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Rote Vogelmilbe

Dermanyssus gallinea
Foto: Rote Vogelmilbe in verschiedenen Entwicklungsstadien
© Johanna Schulz & Al Halbouni – Friedrich-Löffler-Institut

Aussehen

Die Rote Vogelmilbe Dermanyssus gallinae gehört zu den Spinnentieren und wird mit der Familie Dermanyssidae den Raubmilben (Mesostigmata, Gamasina) zugeordnet. Der Körper der achtbeinigen Weibchen, Männchen und Nymphen und der sechsbeinigen Larven hat eine ovale Form und relativ lange Mundwerkzeuge. Neben dem Bau der Mundwerkzeuge werden auf der Rücken- und Bauchseite des Körpers befindliche artspezifisch ausgeprägte Schilde und eine artspezifische Behaarung zur Unterscheidung von anderen, ähnlich aussehenden Milbenarten herangezogen. Die Milben erscheinen weißlich bis hellgrau bzw. hellbräunlich, gefüllte Darmbereiche sind nach einer Blutaufnahme als rote bis braune Konturen durch die Körperoberfläche sichtbar. Die Männchen von Dermanyssus gallinae sind etwa 0,6 mm lang, hungrige Weibchen etwa 0,7 bis 0,8 mm. Nach der Blutaufnahme können Weibchen über 1 mm lang sein.

Lebensraum / Vorkommen

Die Rote Vogelmilbe befällt zur Blutaufnahme Wildvögel, aber auch Hausgeflügel und Ziervögel. Zum Wirtsspektrum gehören u.a. Hühner, Tauben und Gänse. Die Milbe ist ein temporärer Ektoparasit, lebt nicht auf dem Wirt, sondern in dessen unmittelbarer Umgebung, so dass sie ihn zügig zur Blutaufnahme erreichen kann. Sie nutzt dafür bevorzugt enge geschützte Nischen wie Spalten und Ritzen bei Nestern oder an Käfigen, auch in Sitzstangen der Vögel, an der Wand, am Boden, an Futtertrögen oder anderen geeigneten Gegenständen.
Die Rote Vogelmilbe ist weltweit verbreitet

Verhalten

Bei Temperaturen von mindestens ca. 10°C sind die Milben aktiv. Im Versteck bzw. an den für die Milben geschützten Orten sind häufig sehr viele Milben an einem Ort zu finden. Auf Wirtssuche bewegt sich die Milbe relativ zügig fort, sie kann dabei auch etwas weitere Entfernungen zurücklegen. Die Milben reagieren besonders auf Temperaturreize und können bereits sehr geringe Temperaturgradienten wahrnehmen. Ihren Wirt sucht die Milbe zur Blutaufnahme bevorzugt nachts auf, wenn dieser ruht. Sie kann aber auch tagsüber aktiv sein.

Ernährung / Wachstumsbedingungen

Dermanyssus gallinae-Larven nehmen kein Blut auf. Die Nymphen und adulten Milben benötigen zum Überleben und zur Häutung bzw. Eiablage Blut ihrer Vogelwirte. Bevorzugte Befestigungsstellen am Wirtskörper sind z.B. die Bereiche um die Schulter, den Nacken, des Rückens sowie um die Kloake. Die Blutaufnahme dauert etwa eine halbe bis eine Stunde. Auch ohne Nahrungsaufnahme können Vogelmilben bei geeigneten Temperaturen monatelang überleben.

Fortpflanzung

Ein Weibchen legt im Laufe seines Lebens etwa 30-50 Eier. Die Eiablage erfolgt in bis zu 8 Gelegen mit je etwa 4-8 Eiern bevorzugt in oberflächliche Spalten und Ritzen in Wirtsnähe. Die Entwicklung der Roten Vogelmilbe vollzieht sich über ein Larvenstadium und 2 Nymphenstadien (Protonymphe und Deutonymphe) zur adulten Milbe (Männchen bzw. Weibchen). Bei Temperaturen von 15°C bis 35°C in Verbindung mit einer höheren relativen Luftfeuchtigkeit von vorzugsweise über 70% können sich die Milben gut entwickeln. Während sich die Entwicklung bei 15°C langsamer vollzieht (Generationsdauer 28 Tage) und bei 15°C und 35°C mit niedrigeren Überlebensraten verbunden ist, erreicht die Milbe bei Temperaturen von 20-30°C hohe Überlebensraten. Bei 25-30°C wurden die kürzesten Generationsdauern von etwa 7 Tagen beobachtet. In intensiven Geflügelhaltungen bestehen daher im Vergleich zu Nestern von Wildvögeln ganzjährig geeignete Bedingungen und ausreichend Wirtstiere, die eine Etablierung und Vermehrung der Roten Vogelmilbe begünstigen.

Natürliche Feinde

Natürliche Feinde der Vogelmilben gibt es unter den Spinnentieren.

Gesundheitsrisiken für den Menschen

Sind ihre Hauptwirte nicht verfügbar, sticht die Rote Vogelmilbe zur Blutaufnahme auch Haustiere und den Menschen. Ein erhöhtes Risiko besteht für Personen, die in Geflügelhaltungen oder anderen Vogelhaltungen mit bestehendem Milbenbefall arbeiten. Aufmerksam sein sollten auch Personen mit Wohnungen in unmittelbarer Nähe von verlassenen Vogelnestern oder verwilderten Haustauben. Die Milbenstiche verursachen beim Menschen Juckreiz, es bilden sich rote Pusteln, durch Kratzen sind Sekundärinfektionen möglich. Da die Hautreaktionen nicht spezifisch sind, ist der Zusammenhang zu Milben als Verursachern nicht immer leicht erkennbar.

Typische Schäden

 

 

Gefahrenabschätzung

Die Rote Vogelmilbe ist der häufigste und wirtschaftlich bedeutendste Ektoparasit in der Geflügelhaltung. Vor allem bei Hühnern ist sie weit verbreitet, Legehennen-Haltungen sind zu einem hohen Prozentsatz betroffen. Die Stiche der Milben können schmerzhaft sein und zu Juckreiz führen. Die gestochenen Tiere werden unruhig, kratzen und picken an den Stichstellen und können dabei Haut und Federkleid schädigen. Sekundärinfektionen der Stichstellen sind möglich. Die Vögel können nachts nicht schlafen, sind stark gestresst und können anfälliger für Krankheiten werden. Bei stark befallenen Vögeln kann eine Blutarmut auftreten. Bei Legehennen kann infolge eines Befalls mit Dermanyssus gallinae die Anzahl und Qualität der abgelegten Eier zurückgehen. Bei massenhaftem Auftreten der Milben, insbesondere bei Jungvögeln, sind erhöhte Sterberaten der Vögel möglich.

Eine Übertragung von Krankheitserregern durch die Milben auf den Menschen ist prinzipiell möglich. .

Befallsvorbeugende und Bekämpfungsmaßnahmen

Die Bekämpfung der Roten Vogelmilbe muss von einem professionellen Schädlingsbekämpfer durchgeführt werden. 

Die Bekämpfung der Roten Vogelmilbe in Geflügelhaltungen mit Akariziden ist aufgrund ihres Rückzugs in Verstecke schwierig, zumal die Bekämpfung nur in leeren Ställen oder bei leeren Nestern durchgeführt werden darf. Die Bekämpfungsmöglichkeiten in ökologischen Legehennenhaltungen sind zudem sehr beschränkt. Hier kommen z.B. Silikate zur physikalischen Bekämpfung zum Einsatz.Aufgrund dieser Probleme sind vorbeugende Maßnahmen besonders wichtig. Mögliche Verstecke der Vogelmilbe sollten entfernt bzw. verschlossen werden. In Stallungen sind glatte Oberflächen nützlich, an Innenflächen sollte kein Holz verwendet werden. 

Den Milben können andererseits gezielt geeignete Verstecke (z.B. aus Pappe, Holz) angeboten werden, die sich leicht kontrollieren und entfernen lassen. Diese können zur Diagnostik eines Milbenbefalls dienen. Wurden sie als Versteck angenommen, lassen sich damit Milbenansammlungen auch gezielt entfernen. Da Vogelmilben sich bei hoher Luftfeuchtigkeit und Wärme besonders schnell vermehren, sind zur Vorbeugung eine möglichst niedrige Temperatur, häufiges Lüften und Sauberkeit anzustreben. 

Dringen Milben aus dem Umfeld (von verwilderten Haustauben oder verlassenen Vogelnestern von Wildvögeln) in Wohnungen ein, sollte dies z.B. durch Abdichtungen oder mechanische Barrieren mit doppelseitigem Klebeband verhindert werden. Kleidung und Gegenstände können bei Temperaturen ab 50°C und -20°C von Milben befreit werden (z.B. mittels Waschmaschine, Trockner, Gefriertruhe). Die externe Milbenquelle muss festgestellt und die Milben dort bekämpft werden.