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Marienkäfer

Coccinellidae
Siebenpunkt-Marienkäfer
Siebenpunkt-Marienkäfer (Coccinella septempunctata) bei der Blattlausmahlzeit
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Aussehen

Die rundlichen, gewölbten Marienkäfer haben, je nach Art, rote, gelbe, braune oder schwarze, völlig glatte Deckflügel mit zwei oder mehreren auffälligen Punkten, die symmetrisch angeordnet sind. Dieselbe Art kann in vielen unterschiedlichen Mustervarianten vorkommen. Ihre Unterseite, Brust und Kopf sind in der Regel schwarz. Die Farbe des Kopfes entspricht oft der des Körpers. Die Punkte sind meistens schwarz, bei manchen aber auch rot, gelb oder braun. Es gibt Arten mit 2, 4, 5. 7, 10, 11, 13, 14, 16, 17, 18, 19, 22 und 24 Punkten. Die Anzahl der Punkte sagt also entgegen der Meinung des Volksmundes nichts über das Alter des Käfers aus, sondern ist ein Merkmal seiner Art. Es gibt auch Marienkäfer, die keine Punkte besitzen oder bei denen die Punkte so vermischt sind, dass die Flügeldecke schwarz wirkt. Marienkäfer haben lange Fühler, werden je nach Art 1-12 Millimeter groß und können sehr gut fliegen. Manche Art wird auch von Licht angezogen und ist also nachts unterwegs. Männliche und weibliche Käfer unterscheiden sich kaum voneinander, weibliche Käfer sind geringfügig schwerer und größer, bei manchen Arten besitzen sie eine unterschiedliche Färbung.

Lebensraum / Vorkommen

Die Familie der Marienkäfer gehört zur Ordnung der Käfer innerhalb der Klasse der Insekten. In Europa leben über 250 Arten und Unterarten, für Deutschland geht man von rund 70 Arten aus. Weltweit sind die Marienkäfer sogar mit über 6000 Arten in 360 Gattungen vertreten. Die bekannteste Art in Deutschland ist der Siebenpunkt-Marienkäfer (Coccinella septempunctata). Einige Arten werden im Ökologischen Landbau zur biologischen Schädlingsbekämpfung eingesetzt. In letzter Zeit macht der Asiatische Marienkäfer (Harmonia axyridis) von sich reden, der sich zurzeit stark auf Kosten heimischer Arten ausbreitet.

Marienkäfer sind weltweit verbreitet. Da sie warmes Klima lieben, sind sie besonders artenreich in subtropischen und tropischen Regionen (Afrika, Asien, Amerika u. Australien) und im wärmeren Südeuropa vertreten.

Verhalten

Marienkäfer schützen sich bei Gefahr, indem sie eine gelbliche, unangenehm riechende, giftige Flüssigkeit absondern. Der menschlichen Haut schadet dies nicht, gegen Ameisen ist es aber eine wirksame Waffe. Außerdem stellen sie sich tot und ziehen dabei ihre Beine in die Körperunterseite. Ihr bitterer Geschmack schützt sie zusätzlich vor Fress-Feinden. Sie überwintern in kleinen Gruppen im Laub und Gras, unter Steinen und Rinde, aber auch in Kellerecken und Fensternischen.

Ernährung / Wachstumsbedingungen

Marienkäfer ernähren sich hauptsächlich von Blatt- und Schildläusen, von denen ein einzelner Käfer täglich zwischen 50 bis 150 vertilgt. Schon die Larven, sog. Blattlauslöwen, fressen bis zur Verpuppung ca. 400 bis 600 Blattläuse. Die Nachkommen eines Marienkäfers fressen demnach in einem Sommer etwa 100.000 Läuse. Außerdem stehen auch Spinnmilben, Wanzen und andere Insekten auf dem Speiseplan. Manche Arten ernähren sich aber auch pflanzlich (Früchte, Pollen) oder von Schimmel- und Mehltaupilzen. Marienkäfer und ihre Larven können kannibalisch leben und Käfer, Larven und Eier anderer Arten fressen, bei Nahrungsmangel infolge eines massenhaften Auftretens wird auch vor der eigenen Art nicht Halt gemacht.

Fortpflanzung

Im Herbst und im Frühling findet die Begattung statt. Die bis zu 400 gelben kleinen Eier werden im Frühjahr in einzelnen Portionen an den Blattunterseiten und an Zweigen abgelegt. Die zwischen 1,5 bis 15 Millimeter langen Larven schlüpfen nach ca. 7 Tagen und sehen je nach Art sehr unterschiedlich aus. Ihre Farbe wechselt nach mehreren Häutungen. Sie können schwarz, braun, blaugrau oder gelb aussehen mit unterschiedlichen farbigen Punkten, meist von gelb bis rot, und haben etliche schwarze oder rote Warzen, auf denen Borsten wachsen. Manchmal verrät die Färbung der Larve schon, wie der Käfer später aussehen wird. Sie besitzen eine vor Ameisen schützende Wachsschicht. Einige Arten (Siebenpunkt-Marienkäfer) haben ziemlich lange Beine und erinnern an die Larven der Libelle. Nach einigen Wochen verpuppen sich die Larven. Kurz nach dem Schlüpfen sind die Käfer noch fast weiß bis gelblich, die Färbung erscheint erst einige Stunden später und kann sich später auch je nach Luftfeuchtigkeit oder Sonneneinstrahlung verstärken oder verringern. Von der Larve bis zum fertigen Käfer kann ein Jahr vergehen. Die meisten Marienkäfer überwintern nur einmal bis zu ihrem Tod.

Natürliche Feinde

Marienkäfer werden von anderen Insekten gefressen, z.B. von Laufkäfern und Raubwanzen, aber auch von anderen Marienkäfern (besonders im Larvenstadium). Außerdem dienen sie Vögeln, Spitzmäusen, Eidechsen und Fröschen als Nahrung. Marienkäfer werden auch von Parasiten befallen und als Wirte benutzt. Die Marienkäfer-Brackwespe legt ein Ei unter die Deckflügel des Käfers, aus dem eine Larve schlüpft, die sich parasitär vom Käfer ernährt und ihn nach der Überwinterung durch das Fressen seiner Organe tötet und ihn dann zur eigenen Verpuppung nutzt. Auch Ameisen, die die lebenden Läuse nutzen, können den Käfern manchmal gefährlich werden, indem sie sie töten oder von den Blättern stoßen. Auch die Eier der Marienkäfer dienen den Feinden als Nahrung.

Gesundheitsrisiken für den Menschen

Marienkäfer gelten als Glückssymbol. Lästig können sie in Einzelfällen werden, wenn sie invasionsartig massenhaft auftreten.

Informationen zum Artenschutz

Einige Arten sind gefährdet, da sich ihre nötigen Lebensräume verändert haben und Biozide ihnen stärker zusetzen als ihrer Nahrung und weil sie durch die Nahrungsaufnahme vergifteter Blattläuse eine stärkere Dosis abbekommen. So stehen in Bayern und in Sachsen-Anhalt jeweils ca. 20 Arten auf den jeweiligen Roten Listen. Der asiatische Harlekin-Marienkäfer frisst nicht nur Blattläuse, sondern auch viele andere Insekten, verdrängt dabei die heimischen Marienkäfer und wird dadurch zu einem Problem für das Ökosystem.

Typische Schäden

Nur der Pflanzen fressende und besonders in warmen Regionen lebende Vierundzwanzigpunkt-Marienkäfer oder Luzerne-Marienkäfer (Subcoccinella vigintiquatuorpunctata) kann auch vereinzelt Fraßschäden verursachen.

Gefahrenabschätzung

Marienkäfer zählen zu den Nützlingen. Zur biologischen Schädlingsabwehr werden insbesondere die Arten Zweipunktmarienkäfer (Adalia bipunctata), der Schwarze Marienkäfer (Chilocorus nigritus), Siebenpunkt-Marienkäfer (Coccinella septempunctata) sowie der Australische Marienkäfer (Cryptolaemus montrouzieri) zur Bekämpfung von Blatt-, Schild-, Woll- und Schmierläusen im Ökologischen Landbau verwendet.

Alternative Bekämpfungsmaßnahmen

Der asiatische Harlekin-Marienkäfer (Harmonia axyridis), die meisten haben 19 Punkte, wurde ursprünglich in Gärtnereien genutzt, weil er als besonders gefräßig gilt, doch mittlerweile hat er sich überall in der freien Natur verbreitet und verdrängt stellenweise den heimischen Siebenpunkt-Marienkäfer.