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Stechmücken

Culex spec., Anopheles spec., Aedes spec.
Moskito
Südliche Hausmücke (Culex quinquefasciatus)
© CDC / James Gathany

Aussehen

Stechmücken (Familie Culicidae) sind Insekten und gehören zur Ordnung der Zweiflügler (Diptera).

Stechmücken sind schlank, haben lange Beine, dünnhäutige und durchsichtige Flügel und sind grau bis bräunlich gefärbt. Ihre Körperlänge beträgt etwa 6-10 mm, wobei der Stechrüssel die halbe Länge einnehmen kann. Die Männchen sind deutlich kleiner als die Weibchen und unterscheiden sich von diesen durch ihre dichte Fiederung der Antennen. Die Larvenstadien leben ausschließlich im Wasser, wobei sie mit dem Hinterteil nach oben an der Wasseroberfläche hängen. Larven werden bis zu 5 mm lang. Die sich aus den Larven entwickelnden Puppen hängen mit ihren zwei am Kopf befindlichen Atemrohren direkt unterhalb der Wasseroberfläche und nehmen eine gekrümmte Körperstellung ein. Stechmückenlarven und -puppen sind beweglich.

Lebensraum / Vorkommen

Weltweit sind etwa 3.500 unterschiedliche Stechmückenarten bekannt, von denen in Mitteleuropa über 100 Arten vorkommen. In Deutschland sind etwa 50 Arten aus sieben Gattungen heimisch. Da die gesamte Entwicklung der Stechmücken an Wasser gebunden ist, treten diese Insekten bevorzugt in der Nähe von stehenden Gewässern und Feuchtgebieten auf. Aber auch Pfützen und andere kleinere Gewässer in beispielsweise Regenwassertonnen und anderen künstlichen Behältern stellen geeignete Reproduktionsbedingungen für diverse Stechmückenarten dar. Strömende Gewässer sind für die Entwicklung der meisten Stechmückenarten nicht geeignet. Manche Stechmückenarten legen ihre Eier auf feuchten Böden ab, die zu bestimmten Jahreszeiten überschwemmt werden (Überschwemmungsmücken). Nach starken Regenfällen und bei Hochwasser im Sommer kann es dann zur Massenentfaltung von Stechmücken und einer massiven Belästigung kommen.

Verhalten

Die Wirtsfindung der Stechmückenweibchen wird zum einen durch optische Faktoren (z. B. sich bewegende, dunkle Objekte) beeinflusst. Zum anderen reagieren sie auf Wärme, feuchte Luft, ausgeatmetes Kohlenstoffdioxid sowie Körpergeruch (Schweiß, Harn, Blut). Dabei nehmen die Stechmücken das ausgeatmete Kohlenstoffdioxid und Körperdüfte mit ihren Fühlern (Antennen) wahr. Bei der Suche nach geeigneten Eiablageplätzen nutzen Stechmücken ebenfalls vor allem ihren Geruchssinn und können so nährstoffreiche Gewässer als geeignete Brutplätze erkennen. Diese Eigenschaften macht man sich bei der Anwendung von Mückenfallen zu Nutze.

Ernährung / Wachstumsbedingungen

Nur die weiblichen Stechmücken saugen Blut, welches sie für die Eiproduktion benötigen. Ihren Energiebedarf decken sie durch die Aufnahme von süßen Pflanzensäften und Blütennektar. Die Männchen ernähren sich ausschließlich von Pflanzensäften und Nektar. Die im Wasser lebenden Larvenstadien ernähren sich von Detritus (zerfallenen organischen Substanzen) und Plankton (z.B. Algen), das sie aus dem Wasser herausfiltern. Das Puppenstadium nimmt hingegen keine Nahrung auf.

Fortpflanzung

Je nach Stechmückenart überwintern entweder die erwachsenen Tiere, die Larven oder Eier. Die befruchteten Weibchen der Gemeinen Stechmücke (Culex pipiens), eine weit verbreitete mitteleuropäische Art, überwintern an geschützten, frostfreien Räumen, z. B. in Kellern oder Ställen. Im Frühjahr legen sie ihre Eier in Form von sogenannten Eischiffchen an der Wasseroberfläche ab (150-300 Eier). Arten der Gattung Anopheles (Anopheles claviger) legen ihre Eier einzeln auf der Wasseroberfläche ab, wobei sternen-oder gitterförmige Ansammlungen entstehen können, wenn diese zusammentreiben. Die Eiablage von Aedes-Arten (z.B. Aedes vexans) erfolgt in feuchten Gebieten, in denen es regelmäßig zu Überschwemmungen kommen kann. Die einzeln abgelegten Eier können außerhalb des Wassers mehrere Monate lang verharren, bis die Bedingungen für die weitere Larvenentwicklung günstig sind. Die Entwicklung zur ausgewachsenen Stechmücke durchläuft vier Larven- und ein Puppenstadium, aus dem das erwachsene Insekt schlüpft. Der Entwicklungszyklus verläuft bei hohen Temperaturen und guter Nahrungsverfügbarkeit rascher. Die gesamte Entwicklung vom Ei bis zum Schlupf der erwachsenen Stechmücke kann damit unter günstigen Bedingungen lediglich 10-14 Tage betragen. Weibliche Stechmücken werden in unseren Breiten mehrere Wochen alt, und können bei Kälteeinbrüchen während der Winterruhe ein Alter von mehreren Monaten erreichen. Die Männchen sterben deutlich früher und überwintern nicht. Pro Jahr können sich hierzulande bis zu sechs oder sieben Generationen entwickeln. In den Tropen beträgt die Lebenserwartung in der Regel weniger als zwei Wochen.

Natürliche Feinde

Die erwachsenen Stechmücken werden von Amphibien (z. B. Fröschen, Kröten und Molchen), Vögeln, Fledermäusen und Spinnen als Nahrungsquelle genutzt. Die Larven und Puppen dienen als Lebensgrundlage für andere Insekten (z. B. Wasserwanzen und –käfern und Libellenlarven) und andere Gewässertiere wie Fischen. Deshalb ist die Stechmücke durchaus ein wertvoller Bestandteil der Nahrungskette und besitzt so eine nicht zu unterschätzende Bedeutung in der Ökologie von Gewässern.

Gesundheitsrisiken für den Menschen

Kurze Zeit nach einem Stich tritt an der Einstichstelle eine Schwellung und Juckreiz auf. Dies ist eine lokale, allergische Reaktion auf Eiweiße im Mückenspeichel (u. a. Histamin), den die Mücke injiziert, um die Blutgerinnung im Wirt zu hemmen. Während des ein- bis dreiminütigen Saugvorganges können aber auch Krankheitserreger übertragen werden. Zwar kommen in Mitteleuropa heutzutage nur sehr vereinzelt Krankheiten vor, die von Stechmücken übertragen werden können, man befürchtet aber, dass sich im Zuge der Klimaerwärmung die Situation sowohl für manche Stechmücken als auch Krankheitserreger so verbessern kann, dass sich stabile Populationen in Europa ausbilden können. Manche Viruserkrankungen (West-Nil, Chikungunya, Dengue, Gelbfieber) oder die Malaria könnten eventuell auch in unseren Breiten (wieder) vorkommen. In jüngerer Vergangenheit gab es bereits in Europa einige Epidemien (Chikungunya, West-Nil), deren Erreger durch Stechmücken übertragen werden.

Gefahrenabschätzung

Stechmücken können unter bestimmten Bedingungen diverse Krankheitserreger übertragen, wenn sie diese bei einer vorangegangenen Nahrungsaufnahme bei einem infizierten Wirt aufgenommen haben. Voraussetzung dafür sind u. a. eine ausreichend hohe Dichte der Überträgermücken und geeignete klimatische Bedingungen. In Deutschland werden seit einigen Jahren Stechmücken nachgewiesen, die ursprünglich in tropischen Gebieten beheimatet sind (z. B. Aedes albopictus ) und die auch Überträger tropischer Erreger, wie z. B. des Dengue- oder des Chikungunya-Virus, sein können. Das Risiko einer Infektion mit tropischen Erregern in Deutschland wird derzeit als äußerst gering eingeschätzt, kann aber insbesondere vor dem Hintergrund, dass eine Zunahme infizierter Reisender zu verzeichnen ist, nicht völlig ausgeschlossen werden. Weitere Informationen z.B. zum Zika-Virus finden Sie beim Robert Koch Institut unter www.rki.de/SharedDocs/FAQ/Zikavirus/Zikavirus-Infektionen.html .

Vorbeugung und Bekämpfung

Im Garten sollten Wasseransammlungen vermieden werden (z. B. in Eimern oder Gießkannen). Darüber hinaus sollten Regentonnen stets abgedeckt und andere Wasserbehältnisse, wie z. B. Vogeltränken, mindestens einmal in der Woche restlos entleert werden. In weiteren potentiellen Brutbehältnissen kann eine Wasseransammlung vermieden werden, indem diese umgedreht, mit Abläufen versehen oder mit Sand (z. B. Kies) gefüllt werden. Zur Mückenabwehr im Haus hält man die Fenster (abends) geschlossen oder bringt Fliegengitter an den Fenstern an. 

 

Der Einsatz von Mückensprays im Haushalt oder eine dauerhafte Biozidfreisetzung zur Mückenbekämpfung, beispielsweise durch Elektroverdampfer, kann nicht uneingeschränkt empfohlen werden, da hierbei die Wirkstoffe in die Atemluft abgegeben werden. Der Einsatz von Verdampfern sollte daher wohlüberlegt sein und bestimmten Situationen vorbehalten bleiben. Von einem Dauereinsatz oder dem Gebrauch in schlecht belüfteten Räumen ist abzuraten. Geräte, die Stechmücken mittels Ultraschall vertreiben sollen (Hochfrequenz-Piepser), unterliegen keiner Prüfung oder Zulassung. Dementsprechend können keine amtlichen Empfehlungen zu solchen Geräten gegeben werden. Im Handel angebotene UV-Lampen, die die Tiere anlocken und an einem Stromgitter abtöten (Hochspannungs-Lichtfallen), dürfen nur im Haus eingesetzt werden. Sie sind im Außenbereich verboten, da Mücken kaum vom UV-Licht angezogen werden. Stattdessen werden viele gefährdete Insektenarten wie zahlreiche Nachtfalter oder auch Netzflügler durch die Geräte angelockt und getötet. Im Freien schützen helle, nicht enganliegende Kleidung und/oder Moskitonetze vor Mückenstichen. Auf die Haut aufgetragene Repellenzien (Vergrämungsmittel) sollen auf die gesamte freiliegende Haut aufgetragen werden. Bei umfangreichen Outdoor-Aktivitäten bietet mit Repellenzien behandelte Kleidung zusätzlichen Schutz. Grundsätzlich ist das Tragen heller Kleidung zu empfehlen, da die Stechmücken bevorzugt dunkle Farben anfliegen. Für Reisen in Malariagebiete gibt die Deutsche Tropenmedizinische Gesellschaft Hinweise zur Expositionsprophylaxe. Die Kommunale Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage e. V. (KABS) gibt Informationen zur biologischen Stechmückenbekämpfung in Deutschland.

 

weitere Informationen unter dem Biozid-Portal Praxisfälle (http://www.biozid.info/deutsch/praxisfaelle/alle-bereiche/muecken-haeufig-gestellte-fragen-und-antworten/detail/).

Weitere Informationen: