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Mehlmilbe

Acarus siro
Mehlmilben
Mehlmilben
© Dr. Felke-Institut für Schädlingskunde, www.schaedlingskunde.de

Aussehen

Milben haben sich an die verschiedensten Lebensräume angepasst. Dies führt zu einer großen Vielfalt in Größe und Aussehen. Da Milben zu den Spinnentieren gehören, besitzen sie vier Beinpaare. Im Larvenstadium haben sie jedoch oft nur drei Beinpaare.

Die Mehlmilbe gehört zu den Vorrats- oder Futtermilben (Tyroglyphoidae, Unterklasse: Acari). Sie wird ca. 0,45 - 0,7 mm groß und hat einen hellen, mit Öldrüsen und langen Borsten besetzten, gedrungenen Körper.

Mehlmilben sind allein schon aufgrund ihrer Kleinheit recht schwer von anderen Vorratsmilben zu unterscheiden, wie z. B. der Backobstmilbe (Carpoglyphus lactis), der Hausmilbe (Glycyphagus domesticus) oder der Käsemilbe (Tyroglyphus casei).

Lebensraum / Vorkommen

Mehlmilben treten weltweit v. a. in den gemäßigten Breiten als Vorratsschädlinge auf. Am häufigsten kommen sie in Getreidelagern, Silos, Mühlen und Bäckereien vor. Von hier aus gelangen die Milben mit den Lebensmitteln auch in Privathaushalte.

Verhalten

Die Mehlmilben verbreiten sich mithilfe anderer Tiere wie Fledermäuse oder Insekten oder laufen aktiv herum. Sie können ca. 25 mm pro Minute zurücklegen. Bei ungünstigen Lebensbedingungen können sie  sehr robuste und resistente Dauerstadien bilden, die bis zu zwei Jahre ohne Nahrung überstehen.

Ernährung / Wachstumsbedingungen

Die aus dem Ei geschlüpften Larven verursachen im Vergleich zu den anderen Entwicklungsstadien relativ große Fraßschäden. Neben Mehl und Getreide befallen Mehlmilben auch andere gelagerte Trockenwaren wie Kleie, Graupen, Grieß, Haferflocken, Teigwaren, Fisch- und Knochenmehl, Ölfrüchte, Heilpflanzen, Trockenobst, Grassamen oder Pollen aus Bienenwaben.

Mehlmilben benötigen eine hohe Luftfeuchtigkeit von mehr als 60 % und eine hohe Substratfeuchte, die über 14 % liegen muss. Hinsichtlich der Temperatur kann sich die Mehlmilbe in einem Bereich zwischen 10 und 35°C entwickeln. Unter optimalen Bedingungen kann eine Milbenpopulation sich sehr schnell vergrößern.

Sind die Lebensbedingungen ungünstig, bei zu großer Trockenheit oder Nahrungsmangel, entwickeln sich sog. Dauernymphen. Sie unterscheiden sich stark im Aussehen von den anderen Nymphenstadien und sind in der Lage auch längere Zeit unter ungünstigen Lebensbedingungen zu überstehen.

Fortpflanzung

Die Entwicklung verläuft über das Ei, einem Larven- und zwei Nymphenstadien bis zur adulten (erwachsenen) Mehlmilbe. Die Weibchen legen vorzugsweise in feuchtem Nährsubstrat, z.B. Mehl, rund 40 Eier ab. Bei Temperaturen von 18 bis 22 °C schlüpfen nach 3 bis 4 Tagen die sechsbeinigen Larven. Nach ca. einer Woche verwandeln sie sich in eine etwa 3 mm große, achtbeinige Protonymphe. Nach zwei weiteren Wochen häuten sich die Tiere erneut zum zweiten Nymphenstadium. Eine weitere Woche später erfolgt schließlich die Umwandlung zur geschlechtsreifen Milbe. Bei Temperaturen von 20 bis 22 °C haben die erwachsenen Tiere eine Lebenserwartung von rund 6 Wochen.

Gesundheitsrisiken für den Menschen

Die Milben bzw. dessen Stoffwechselprodukte besitzen eine allergene Wirkung. Beim Menschen konnten nach Verzehr befallener Lebensmittel Magen-Darmprobleme, asthmatische Erkrankungen der Atemwege und ekzemartige Hauterkrankungen (Akarodermatitis) beobachtet werden. Befallene Futtermittel führten bei Pferden zu Koliken, bei trächtigen Rindern und Schweinen traten Fehlgeburten auf.

Gefahrenabschätzung

Stark befallene Ware verströmt einen sehr unangenehmen, beißend, süßlichen Geruch und ist weder für den menschlichen Verzehr noch als Futtermittel geeignet. Von einem Verzehr ist daher dringend abzuraten. Im Haushalt sollten befallene Lebensmittel schnell und gründlich entsorgt werden. 

sonstige Informationen

Vorsorgemaßnahmen

Im Haushalt helfen einfache aber wirkungsvolle Vorsorgemaßnahmen, um einen Mehlmilbenbefall zuvorzukommen:

  • Bereits vor dem Kauf sollten Trockenwaren wie Mehl, Müsli oder Tierfutter auf Beschädigungen der Verpackung und einen möglichen Befall geprüft werden, ggf. ist das Verkaufspersonal zu informieren.
  • Eine kleine Vorratshaltung ist besser als große, schlecht überschaubare Mengen über lange Zeiträume zu lagern. Bei der Vorratshaltung ist immer auf eine gute Belüftung der Schränke und Vorratsräume sowie auf eine kühle und  trockene Umgebung zu achten.
  • Die Lebens- und Futtermittel sollten nicht angebrochen in der Originalverpackung gelagert werden, sondern immer in luftdicht verschließbare Glas- oder Kunststoffbehälter umgefüllt werden. Dabei kann nochmals auf einen möglichen Befall von Vorratsschädlingen geachtet werden. Mehlmilben sind als kleine, helle Punkte erkennbar.
  • Lager- und Vorratsschränke sollten regelmäßig aufgeräumt und gereinigt werden. Außerdem ist es wichtig, Hohlräume, Ritzen oder Spalten im Boden der Räume soweit wie möglich zu verschließen.
  • Trockenwaren, die nicht schnell nach dem Kauf verzehrt werden sollen, können zur Vorsorge nach dem Kauf zunächst für eine Woche in den Gefrierschrank gelegt werden.

Befallsabschätzung

  • Ein Mehlmilbenbefall fällt durch den unangenehmen Geruch auf, die Lebensmittel bekommen einen bitteren Geschmack.
  • Durch Abkleben von Verpackungen und Regalböden mit einem Klebestreifen und dem Betrachten des Streifens nach Abziehen mit einer Handlupe wird ein Befall gut sichtbar. So kann auch kontrolliert werden, ob Bekämpfungsmaßnahmen erfolgreich waren.

Bekämpfungsmaßnahmen

  • Ein dauerhafter Bekämpfungserfolg ist nur dann zu erreichen, wenn eine Verschlechterung der Lebensbedingungen für die Milben erreicht wird. Es ist daher entscheidend, die Feuchtigkeit in den Lagerräumen bzw. in der Wohnung zu senken. Dafür ist ggf. verstärktes Heizen notwendig. Oft reicht aber ein besseres Lüften der Räume durch Querlüften aus. Dazu sollte mehrmals täglich für ca. 2-3 Minuten ein Durchzug erzeugt werden, so dass die gesamte feuchte Innenraumluft durch neue trockenere Außenluft ausgetauscht wird.
  • Befallene Lebens- und Futtermittel sind sofort zu entsorgen. Am besten sollten die Milben zuvor abgetötet werden. Hierzu die befallenen Lebensmittel mit kochendem Wasser übergießen oder in einem dicht abschließenden Glas im Backofen erhitzen (80 °C, 20-60 Minuten) oder für zehn Tage einfrieren. Wenn dies nicht möglich ist, müssen die Lebensmittel in einem gut verschlossenen Müllbeutel entsorgt werden.
  • Die befallenen Areale sind großzügig auszuräumen und gründlich zu säubern. Es empfiehlt sich eine systematische Reinigung der gesamten Küche, der Vorratsschränke und –räume, der Brotkästen und Tierfutterspender. Dazu wird zunächst gesaugt, auch in den Schränken und besonders bei Spalten, hinter Fußleisten u. ä.. Der Staubsaugerbeutel sollte ebenfalls in einem extra Müllbeutel und gut verschlossen entsorgt werden. Im Anschluss erfolgt eine Nassreinigung mit einem Essigreiniger oder mit verdünnter Essigessenz (1 Teil Essigessenz mit 4 Teilen Wasser mischen). Werden Mehlmilben übersehen, könnten sie sich wieder ausbreiten und vermehren, sofern sie genug Nahrung finden. Es ist daher wichtig, immer auch die beschriebenen Vorsorgemaßnahmen durchzuführen und bei Bedarf die Reinigungsmaßnahmen in Zeiträumen von gut 2 Wochen zu wiederholen.
  • Kontaminierte Behälter, die wieder verwendet werden sollen, sind gründlich und mit heißem Wasser zu reinigen (Heißwasserdesinfektion bei ca. 82 °C).
  • Trockenwaren, die nicht eindeutig einen Befall aufweisen, sollten zur Vorsorge mindestens eine Woche bis zehn Tage in der Tiefkühltruhe eingelagert werden.
  • In Privathaushalten ist vom Einsatz chemischer Insektizide bzw. Akarizide (= Gifte gegen Milben und Zecken) abzuraten, zumal sie dort eingesetzt werden müssten, wo Lebens- oder Futtermittel im Haushalt gelagert werden und die Wirkstoffe für den Menschen gefährlich sein können.
  • Treten die Tiere in Getreidesilos oder Lebensmittel-Lagern von Produzenten oder Händlern auf, können sachkundige Schädlingsbekämpfer eine Begasung z. B. mit Kohlendioxid durchführen. Auch hier ist es ratsam, die Behandlung nach 2 Wochen nochmals zu wiederholen, um die besonders unempfindlichen Dauernymphen erfolgreich zu bekämpfen.
  • Die Getreideraubmilbe (Cheyletus eruditus) wird als natürlicher Feind der Mehlmilbe bei der  biologischen Bekämpfung eingesetzt, aber üblicherweise nicht in betroffenen Privathaushalten.
  • Bei hartnäckigem Befall kann der Einsatz von Diatomeenerde die Bekämpfung des Befalls unterstützen. Es handelt sich um gemahlene Kieselagen (fossiles Plankton) oder natürliche Kieselsäure. Die sehr kleinen Partikel sind sehr scharfkantig und beschädigen den weichen Außenpanzer der Milben. Dies führt zu einem Austrocknen und Absterben der Tiere. Wichtig ist es, das Pulver nah an und in die Versteckplätze der Tiere auszubringen, denn sie müssen damit direkt in Kontakt kommen (z.B. in die Hohlräume von Holzböden). Der Einsatz ist bei richtiger Verwendung für Menschen und Haustiere ungefährlich. Das feine Pulver darf jedoch nicht eingeatmet werden und bei der Ausbringung sind Handschuhe und Mundschutz zu tragen. Es empfiehlt sich daher, einen sachkundigen Schädlingsbekämpfer mit einer solchen Bekämpfungsmaßnahme zu beauftragen.