StartseiteSchädlingsratgeberSchmeißfliege

Schmeißfliege

Calliphora vicina
Blaue Schmeiß- oder Fleischfliege
Blaue Schmeiß- oder Fleischfliege (Calliphora vicina)
© Pospischil

Aussehen

Die wohl bekanntesten Vertreter der Schmeißfliegen sind wohl die Blaue Schmeiß- oder Fleischfliege (Calliphora vicina) und die metallisch-goldgrün glänzende Goldfliege (Lucilia sericata). Mit einer Länge bis 14 mm sind sie etwas größer als die Stubenfliege ist; von dieser unterscheiden sie sich auch durch ihre auffallend schillernde Färbung. Wie die Stubenfliege besitzen sie große rote Facettenaugen, einen Saugrüssel, mit dem sie ihre Nahrung aufnehmen und ein Paar Flügel.

Lebensraum / Vorkommen

Weltweit kommen über 1000 Arten von Schmeißfliegen vor, in Deutschland sind es allein mehr als 40 Arten. Die ausgewachsenen Tiere treten praktisch in allen Lebensräumen auf. Man findet sie auf Blumen und Blüten, wo sie Nektar und Pollen aufnehmen. Zum Auflecken von Säften und zur Ei- bzw. Larvenablage suchen sie zerfallene organische Substrate verschiedenster Herkunft auf. Häufig treten sie daher auch auf tierischem Aas, Dung oder Kot, aber auch auf Ausscheidungen menschlicher Herkunft auf.

Verhalten

Ein beliebter Aufenthaltsort dieser Insekten sind Kothaufen. Der Name „Schmeißfliege“ stammt von dem Wort „schmeißen“, welches heute ein veralteter Begriff für ‚Kot abgeben’ ist. Sie legen ihre Eier gerne auf Dung und Kot ab, aber auch in Lebensmitteln tierischer Herkunft, wie Fleisch, Wurst oder Käse. Lucilia sericata legt ihre Eier teilweise auf der Haut oder in Wunden von Wirbeltieren ab, wo sich die Larven von Bindegewebe ernähren.

In der Humanmedizin werden die Maden gelegentlich auch zur Wundheilung eingesetzt. Die Maden werden dazu steril im Labor gezüchtet und auf die zu behandelnde Wunde gesetzt; dabei wird (nur) das abgestorbene Fleisch von den Tieren abgefressen und so eine Infektion verhindert.

Beide Fliegenarten gehören zu den forensisch bedeutsamen Fliegengattungen. Forensische Entomologen (für die Gerichtsmedizin tätige Insektenforscher) können durch die Bestimmung der verschiedenen Fliegenentwicklungsstadien auf einem Leichnam konkrete zeitliche Aussagen über dessen Liegedauer machen und somit Rückschlüsse auf den Todeszeitpunkt ziehen.

Ernährung / Wachstumsbedingungen

Die Fliegen ernähren sich von Blütennektar und Pollen, aber auch von sich zersetzender organischer Substanz tierischer Herkunft. Sie finden ihre Nahrung durch ihren ausgeprägten Geruchsinn, Wärme- und Feuchtigkeitssinn, sowie durch ihren sich an den Füßen befindlichen Geschmacksinn. Besonderen Schaden richten die Maden an, die in Lebensmitteln schlüpfen und diese zersetzen und verderben.

Lucilia sericata legt ihre Eier in manchen Regionen auf der Haut von Schafen ab, die Maden dringen nach dem Schlupf in die Haut ein und ernähren sich vom vorhandenen Bindegewebe. Wird das Schaf nicht behandelt, kann es durch die Entstehung von Giftstoffen zu Lähmungserscheinungen bis hin zum Tod des Tieres kommen.

Fortpflanzung

Das Weibchen legt jeweils 50 bis 100 Eier auf der Oberfläche von in Zersetzung befindlicher organischer Substanz ab. Dies können auch offen stehende Lebensmittel wie Fleisch, Wurst oder Käse sein. Die Anlockung erfolgt dabei durch Geruchsstoffe, die bei der Verwesung und dem bakteriellen Abbau von Eiweiß entstehen. Nach wenigen Tagen schlüpfen die Larven (Maden) und dringen ins Substrat ein. Nach ca. einer Woche verpuppen einem trockenen dunklen Ort. Aus der Puppe schlüpfen nach weiteren 10 Tagen dann die jungen Fliegen. Die Lebenserwartung der erwachsenen Fliegen liegt bei wenigen Tagen bis Wochen.

Gesundheitsrisiken für den Menschen

Durch den Aufenthalt der Tiere auf sich zersetzender organischer Substanz, Aas oder Exkrementen können Krankheitserreger wie z. B. Salmonellen, Amöben oder Wurmeier auch auf Lebensmittel übertragen werden. Die Gefahr einer Übertragung von Krankheiten wird in Mitteleuropa derzeit jedoch als sehr gering eingeschätzt.

Gefahrenabschätzung

Durch die Übertragung von Lebensmittel-zersetzenden Keimen wie auch durch den Fraß der Maden werden Nahrungsmittel verdorben. Auch können hierbei krankheitserregende Keime auf Lebensmittel übertragen werden.

Das Verderben von Lebensmitteln durch Keimübertragung ist von Relevanz.

Neben dem Verderben von Lebensmitteln kann es durch die Verschmutzung mit Kot zu Schäden kommen, wenn klebrige schwarze Flecken auf Tapeten, Bildern und Fensterscheiben die Folge sind.

Vorbeugung und Bekämpfung

Vorbeugend gegen eine massenhafte Vermehrung ist es, Abfallbehälter und Biotonnen regelmäßig zu leeren und zu reinigen, um eine Geruchsbildung zu vermeiden. Die Tiere können kilometerweit durch Zersetzungsgeruch angelockt werden. Lebensmittel tierischer Herkunft sollten nur verschlossen und gekühlt gelagert werden. Generell sollten Lebensmittel im Sommer nur in verschlossen Behältern oder unter einer Abdeckhaube gelagert werden. Fliegengaze (ausgezeichnet mit Umweltzeichen Blauer Engel) an den Fenstern verhindert das Eindringen der Tiere in Wohnräume. Auch für Türen gibt es entsprechende Vorhänge. Einzelne Tiere können mit der Fliegenklatsche oder mit Leimfliegenfängern bekämpft werden. Auch mit Zuckerwasser gefüllte enghalsige Flaschen können helfen, da sie die Tiere in die Flasche locken, aus der sie dann nicht mehr herauskommen.

Weitere Informationen: