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Schildzecken

Ixodes ricinus (Holzbock), Dermacentor reticulatus (Auwaldzecke)
Schildzecke
Schildzecke
© luise / PIXELIO

Aussehen

Zecken gehören zu den Spinnentieren und haben – im Gegensatz zu den Insekten – acht Beine. In Mitteleuropa sind die Schildzecken (Ixodidae) die am weitesten verbreiteten Zecken. Sie tragen ein ausgeprägtes Chitinschild auf ihrem Rücken („Schildzecken“), das ein Muster aufweist. Dieses Schild bedeckt bei den männlichen Zecken, die kein Blut mehr saugen, die gesamte Rückenfläche. Weibliche Zecken haben hingegen ein kleineres Rückenschild, das nur etwa das vordere Drittel des Körpers bedeckt. Ihr Hinterleib ist äußerst dehnbar, so dass sowohl große Mengen Blut aufgenommen, als auch möglichst viele Eier getragen werden können. Bei allen Entwicklungsstadien sind die Mundwerkzeuge von oben (dorsal) sichtbar, ein Merkmal, das die Schildzecken von den sog. Lederzecken unterscheidet.

Der bekannteste Vertreter der Schildzecken ist der Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus), der eine durchschnittliche Größe von 2,5 bis 4 mm erreicht, wobei die Weibchen größer als die Männchen sind.

Seit einigen Jahren wird auch die Auwaldzecke (Dermacentor reticulatus) in Deutschland vermehrt nachgewiesen. Diese Schildzecke ist größer als der Holzbock (5 mm, vollgesogen bis zu 15 mm) und trägt ein auffallendes Rückenschild mit weißer, marmorierter Musterung.

Lebensraum / Vorkommen

Schildzecken sind dort anzutreffen, wo die Bedingungen (hohe Luftfeuchte, geeignete Temperaturen) günstig und ihre Wirtstiere (Mäuse, Igel, Vögel, Wild- und Weidetiere) reichlich vorhanden sind. Dies ist besonders in Waldlichtungen mit hohem Grasbewuchs, an Bachläufen, Waldrändern und angrenzenden Weide- und Gartengebieten der Fall. Entgegen der landläufigen Meinung, dass sich Zecken von Bäumen oder Sträuchern von oben auf vorbeilaufende Menschen oder andere Warmblüter (Hunde, Katzen, Weidetiere) herabfallen lassen, lebt der Holzbock überwiegend in der bodennahen Vegetation. Zum Blutsaugen bereite Zecken positionieren sich auf der Spitze von Gräsern und niedrig wachsenden Pflanzen; sie werden aktiv, sowie sie bestimmte Auslösereize (Körperwärme, CO2) mit dem Hallerschen Organ am Endglied ihres vordersten Beinpaares wahrnehmen. Beim Vorbeistreifen im höheren Gras oder Gesträuch gelangen sie dann auf den Wirt – hierfür reicht ein äußerst kurzer Kontakt aus.

Unter Experten wird derzeit die Hypothese diskutiert, dass einige Zeckenarten von den steigenden Temperaturen in Mitteleuropa profitiert haben, da sie ihr Verbreitungsgebiet in den letzten Jahren sowohl nach Norden als auch in höhere Lagen ausgedehnt haben. Endgültige Beweise für diese Annahme stehen aber noch aus.

Verhalten

Zecken sind blutsaugende Parasiten. Sie sind je nach Witterungsverhältnissen von Februar oder März bis Oktober (November) und in unseren Breitengraden besonders im Frühsommer und Herbst aktiv. Die Zecken unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Aktivität bei der Wirtssuche. Während sich z. B. der Gemeine Holzbock von Gräsern und Buschvegetation abstreifen lässt, um dann auf dem entsprechenden Wirt Blut zu saugen, läuft die Auwaldzecke umher und geht aktiv auf Nahrungssuche. Wenn eine Zecke einen Wirt erreicht hat, sucht sie zuerst auf ihm nach einem geeigneten Ort – dies sind Körperregionen mit dünner, gut durchbluteter Haut, beim Menschen zum Beispiel die Leistenregion, Armbeugen und Kniekehlen sowie die behaarte Kopfhaut. Diese Suche kann durchaus mehrere Stunden dauern. Der Saugakt dauert je nach Zeckenstadium 3-12 Tage.

Fortpflanzung

Vor der Eiablage benötigt das Weibchen eine ausgiebige Blutmahlzeit. Für ihren 10-12 Tage dauernden Saugakt bevorzugen sie größere Wirtstiere. 500 bis 5000 Eier werden in mehreren Ablagen in der oberen Bodenschicht abgelegt. Nach drei bis sieben Wochen schlüpfen die sechsbeinigen Larven, die sich einige Wochen oder Monate nach einer Blutmahlzeit an einem Kleinsäuger (insbesondere Kleinnager) zur achtbeinigen Nymphe häuten. Die Nymphe befällt dann Säugetiere jeder Größe und häutet sich 10-18 Wochen nach einer Blutmahlzeit zum geschlechtsreifen Tier (Männchen oder Weibchen). Die gesamte Entwicklung dauert meist zwei Jahre, kann aber bei ungünstigen Wetterbedingungen bis zu vier Jahre in Anspruch nehmen. Alle drei Entwicklungsstadien können sowohl im gesogenen als auch im ungesogenen Zustand überwintern.

Gesundheitsrisiken für den Menschen

Der Holzbock tritt nur in der freien Natur oder im Garten auf. Beim Stich der Zecke können mit dem Speichel gefährliche Krankheitserreger (Viren, Bakterien, Einzeller) übertragen werden. Die beiden wichtigsten durch Zecken übertragene Erkrankungen beim Menschen sind hierzulande die Lyme-Borreliose und eine spezielle Form der Hirnhautentzündung, die Frühsommer-Meningo-Enzephalitis, (kurz FSME), eine Viruserkrankung. Letztere kommt allerdings viel seltener vor als eine Borreliose. Mit Borrelien infizierte Zecken treten deutschlandweit auf, während sich die Haupt-Risikogebiete der FSME auf Süddeutschland beschränken (Bayern, Baden-Württemberg und Südhessen). Eine Lyme-Borreliose kann zu grippeähnlichen Symptomen führen, die nicht immer erkannt werden. Chronische Verläufe sind möglich. Häufig tritt bei einer beginnenden Lyme-Borreliose ein sich allmählich in Größe und Form verändernder roter Fleck auf, die sogenannte ‚Wanderröte’ (Erythema migrans). Allerdings wird sie oft erst ein bis zwei Wochen nach dem Stich und bei 30-40 % der infizierten Patienten gar nicht sichtbar. Auwaldzecken befallen bevorzugt große Haustiere und können Babesiose, Q-Fieber und Tularämie übertragen. Zeckenstiche durch Auwaldzecken sind beim Menschen bisher selten; sie sind von einer starken Lokalreaktion gekennzeichnet. 

Weitere medizinische Informationen auch online unter http://www.zecken.de

Gefahrenabschätzung

FSME-Risikogebiete sind vor Ort gekennzeichnet. Weiterhin kann man sich beim Robert Koch-Institut über Risikogebiete informieren (siehe Link rechte Spalte). Die Gefahr einer Borrelieninfektion besteht bundesweit nach jedem Zeckenstich.

Vorbeugung und Bekämpfungsmaßnahmen

Eine chemische Zeckenbekämpfung im Freiland wird aus Umweltschutzgründen nicht praktiziert. Von einer solchen Maßnahme wären zudem auch Nichtzielorganismen, darunter viele Nützlinge betroffen. Möglichkeiten der alternativen Bekämpfungsmaßnahmen unter Einsatz natürlicher Feinde der Schildzecken (Nematoden und Pilze) werden erforscht, stehen aber derzeit nicht zur Verfügung. Aus diesen Gründen kann sich der Mensch nur durch vorbeugende Maßnahmen vor Zeckenstichen und den durch die Zecken übertragenen Krankheiten schützen. 

Personen, die in FSME-Risikogebieten leben und sich häufig in Wald und Flur aufhalten, sollten eine Impfung gegen die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) in Erwägung ziehen. Für die Vermeidung eines Zeckenbefalls ist bei Wanderungen und Spaziergängen in Zeckengebieten auf geeignete, möglichst helle Kleidung zu achten. Dazu gehören Kopfbedeckung, lange Hosen und Oberteile mit Ärmeln sowie geschlossenes hohes Schuhwerk. Die Socken sollten über die Hose gezogen werden. Nach Möglichkeit sollte man auch hohes, ungemähtes Gras oder Unterholz meiden und sich nicht direkt in die Wiese legen. Auch Sprays, Lotionen oder Cremes (z. B. Repellenzien) können zur Zeckenabwehr angewendet werden. Allerdings sollte auf gute Wirksamkeit geachtet werden, denn die Schutzwirkung vieler Zeckenschutzmitteln wird oft überschätzt. Abends sollte der Körper auf Zecken abgesucht werden. Da Zecken zuerst nach einer idealen Einstichstelle suchen, besteht kein Infektionsrisiko, wenn die Zecke entfernt wird, bevor sie gestochen hat. Auch zu Beginn des Saugaktes werden noch keine Krankheitserreger übertragen, so dass ein frühes Entfernen das Infektionsrisiko mindert. Dazu sollte die Zecke mit einer Pinzette oder Zeckenzange vorsichtig und möglichst nah an der Haut gefasst werden und mit festem Griff gleichmäßig herausgezogen werden, ohne den Zeckenkörper dabei zu quetschen. Drehbewegungen, wie sie früher angeraten wurden, werden nicht mehr empfohlen. 

Als Hausmittel beschriebene Methoden, bei denen die Zecken mit Öl, Alkohol, Nagellack o. ä. bestrichen werden sollen, sind ungeeignet, da die Tiere dann im Stress vermehrt Speichel abgeben, der Krankheitserreger enthalten kann. Die Einstichstelle sollte nun einige Wochen beobachtet werden; tritt eine Wanderröte auf, sollte in jedem Fall umgehend ein Arzt aufgesucht werden. 

Gartenbesitzer, die im Garten Zecken finden (z. B. bei Waldrandlage oder umfangreichem Sträucherbewuchs), können als Schutz einen Kiesweg zwischen Sträuchern und Rasen anlegen, der einen halben Meter breit sein sollte. Zecken können diesen wegen der dort herrschenden Trockenheit nicht überwinden, sondern würden beim Versuch einer Überquerung austrocknen. 

Verschiedene Wirkstoffe (akarizide/insektizide und repellente) gegen Zecken werden derzeit hinsichtlich ihrer Wirksamkeit und ihres Gefährdungspotentials im Rahmen der Biozid-Produkte-Richtlinie bewertet. 

Sogenannte Zeckenhalsbänder und spot-on Präparate für Hunde und Katzen zählen zu den Tierarzneimitteln; ihre Vermarktung bedarf einer Zulassung der Europäischen Arzneimittel-Agentur. 

weitere Informationen auch online unter:

Umweltbundesamt (UBA) - KomPass
"Neue Krankheitserreger auf dem Vormarsch"

Friedrich Loeffler Institut (FLI) - Institut für bakterielle Infektionen und Zoonosen
Nationales Referenzlabor für durch Zecken übertragene Krankheiten

Robert Koch Institut (RKI)
mit Informationen zu Borreliose und FSME

Zecken.de
mit medizinischen Informationen und monatlichem Zecken-Newsletter