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Schaben

Blattella germanica (Deutsche Schabe), Blatta Orientalis (Kakerlake), Periplaneta americana (Amerikanische Schabe)
Schaben auf einer Klebefalle
Schaben auf einer Klebefalle
© Carola Kuhn / Umweltbundesamt

Aussehen

Schaben gehören zu den Insekten. Die Körpergröße der verschiedenen Vertreter kann zwischen 5 mm und 100 mm betragen. Typische Merkmale der Schaben sind der abgeplattete Körper, der den gesamten Kopf bedeckende Halsschild (Pronotum) sowie zwei kleine Fortsätze am Hinterleib, die sog. Cerci. Die meisten Schaben haben zumindest als ausgewachsene Tiere lange, den Hinterleib überragende Flügel. Diese werden in der Regel aber höchstens zu einer Art Gleitflug entfaltet.

In diesem Schädlingsratgeber sollen die drei Arten vorgestellt werden, die weltweit am häufigsten in Haushalten anzutreffen sind und für den Menschen als Gesundheitsschädling von Bedeutung sein können.

Die Deutsche Schabe (Blattella germanica), ist etwa 10-14 mm lang und gelbbraun gefärbt. Die ausgewachsenen Tiere beiderlei Geschlechts haben lange, den Hinterleib überragende Flügel, während diese bei den Juvenilstadien noch nicht ausgebildet sind.

Die Orientalische Schabe (Blatta orientalis), hierzulande auch Kakerlake genannt, misst hingegen 23-28 mm und ist kastanienbraun (Männchen) bzw. schwarz (Weibchen). Bei den weiblichen Tieren sind die Flügel bis auf kurze Stummel zurück gebildet, während die der männlichen Tiere etwa 75 % des Hinterleibs bedecken.

Die Amerikanische Schabe (Periplaneta americana) ist rotbraun und mit 34-53 mm die größte der hier beschriebenen Schabenarten. Die Flügel der weiblichen Tiere erreichen die Hinterleibsspitze bzw. ragen bei den Männchen über den Hinterleib hinaus.

Alle drei Schabenarten haben auffallend lange Antennen (Fühler), die länger als der gesamte Körper sind.

Lebensraum / Vorkommen

Weltweit sind ca. 3.500 Schabenarten bekannt, davon kommen die meisten in den Tropen und Subtropen vor. Der überwiegende Teil der Arten tritt im Freiland auf und hat als Gesundheitsschädling keinerlei Bedeutung für den Menschen.

Die drei oben erwähnten Schabenarten sind weltweit in Innenräumen verbreitet, in Mitteleuropa ist die Deutsche Schabe wohl die dominierende Schabenart. Die Tiere bevorzugen je nach Schabenart Temperaturen von 20-30 °C, benötigen Feuchtigkeit und sind an Standorten zu finden, die Licht gedämpfte Nahrungs- und Unterschlupfstellen bieten. Die Schaben sind angepasst an den menschlichen Siedlungsbereich (Synantrophie). Besonders betroffen sind Gaststätten, Großküchen, Krankenhäuser, Lebensmittellager sowie Zoologische Gärten und Zoohandlungen, aber auch in Privathaushalten treten die Tiere auf. Eine Einschleppung erfolgt hier meist durch Lebensmittelverpackungen, gebrauchte Elektrowaren oder Reisegepäck. Ausgehend von einer Befallsquelle (z. B. Bäckerei) kann es zu einer kontinuierlichen Einwanderung in die Umgebung kommen.

Verhalten

Die drei Schabenarten sind nachtaktiv und verbringen den Großteil des Tages in ihren Verstecken. Sie zeigen ein auffälliges Aggregationsverhalten, d. h. man findet sie meist in größeren Ansammlungen. Die Deutsche Schabe ist ein sehr schneller Läufer mit großem Aktionskreis, und kann sich auch auf glatten, senkrechten Flächen flink bewegen. Die Orientalische Schabe hingegen ist ein vergleichsweise schlechter Läufer, kann aber Distanzen von einem Meter und mehr schwimmend zurück legen. Die Amerikanische Schabe kann – etwas plump und mehr segelnd - fliegen.

Ernährung / Wachstumsbedingungen

Schaben sind Allesfresser und ernähren sich vornehmlich von Lebens- und Futtermitteln oder nährstoffhaltigen Abfällen. Die Tiere können bei ausreichender Feuchtigkeit ca. einen Monat lang hungern. Die Entwicklung ist temperaturabhängig und verlängert sich bei niedrigen Temperaturen stark.

Fortpflanzung

Die weibliche Deutsche Schabe produziert in ihrem Leben vier bis acht Eipakete (Ootheken), die sie jeweils 25-27 Tage trägt und kurz vor Schlupf der Juvenilstadien ablegt. Insgesamt kann ein Weibchen bis zu 400 Nachkommen produzieren. Die Entwicklung zum ausgewachsenen Tier (Imago) bei einer Temperatur von 27 °C dauert 60-100 Tage und erfolgt über fünf bis zehn juvenile Stadien. Wenige Tage nach der Häutung zur adulten Schabe kopulieren die Tiere, in Folge dessen die erste Oothek nach ein bis zwei Wochen gebildet wird.

Die Orientalische Schabe hingegen produziert bis zu neun Ootheken mit jeweils bis zu 16 Eiern, die sie nach 12 Stunden bis fünf Tagen ablegt. Bei einer Temperatur von 30 °C schlüpfen nach etwa 40 Tagen die Juvenilstadien. Die Gesamtdauer der Entwicklung (über bis zu zehn Juvenilstadien) bis zum Imago dauert bis zu 1,5 Jahre.

Die Amerikanische Schabe entwickelt etwa 20-60 Eipakete mit jeweils etwa 16 Eiern, die sie an eine feste Unterlage heftet und mit abgebissenem Material bedeckt. Vorher trägt sie diese Eipakete zwischen 12 Stunden und fünf Tagen mit sich herum. Die Gesamtentwicklung bis zum Imago über 6-13 Juvenilstadien dauert ebenfalls bis zu 1,5 Jahre.

Gesundheitsrisiken für den Menschen

Auf Grund ihrer Ernährungsweise sind Schaben keine direkten Krankheitsüberträger. Allerdings verschleppen alle Schaben Keime, was besonders in der Krankenhaus- und Lebensmittelhygiene eine bedeutende Rolle spielt. Schaben können Allergien und Asthma auslösen. Als Allergene wirken Proteine insbesondere aus dem Kot und Speichel der lebenden Schaben sowie aus Kadavern von nicht beseitigten Tieren. Alle diese Allergene werden mit dem Hausstaub verteilt.

Ein Schabenbefall ruft hierzulande bei den Betroffenen großen Ekel hervor.

Gefahrenabschätzung

Um festzustellen, ob ein Schabenbefall vorliegt, können Klebefallen ausgelegt werden. Die so gefangenen Tiere können von einem Fachmann bestimmt werden, der dann auch Empfehlungen zur Bekämpfung gibt.

Insbesondere in Krankenhäusern und Großküchen können bei Schabenbefall die hygienischen Anforderungen auf Grund der Keimverschleppung durch die Tiere nicht eingehalten werden. Lebensmittel werden durch den Fraß und die Ausscheidungen der Tiere ungenießbar.

Vorbeugung und Bekämpfung

Einem Schabenbefall kann vorgebeugt werden, indem Lebensmittel nicht in Originalkartons (z. B. solche aus südlichen Ländern wie Bananenkisten) transportiert und im Haus abgestellt werden. Anlieferungen größerer Gebinde von Lebensmitteln sollten zunächst ausgepackt und untersucht werden, bevor sie in ihr endgültiges Lager oder in die Großküche gelangen. Gebrauchtwaren wie z. B. Elektrogeräte sollten nach Erwerb sehr genau auf Schaben untersucht werden. Auch Reisegepäck sollte nach der Rückkehr von Orten, an denen Schaben gesichtet wurden, vorsichtig ausgepackt und genau untersucht werden. Hier empfiehlt sich das Leeren der Reisetaschen in der Badewanne, da fliehende Tiere so schnell entdeckt und gefangen werden können. Des Weiteren sollten Lebensmittel und deren Reste für die Tiere unzugänglich gelagert bzw. sofort entfernt werden. Es empfiehlt sich, den Geschirrabwasch sofort nach dem Essen zu erledigen, da auch hier immer Nahrung für die Schaben zu finden ist.

Ein Schabenbefall muss hierzulande professionell bekämpft werden und erfolgt in der Regel durch das Auslegen von Fraßgiftködern. Bekämpfungsversuche durch Laien sind meist erfolglos, da die Verstecke der Schaben nicht gefunden werden und die tatsächliche Ausdehnung des Befalls in einem Gebäude oft unterschätzt wird.

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