkungen und Resistenzbildungen werden sie nur in begründeten Fällen eingesetzt, wenn das Immunsystem des Patienten mit einer Infektion nicht fertig wird (z.B. in der HIV-Therapie). Virustatika haben lediglich eine virusstatische, aber keine Viren abtötende Wirkung.

Typische Schäden

Neben den typischen Krankheitsbildern der befallenen Organismen sind keine Schäden an Materialien bekannt. Allerdings können Bakteriophagen Schäden bei bakteriellen Prozessen der Lebensmittelherstellung, z.B. durch Infektion von Milchsäurebakterien, hervorrufen.

Gefahrenabschätzung

Die Gefährdungsabschätzung ergibt sich aus dem Krankheitsbild. Der genaue Nachweis und die Typisierung der Viren erfolgt durch verschiedene diagnostische Methoden (Nachweis über entsprechende Antigene bzw. direkter Nachweis des Erbgutes über PCR).