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Taubenzecken, Europäische Taubenzecke

Argas reflexus
Taubenzecke
Taubenzecke
© PaulT (Own work) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Aussehen

Die Europäische Taubenzecke gehört zu den Lederzecken. Diese zeichnen sich u.a. durch das Fehlen eines Rückenschilds, wie es die Schildzecken haben, aus.

Zecken gehören zu den Spinnentieren und haben im Gegensatz zu Insekten acht Beine, mit Ausnahme des ersten Larvenstadiums, das nur sechs Beine besitzt. Die erwachsene Taubenzecke ist ca. 5-8 mm lang und damit im Vergleich zu anderen einheimischen Zeckenarten verhältnismäßig groß. Sie ist graubraun bis braun gefärbt und hat eine lederartige Oberfläche. Der eiförmige Körper ist im hungrigen Zustand abgeplattet, während er nach einer Blutmahlzeit deutlich angeschwollen und mehrere Millimeter dick ist.

Lebensraum / Vorkommen

Die Europäische Taubenzecke befällt vorwiegend Tauben und ist in Europa nur in oder an Bauwerken zu finden, die vom Menschen geschaffen worden sind. Sie tritt nicht in der freien Natur auf. Ihre Habitate sind Schlaf- und Nistplätze der Tauben, wie z. B. Dachböden. Hier lebt sie, teilweise zu Hunderten, in Ritzen des Mauerwerks und damit häufig in unmittelbarer Nachbarschaft zum Menschen.

Verhalten

Die Europäische Taubenzecke ist ein nachtaktiver, blutsaugender Parasit. Nur während der Blutaufnahme hält sie sich auf ihrem Wirt auf. Fehlt die Taube als natürlicher Wirt, geht die Taubenzecke auf andere Wirte, wie den Menschen, über. So wandern die Tiere z. B. nach dem Ausbau von Dachgeschossen, in denen vormals Tauben angesiedelt waren, in die neuen Wohnungen ein und befallen dort den Menschen.

Ernährung / Wachstumsbedingungen

Alle Entwicklungsstadien der Europäischen Taubenzecke ernähren sich vom Blut ihrer Wirte. Die erwachsenen Taubenzecken und die Nymphen saugen zwischen 20 und 60 Minuten, wohingegen die Larven bis zu elf Tage am Wirt verbleiben und Blut saugen. Zwischen den Blutaufnahmen liegen monatelange Hungerperioden, so dass die Tiere auch die Wintermonate überdauern können, ohne ihre Verstecke verlassen zu müssen. Taubenzecken sind äußerst widerstandsfähig sowohl gegen hohe als auch gegen niedrige Temperaturen und können im Extremfall jahrelang hungern.

Fortpflanzung

Das Weibchen legt mehrfach ca. 80 Eier in Gelegen ab. Nach etwa zwei bis acht Wochen schlüpfen die sechsbeinigen Jungtierstadien, die die Taubennestlinge befallen und bis zu elf Tagen an ihnen parasitieren. Anschließend verlassen die Zecken die Tauben, suchen ihre Verstecke auf und häuten sich nach 10 - 30 Tagen zum nächsten Entwicklungsstadium, der achtbeinigen Nymphe. Die Entwicklung zum erwachsenen Tier verläuft über zwei bis vier Nymphenstadien. Vor jeder Häutung müssen die Tiere Blut saugen. Anschließend nehmen sie zwei bis drei Monate und u. U. länger keine Nahrung auf. Die Entwicklung bis zum erwachsenen Tier dauert in der Regel etwa 3 Jahre, kann sich aber auf mehrere Jahre ausdehnen. Dabei sind Nahrungsangebot und Umgebungstemperatur ausschlaggebende Parameter. 

Die ausgewachsenen Taubenzecken können unter geeigneten Bedingungen bis zu 18 Jahre alt werden. In der Regel leben sie aber ca. 4-6 Jahre. 

Eine Fortpflanzung der Taubenzecke ist nicht möglich, wenn sie ausschließlich Menschen- oder anderes Säugetierblut aufnimmt.

Gesundheitsrisiken für den Menschen

Es ist nicht bekannt, dass die Europäische Taubenzecke Krankheitserreger auf den Menschen überträgt. Der Zeckenstich an sich wird von den Betroffenen oft nicht wahrgenommen. In Folge kann es zur Rötung bzw. Schwellung an der Stichstelle und oft auch zur Bildung eines empfindlichen Knotens kommen. Auch eine lokal entzündliche Reaktion, mit Bläschenbildung und Entstehen einer eiternden Wunde, u. U. mit Fieber, sind beschrieben. Eine besondere Bedeutung kommt dieser Zecke aber auf Grund ihrer Rolle als Allergenproduzent zu. So kann es bei den Betroffenen zu Schwellungen am ganzen Körper, beschleunigter Herzfrequenz, Atemnot, Schweißausbrüchen, Kopfschmerzen, vorübergehender Bewusstlosigkeit bis hin zum anaphylaktischen Schock kommen.

Gefahrenabschätzung

Taubenzecken können auf den Mensch übergehen, wenn ihnen der ursprüngliche Wirt nicht zur Verfügung steht. Dies ist z. B. der Fall, wenn auf einem Dachboden die Tauben vertrieben werden, im Zuge dieser Maßnahme aber keine Zeckenbekämpfung durchgeführt worden ist. Dann können die Taubenzecken über kleinste Öffnungen in angrenzende, bewohnte Wohnungen eindringen. Selbst Rigipswände stellen kein Hindernis dar, da die Tiere durch Schrauben- oder Nägellöcher in die Wohnungen gelangen können. Es ist nicht selten vorgekommen, dass eine neu ausgebaute Dachgeschosswohnung vorübergehend zurückgebaut werden musste, damit eine erfolgreiche Bekämpfung der Taubenzecken durchgeführt werden konnte.

Vorbeugung und Bekämpfung

Dachböden, auf denen Tauben nisten bzw. innerhalb der letzten zehn Jahre genistet haben, müssen grundsätzlich vor dem Um- oder Ausbau auf Taubenzeckenbefall hin kontrolliert werden. Bereits die Befallsermittlung bedarf großer Sachkunde, da die Zecken sich nicht auf Oberflächen, sondern in tiefen, unzugänglichen Spalten in Mauerwerk oder Holz aufhalten. Potentielle Verstecke müssen auf Taubenzecken und ihre Kotspuren hin untersucht werden. Diese sind schwarz und oft perlschnurartig angeordnet. Es ist auch durchaus sinnvoll, andere Mitbewohner des Hauses in Bezug auf Taubenzeckenstiche zu befragen.

 Bei Auftreten von Taubenzecken in Wohnungen sollten zunächst alle Betten von den Wänden abgerückt und die Beine in eine Sperrflüssigkeit (z. B. Spülmittelwasser) gestellt werden, so dass die Tiere nicht mehr in die Betten und damit an den Menschen gelangen können. Auch das Anbringen von Klebestreifen an Bettgestellen, im Fenster- und Balkontürbereich hat sich bewährt. Stellen, die den Zecken als Eintrittspforte in die Wohnung dienen, müssen unbedingt abgedichtet werden. 

Eine Bekämpfung erfolgt unter Verwendung von chemischen Akariziden. Sie ist sehr aufwändig und muss in jedem Fall von einem professionellen Schädlingsbekämpfer durchgeführt werden. Auf Grund der Fähigkeit der Zecken, über lange Zeit hinweg zu hungern, müssen intensive Nachkontrollen erfolgen, und es muss gewährleistet sein, dass Tauben keinen Zugang mehr zu den Stellen haben, an denen sich die Zecken angesiedelt haben.