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Teppichkäfer (Braunwurz-Blütenkäfer)

Anthrenus scrophulariae
Teppichkäfer
Teppichkäfer
© Kurt Kulac / CC BY-SA 3.0

Aussehen

Der Teppichkäfer ist 3-4 mm lang und hat rot-weiß-schwarze Flügeldeckenflecken.

Die Larven werden bis zu 5 mm groß, haben eine schwarz-braune Färbung und besitzen eine starke Behaarung. Am Körperende sind die Haare wesentlich länger und bilden einen Schweif, die sogenannten Pfeilhaare.

Lebensraum / Vorkommen

Der Teppichkäfer oder Braunwurz-Blütenkäfer ist in der Natur ein sehr nützliches Insekt, da er mithilft, mumifizierte Kadaver mit Fell zu beseitigen. In der Nähe des Menschen legt er jedoch gerne seine Eier in Wohnungen auf Textilien, Teppichen oder Fellen ab.

Der Teppichkäfer zählt zu der großen Familie der Speckkäfer (Dermestidae). Nahe Verwandte und ebenfalls Materialschädlinge sind der Australische Teppichkäfer (Anthrenocerus australis), der Kabinettkäfer (Anthrenus museorum), der Wollkrautblütenkäfer/Museumskäfer (Anthrenus verbasci) sowie Pelzkäfer (Attagenus pellio, Attagenus smirnovi). Die empfohlenen Vorsorge- und Bekämpfungsmaßnahmen können auch gegen diese Arten durchgeführt  werden (vgl.  Weitere Informationen).

Verhalten

Die Larven sind die eigentlichen Schädlinge und werden häufig am Boden von Bettkästen oder in Kleiderschränken gefunden. Oft werden aber zunächst Fraßlöcher in Textilien oder Teppichen festgestellt. Meist konzentriert sich der Schaden an einer Stelle.

Die Käferlarven verhalten sich etwas anders als Mottenlarven, die ein sehr ähnliches Schadbild verursachen. So wandern die Käferlarven nach der Mahlzeit auch von der Futterstelle auf andere Materialien, die sie nicht fressen. Dort verpuppen sie sich. Die geschlüpften erwachsenen Käfer sind nicht wie Motten lichtscheu. Im Gegenteil, man findet die Käfer oft an Fenstern, von wo sie ins Freie möchten.

Ernährung / Wachstumsbedingungen

Während die Käfer Blütenbesucher sind und ausschließlich Nektar und Pollen fressen, ernähren sich die Larven hauptsächlich von dem Protein Keratin, welches u. a. in Haaren, Federn, Seide, Horn und Schafswolle vorkommt. Es sind daher die Larven, die im Haushalt Schäden an Wolltextilien, Teppichen oder Pelzen verursachen können. Selten, aber möglich ist ihr Auftreten in Herbarien, wo sie sich von Insektenresten ernähren. Bei Pelzen nagen sie hauptsächlich die Haarspitzen an. Im Gegensatz dazu frisst der gefleckte Pelzkäfer (Attagenus pellio), ein anderer Materialschädling, lieber die Haarwurzel.

Fortpflanzung

In den Monaten Mai und Juni fliegen die Weibchen zur Eiablage gerne in Wohnungen und legen ihre Eier systemlos meist auf Materialien tierischen Ursprungs ab (Teppiche, Textilien mit Schafswolle, Pelze, etc.). Nach ca. 15 Tagen schlüpfen die stark behaarten Larven. Ehe sie erwachsen sind, häuten sich die Larven bis zu 12 Mal. Im Herbst verpuppt sich dann das Insekt. Nach einer 6-monatigen Ruhepause verlässt der fertige Käfer die Wohnung im folgenden Frühjahr. Die Lebenserwartung der Käfer beträgt nur rund einen Monat. In dieser Zeit kommt es zur Begattung und wieder zur Eiablage.

In der Natur verläuft die Entwicklung der Nachkommen in Nestern von Vögeln und Säugern.

Gesundheitsrisiken für den Menschen

Bei manchen Menschen können die Haare der Käferlarven allergische Reaktionen der Haut und der Atmungswege auslösen, zu Dermatitis, Irritationen der Nasenhöhlen, der Nasennebenhöhlen und zu Augenentzündungen führen. Besonders die Pfeilhaare am Körperende der Larven weisen lang ausgezogene Spitzen auf, die leicht abbrechen können. Sie dienen der Verteidigung und enthalten allergieauslösende Substanzen.

Sie spielen aber als Überträger von Krankheitserregern keine Rolle.

Gefahrenabschätzung

In der Nähe des Menschen gehört der Teppichkäfer zu den am häufigsten vorkommenden Materialschädlingen in Privatwohnungen.

Die Larven sind die eigentlichen Schädlinge. Sie ernähren sich von keratinhaltigen Materialien, ebenso wie Kleidermotten. Sie hinterlassen dabei ebenfalls unregelmäßige Fraßlöcher, allerdings fehlen die für einen Kleidermottenbefall typischen weißen Gespinste. Unentdeckt können die Larven somit erhebliche Schäden an Textilien verursachen.

Vorsorgemaßnahmen

Im Haushalt helfen einfache aber wirkungsvolle Vorsorgemaßnahmen, um einem Teppichkäferbefall zuvorzukommen:

  • Fliegengitter („Gaze“) an Fenstern und Balkontüren verhindern das Hereinfliegen der Käferweibchen und somit die Eiablage in der Wohnung (sie bilden auch für andere Insekten wie Motten, Fliegen und Mücken eine effektive Barriere).
  • Kleidungsstücke, Bettwäsche etc. sollten Sie vor dem Einlagern waschen und in gut verschlossenen Plastiktüten aufbewahren. Beachten Sie: Teppichkäfer können sich leicht durch Karton oder Papier beißen.
  • Achten Sie bei Naturkundesammlungen auf gut abgedichtete Kästen oder Container.
  • Kontrollieren und säubern Sie regelmäßig: Teppiche und Möbel mit Naturmaterialien (z.B. Schafswolle, Federn), ruhige Stellen im Haus wie unter oder hinter Möbeln, Leder- oder Horngegenstände, Tiertrophäen, Insektensammlungen.
  • Achten Sie auf ausreichendes Lüften der Räume (mehrmals kurzes Stoßlüften am Tag) sowie auf eine gute Luftzirkulation in den Räumen.
  • Wollteppiche sind meist mit Insektiziden aus der Gruppe der Pyrethroide (meist Permethrin) gegen Motten- und Käferfraß ausgerüstet. Die Insektizidausrüstung ist beispielsweise ein Kriterium des „Wollsiegels“ für Teppiche. Ist ein Teppich unbehandelt oder bereits älter, sollte darauf geachtet werden, dass er frei im Raum liegt, gut abzusaugen und auszuklopfen ist. Der gesamte Teppich sollte dem Sonnenlicht ausgesetzt sein, da dunkle Stellen unter Schränken etc. gerne von Materialschädlingen befallen werden. Ritzen unter dem Teppich sollten regelmäßig abgesaugt werden. Eine Insektizidausrüstung bei Teppichen kann für Kleinkinder problematisch sein, da sie beim Spielen viel Kontakt mit dem Teppich haben und Staub aufnehmen. Wer eine Insektizidausrüstung und einen möglichen Schädlingsbefall vermeiden möchte, sollte auf Wollteppiche und -böden verzichten und einen anderen Bodenbelag wählen wie Laminat, Parkett oder Kork.
  • Achten Sie auf Vogel-, Wespen-, Bienen- oder Eichhörnchennester nah beim Haus. Entfernen oder räumen Sie ggf. Nester bzw. Nistkästen am Ende der Brutzeit.
  • Bevorzugen Sie mechanische Fallen für Mäuse und Ratten, anstatt Giftköder (Rodentizide), ansonsten besteht die Gefahr, dass sich Käferlarven von unentdeckten Tierkadavern ernähren können.
  • Wohnungen mit Haustieren (Hunde, Katzen) bieten gute Nahrungsbedingungen für Teppich- und Pelzkäferlarven, da selbst bei regelmäßiger gründlicher Reinigung sich immer wieder Tierhaare in Ritzen und Bodenspalten ansammeln können. Hier sollte besonders darauf geachtet werden, Fußbodenspalten und -ritzen sowie Scheuerleisten ausreichend abzudichten.
  • Bestimmte ätherische Öle (sog. Repellentien) wirken abschreckend auf die erwachsenen Käfer und andere Materialschädlinge wie Motten. Die verwendeten Naturstoffe sind für den Menschen ungefährlich, der Geruch kann aber bei empfindlichen Personen die Befindlichkeit stören. Daher sollte immer ausprobiert werden, welche Mittel am besten vertragen werden. Zu empfehlen sind Lavendelblüten-Beutel, Mittel mit Lavendelöl (Lavandinöl) sowie Zedernholz. In Drogerien, Baumärkten, Reformhäusern oder im Naturkosthandel werden z.B. Duftsäckchen für den Kleiderschrank oder die Kommode angeboten. Die Duftsäckchen sind regelmäßig, ca. alle drei Monate zu erneuern, da sich der Duft verflüchtigt. Achten Sie auf die Gebrauchsanweisung. Praktisch sind Zedernholzstücke, die regelmäßig mit Schmirgelpapier angeraut, sehr lange ihr Öl freisetzen und ihre Duftwirkung beibehalten.
  • Auf dem Markt werden auch Kombipräparate mit ätherischen Ölen und Insektiziden angeboten. Ein genauer Blick auf die Inhaltsstoffe bei den Produkten ist daher vor dem Kauf sehr ratsam, denn der Einsatz von Insektiziden ist auf keinen Fall als Vorsorgemaßnahme geeignet.

Befallsabschätzung

  • Bereits beim ersten Verdacht auf einen Befall sollte zügig eine Befallsermittlung und eine Bestimmung der Käferart durchgeführt werden. Prüfen Sie nach, welche Textilien Fraßlöcher aufweisen und wo sich Eier und Larven befinden.
  • Das Ausmaß eines Befalls kann durch das Aufstellen von Pheromon-Klebefallen für "Pelz-/Teppichkäfer" ermittelt werden. Dabei sollte darauf geachtet werden, ggf. Fallen an mehreren Stellen zu platzieren (z.B. in Kleiderschränken, Truhen etc.), um den zentralen Befallsherd besser lokalisieren zu können. Nach der Bekämpfung sollten ebenfalls Lockstoff-Fallen eingesetzt werden, um den Erfolg der Maßnahme zu kontrollieren.
    Da die Fallen mit den Sexuallockstoffen (Pheromonen) „nur“ Männchen anlocken, dienen sie dem „Monitoring“, reichen als Bekämpfungsmaßnahme allein jedoch nicht aus. Die Klebefallen werden in Drogeriemärkten, Baumärkten oder im Fach- und Internethandel angeboten.

Bekämpfungsmaßnahmen

Zur Bekämpfung  von Teppichkäferbefall stehen eine Reihe verschiedener physikalischer und thermischer Verfahren sowie Naturprodukte zur Verfügung. Diese sollten grundsätzlich vorrangig vor synthetischen Insektiziden angewendet werden. Alternative Maßnahmen sind in der Regel aufwendiger und sind am effektivsten, wenn sie miteinander und den beschriebenen Vorsorgemaßnahmen kombiniert werden. Sollten diese nicht-chemischen bzw. alternativen Bekämpfungsmaßnahmen nicht ausreichen, sollte bei einem hartnäckigen, wiederkehrenden Befall die Anwendung von Insektiziden nur von einem sachkundigen Schädlingsbekämpfer vorgenommen werden.

Alternative Maßnahmen

  • Wiederholtes Staubsaugen, um abgelegte Eier und Larven von Materialien zu entfernen bzw. um Ritzen und Fugen von Hautschuppen und Haaren zu reinigen. Dafür sollten auch Möbel beiseite gerückt werden. Ausgesaugt werden sollten ebenfalls Schränke, Truhen und Bettkästen, die anschließend mit Essigreiniger oder verdünnter Essigessenz (Verdünnung: 1 Teil Essigessenz auf  4 Teile Wasser) gereinigt werden sollten.
  • Möbel und Teppiche, in denen tierische Fasern verarbeitet sind (z.B. Schurwolle), können mittels Dampfreinigung gesäubert werden. Dampfreiniger können in Spezialgeschäften und Baumärkten ausgeliehen werden.
  • Waschbare Materialien können mit heißem Wasser behandelt werden – mindestens eine Stunde, besser zwei Stunden bei 60°C. Vorher sollte geprüft werden, ob das Material bzw. das Textil eine solche Heißbehandlung unbeschadet überstehen kann.
  • Weitere Hitzebehandlungen sind im Heißluftherd für kleine Textilien oder auch in der Sauna möglich. Die Dauer der Behandlung muss jedoch mehrere Stunden bei mindestens 60°C betragen, um einen Erfolg zu gewährleisten.
  • Befallene Textilien, Felle oder Pelze können bei mindestens -18°C im Gefrierschrank eingefroren werden. Ggf. sollte die Maßnahme nach 2-3 Wochen wiederholt werden. Während des Einfrierens und der Zwischenlagerung sollten die Materialien in sehr gut verschlossenen Plastikbeuteln aufbewahrt werden.

Mineralpulver (Diatomeenerde, Kieselgur, Silicatpulver)

Eine sehr gute Alternative zu neurotoxischen Insektiziden sind pysikalisch-mechanische Verfahren. Die angebotenen Präparate bestehen aus sehr fein gemahlenen Kieselagen (fossiles Plankton) oder natürlicher Kieselsäure. Die sehr kleinen Partikel sind sehr scharfkantig und beschädigen die Wachsschicht bzw. den Chitinpanzer der Käfer. Dies führt zu einem Austrocknen und Absterben der Insekten. Wichtig ist es, das Pulver nah an und in die Versteckplätze der Tiere auszubringen, denn sie müssen damit direkt in Kontakt kommen.
Der Einsatz ist bei richtiger Verwendung für Menschen und Haustiere ungefährlich. Das feine Pulver darf nicht eingeatmet werden und bei der Ausbringung sollten Handschuhe und Mundschutz getragen werden. Umfangreichere oder schwierige Anwendungen, z.B. das Einsprühen in Hohlräume, sollte von einem sachkundigen Schädlingsbekämpfer durchgeführt werden.

Niem-  oder Neemöl

Für eine Bekämpfung des Teppichkäfers im Wohnbereich kann das natürliche Öl des indischen Niembaums (oder Neem) genutzt werden. Dieses natürliche Insektizid greift spezifisch in den Entwicklungszyklus von Insekten ein, ist also kein Nervengift. Es führt zu einem anhaltenden Fraßstopp, verminderter Vitalität und hemmt so die Fortpflanzung. Nutzen Sie nur solche Produkte, die für den Einsatz gegen Insekten ausgelobt sind und beachten Sie die Gebrauchsanweisung. Angeboten werden auch Kombiprodukte von Niemöl und Mineralpulver.

Neurotoxische Insektizide

Angeboten werden pulverförmige Kontaktinsektizide, Sprühpräparate oder mit Wirkstoffen getränkte Papierstreifen, die die Wirkstoffe an die Innenraumluft abgeben. Eingesetzt werden i.d.R. Wirkstoffe der Stoffgruppe der Pyrethroide (z.B. Imiprothrin oder Cyphenothrin). Demgegenüber ist Pyrethrum ein natürlicher Extrakt, gewonnen aus Chrysanthemen. Da das Pyrethrum im Vergleich zu den im Labor hergestellten Pyrethroiden schnell unter Lichteinwirkung zerfällt, wird oft ein chemischer Wirkverstärker, das  Piperonylbutoxid (PBO), zugesetzt. Mittel mit PBO sind daher keine Naturprodukte.
Die Wirkstoffe wirken auf das Nervensystem von Insekten und anderen Lebewesen, wie dem Menschen. Außerdem können unerwünschte gesundheitliche Wirkungen, auch durch PBO, besonders bei empfindlichen Personen (z.B. Kleinkinder) und bei falscher Anwendung auftreten. Aus diesen Gründen sollten ungeschulte Privatpersonen auf die Verwendung dieser Mittel gänzlich verzichten. Bei hartnäckigem Befall sollte immer ein sachkundiger Schädlingsbekämpfer beauftragt werden.