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Stubenfliege

Musca domestica
Stubenfliege
Musca domestica und ihre Eier
© Hollerbach

Aussehen

Die Große oder Gemeine Stubenfliege (Musca domestica) kann bis zu 8 mm groß werden und hat einen grau bis schwarz gefärbten Körper mit vielen Bosten und vier dunklen Längsstreifen auf dem Rücken, große rote Facettenaugen und ein Flügelpaar. Die Flügel zeigen eine feine Maserung und sind sehr dünn. Da Stubenfliegen gerne Tierställe bevölkern, werden sie mancher Orts auch ‚Stallfliegen’ genannt. Sie haben als Mundwerkzeug einen Saugrüssel.

Lebensraum / Vorkommen

Stubenfliegen kommen außer in Wüsten weltweit vor: sie sind typische Kulturfolger. Ihre Maden entwickeln sich in faulender organischer Substanz und Kot. Die erwachsenen Tiere ernähren sich von zuckerhaltigen Substanzen. Feststoffe werden mit dem Speichel aufgelöst, Flüssigkeiten werden direkt mit dem Saugrüssel aufgenommen.

Verhalten

Stubenfliegen locken sich gegenseitig an, man spricht von einem „Herdentrieb“ und sagt: „Wo Fliegen sind, kommen Fliegen hin“. Was für den Menschen als lästig empfundenes „Neugierverhalten“ gedeutet wird, ist das gezielte Anfliegen und Abtasten von als neu erkannten Objekten. Bekannt ist bei der Stubenfliege außerdem ihr ausgiebiges Putzverhalten.

Ernährung / Wachstumsbedingungen

Die erwachsenen Fliegen ernähren sich vorwiegend von zuckerhaltigen Flüssigkeiten und benötigen lediglich zur Ei-Produktion Proteine. Die Stubenfliege findet ihre Nahrung durch ihren Geruchsinn, Wärme- und Feuchtigkeitssinn, sowie ihren sich an den Füßen befindlichen Geschmackssinn.

Die Larven (Maden) ernähren sich von faulender organischer Substanz und Exkrementen, in welcher deshalb die Eiablage erfolgte. Komposthaufen mit Haushaltsabfällen und Biomülltonnen werden deshalb gerne zur Eiablage aufgesucht.

Fortpflanzung

Faulende organische Substanz und Exkremente scheiden Buttersäure aus, über welche die Stubenfliege zur Eiablage angelockt wird. Das Weibchen legt bis zu sechs Mal jeweils bis zu 150 perlweiße Eier ab, die für ihre Entwicklung Feuchtigkeit brauchen. Bei optimalen Temperaturen (37 °C) schlüpft bereits nach 8-10 Stunden die Larve (Made); sie ernährt sich von der faulenden Substanz. Nach sechs Tagen und zweimaliger Häutung verpuppt sich die Larve zu einer so genannten Tönnchenpuppe. Innerhalb einer Woche ist die Entwicklung mit dem Schlupf der erwachsenen Fliege abgeschlossen. Bereits am dritten Lebenstag kann die nächste Eiablage erfolgen. Die erwachsene Fliege hat eine Lebenserwartung von zwei bis drei Wochen.

Gesundheitsrisiken für den Menschen

Durch die Eiablage in faulender organischer Substanz, Kadavern und Exkrementen können Fäulnis- und Krankheitserreger an der Fliege haften bleiben, die bei einem anschließenden Aufenthalt auf Lebensmitteln übertragen werden können. Dadurch kann es zu einem schnellen Verderben der Lebensmittel kommen, es können aber auch Infektionskrankheiten wie Salmonellen, Ruhr, Maul- und Klauenseuche, sowie sehr selten Cholera und Typhus übertragen werden.

Gefahrenabschätzung

Durch die Eiablage in faulender organischer Substanz und in Exkrementen können Krankheitserreger übertragen werden, wenn die Tiere anschließend auf Lebensmittel sitzen. Diese Gefahr wird aber bei normalem Befall in Mitteleuropa derzeit als äußerst gering eingeschätzt. Das Verderben von Lebensmitteln durch Keimübertragung ist von Relevanz.

Vorbeugung und Bekämpfung

Vorbeugend ist zu empfehlen, keine Lebensmittel offen herumstehen zu lassen, sondern immer verschlossen zu lagern oder mit Gazehauben abzudecken. Ebenso sollten Abfall- und Komposteimer abgedeckt und täglich entleert werden, bevor dort Eier abgelegt werden und Larven schlüpfen können. Kompost und Biomülltonne sollten möglichst weit von Fenstern entfernt aufgestellt werden. Besonders in ländlichen Gebieten mit starkem Zuflug von Fliegen aus Tierhaltungen (Misthaufen) bieten Fliegengazefenster einen sicheren Schutz. Im Haus ist eine Bekämpfung mit Fliegenklatschen und Leimfängern möglich. Der Einsatz von Ungezieferspray im Haushalt kann nicht empfohlen werden. Treten gehäuft Fliegen im Haus auf, sollte zuerst nach den Ursachen, z. B. faulenden Lebensmitteln oder Essensresten gesucht und diese beseitigt werden. Im Handel werden Gelbtafeln angeboten, die die Tiere anlocken, worauf sie dann auf deren klebriger Oberfläche haften bleiben. Auch das Aufhängen von Flaschen mit zuckerhaltigen Flüssigkeiten lockt die Stubenfliege an und sie ertrinkt, da sie durch den engen Flaschenhals nicht mehr herausfindet. Die im Handel angebotenen UV-Lampen, die Insekten anlocken und an einem Stromgitter abtöten, sind eine Option für Bäckereien, Restaurants usw., in privaten Haushalten können sie beschränkt zur Anwendung kommen. Darüber hinaus dürfen sie nur im Haus eingesetzt werden. Im Garten locken diese Geräte sehr viele nützliche Tiere wie z.B. Nachtfalter an, die dann auch getötet werden. Daher ist dort der Einsatz nach der Bundesartenschutzverordnung verboten.

Chemische Bekämpfung von Fliegen erfolgt vor allem in und um landwirtschaftliche Tierhaltungen. Ein großes Problem stellt dabei die rasche Entstehung von Resistenzen gegen Biozide dar. Dies erschwert die Bekämpfung und ist ein weiterer Grund, alternative Bekämpfungsmethoden anzuwenden. Solche sind auch in Massentierhaltungen durch entsprechende Berücksichtigung im Stallbau und durch spezielles Hygienemanagement möglich.