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Kleidermotte

Tineola bisselliella
Kleidermotte
Kleidermotte (Tineola bisselliella)
© Hartmut Roweck

Aussehen

Die Kleidermotten (Tineola bisselliella) sind unscheinbare, zu den Schmetterlingen zählende Nachtfalter. Die erwachsenen Tiere sind 4-9 mm lang und haben eine Flügelspannweite von 12-16 mm. Körper und Vorderflügel sind strohgelb gefärbt und weisen einen seidigen Glanz auf. Sie haben keine Flecken oder Zeichnungen. Dies unterscheidet sie von anderen Motten, deren Vorderflügel meist dunklere Punkte oder Bänder aufweisen. Die Hinterflügel sind graugelb. In Ruhestellung werden die Vorderflügel über den Hinterflügeln zusammen gelegt.

Für einen Kleidermotten-Befall sind seidige Gespinströhren kennzeichnend, die in oder auf befallene Gewebe gesponnen sind und in denen sich die Raupen meist aufhalten. Bei glatten Stoffen befinden sich die Röhren an der Stoffoberfläche, bei Pelzen oder lockeren Wollgeweben sind sie tiefer angelegt. Indiz für einen Kleidermottenbefall sind Kotbröckchen mit unregelmäßiger Oberfläche, die in der Farbe oft dem befallenen Gewebe ähneln und zuweilen mit Motteneiern verwechselt werden.

Die eigentlichen Schädlinge sind nicht die erwachsenen Tiere, denn diese nehmen gar keine Nahrung auf. Die Materialschäden werden durch die Larven, bei den Schmetterlingen auch Raupen genannt, verursacht. Sie werden 7-9,5 mm lang, sind weißlich oder weißlich-gelb und haben einen gelbbraunen Kopf mit dunklerem, manchmal fast schwarzem Hinterrand.

Lebensraum / Vorkommen

Kleidermotten bevorzugen beheizte Räume und können während des gesamten Jahres angetroffen werden. Die Flugzeiten liegen zwischen Mai und August, wobei die Männchen häufiger fliegen als die Weibchen. Allerdings können beide Geschlechter ausreichend weite Entfernungen zurücklegen, um sich etwa von Gebäude zu Gebäude zu verbreiten. Die häufigste Art und Weise der Verbreitung ist allerdings die passive Verschleppung durch befallenes Material.

Verhalten

Der Befall mit Kleidermotten wird meist erst erkannt, wenn die Fraßlöcher in Textilien entdeckt werden. Die Fraßlöcher sind klein und unregelmäßig über das gesamte Textilstück verteilt und gut von den Fraßschäden des Teppichkäfers unterscheidbar, die auf einen Bereich begrenzt und vergleichsweise groß sind.

Kleidermotten werden in der Dämmerung aktiv, sind sehr lichtscheu und suchen sofort ein Versteck, wenn sie gestört werden. Sie werden im Gegensatz zu anderen harmlosen Nachtfaltern nicht von Lichtquellen angezogen. Von geradlinig fliegenden Vorratsschädlingen wie Mehl- oder Dörrobstmotten sind Kleidermotten dadurch unterscheidbar, dass sie sich nicht in der Küche oder in Vorratsräumen aufhalten und flatternd-taumelnd fliegen.

Als Textilien schädigender Kleinschmetterling kommt auch die viel seltenere Pelzmotte (Tinea pellionella) vor. Sie ist dunkler gefärbt als die Kleidermotte, hat eine Flügelspannweite von 9-17 mm und auf den Vorderflügeln diffuse dunkle Punkte. Ihre Larven halten sich in einem sackartigen Gespinstköcher auf, den sie mit sich herumträgt. Die seltenere Pelzmotte kommt kaum in geheizten Räumen, sondern meist an kühleren Orten wie Dachböden, Schuppen und Ställen vor.

Ernährung / Wachstumsbedingungen

Die Larven der Kleidermotte ernähren sich von keratinhaltigen Materialien wie Wolle, Haare oder Federn. Im Puppenstadium und als Falter nimmt die Kleidermotte keine Nahrung auf. Temperaturen um 24 °C und eine Luftfeuchtigkeit von mindestens 75 % sind optimal für die Entwicklung. Temperaturen unter 15 °C und über 30 °C sowie Trockenheit sind für die Entwicklung ungünstig.

Fortpflanzung

Wie andere Insekten durchlaufen Motten die Entwicklungsstadien Ei, Larve, Puppe, Falter.

Während eines Zeitraumes von bis zu vier Wochen legen die Weibchen ihre 50-250 Eier direkt auf eine geeignete Nahrungsgrundlage. Die aus den ca. 0,6 mm großen Eiern geschlüpften Larven leben verborgen im Fell oder Textil. Die Entwicklungsdauer und Überlebensrate des Nachwuchses hängt stark von den Lebensbedingungen ab. Die Entwicklung vom Ei bis zum Vollinsekt dauert etwa 65–90 Tage, bei Nahrungsmangel ggf. aber auch mehrere Jahre. Unter günstigen Bedingungen sind 3 bis 4 Generationen pro Jahr möglich.

Gesundheitsrisiken für den Menschen

Kleidermotten sind Materialschädlinge. Gesundheitsrisiken für den Menschen sind nicht bekannt.

Gefahrenabschätzung

Kleidermotten sind die bedeutendsten tierischen Verursacher von Wollschäden in Mitteleuropa. Pflanzliche Fasern (z.B. Baumwolle) werden nicht befallen, können aber ab und an als Baumaterial für die Gespinströhren verwendet werden. Bei Mischgeweben wird der Wollanteil befallen. Getragene Textilien, Decken und ähnliches, die mit Schweiß oder Nahrungsresten verunreinigt sind und längere Zeit nicht bewegt wurden, werden bevorzugt von Motten befallen. Gleiches gilt für unbehandelte Wollteppiche, die nicht häufig betreten werden oder die sich in nicht begehbaren Ecken und dunklen Winkeln befinden. Da ein Mottenbefall in der Regel nicht von selbst verschwindet, ist es notwendig, etwas gegen die Textilschädlinge zu unternehmen.

Vorbeugung und Bekämpfung

Vorsorgemaßnahmen

Im Haushalt helfen einfache aber wirkungsvolle Vorsorgemaßnahmen, um einen Mottenbefall zuvorzukommen. 

Fliegennetze an Fenstern und Balkontüren verhindern das Hereinfliegen von Motten (und anderen lästigen Insekten) in die Wohnung und damit auch die Eiablage von Mottenweibchen auf Textilien.

Ist absehbar, dass Kleidungsstücke, Decken und ähnliches aus Wolle oder mit einem Wollanteil über einen längeren Zeitraum nicht genutzt werden, sollten sie gereinigt und gut verschlossen verpackt werden (z.B. in Kleidersäcken oder Leinen-Bettbezügen).

Kleidung, Felle, Decken oder Wandteppiche, die zeitweilig benutzt werden, sollten regelmäßig ausgeklopft, gelüftet und der Sonne ausgesetzt werden.

Einem Mottenbefall kann auch durch für Motten unangenehme Düfte (Repellentien) vorgebeugt werden. Abschreckend sind beispielsweise Lorbeerblätter, Lavendel, Nelken, Zedernholz, Pfefferminze, Patchuli oder Thuja (ätherisches Öl vom Lebensbaum). Ein vollkommener Schutz gegen zufliegende Motten sind diese Präparate jedoch nicht, und liegt der Befall bereits vor, helfen die Ätherischen Öle kaum.

In Drogerien, Apotheken, Reformhäusern oder im Naturkosthandel werden Duftsäckchen für den Kleiderschrank oder die Kommode angeboten. Die Duftsäckchen bzw. Holzstücke sind regelmäßig zu erneuern, bevor sich der Duft verflüchtigt. Die Oberfläche von Zedernholzstücken sollte gelegentlich mit Schmirgelpapier aufgerauht werden, um die Duftwirkung zu verlängern.

Viele der früher als Naturprodukte zum Abweisen von Motten angebotenen Mittel wurden inzwischen als wirkungslos erkannt (z.B. Angelikawurzel, Eukalyptusblätter, Cayenne-Pfeffer, schwarzer Pfeffer oder Quassiaholz).

Es werden viele Mittel mit Extrakten aus ätherischen Ölen angeboten, die zwischen die Textilien gehängt oder auf Textilien gesprüht werden können. Hierbei wird oft als Wirkstoff Lavandinöl genutzt. Lavandinöl stammt aus den Blüten der Lavandinpflanze und kann für empfindliche Personen problematisch sein, weil die hochkonzentrierten Extrakte Unwohlsein oder Kopfschmerzen hervorrufen können. Bei Nutzung dieser Mittel sollte zunächst vorsichtig geprüft werden, ob die Gerüche als unangenehm empfunden werden. Es gibt Produkte, denen Duftstoffe hinzugefügt werden, die bekanntermaßen Allergien auslösen können, z.B. D-Limonen, Gerniol oder Linalool. Hersteller sind verpflichtet, auf der Verpackung auf die allergene Wirkung hinzuweisen. Allergiker und empfindliche Personen sollten deshalb stets das Kleingedruckte lesen, auch bei Produkten, die mit Aufdrucken wie "Lavendelduft" oder "Zedernduft“ ausgelobt werden.

Wollteppiche sind meist mit Insektiziden (Pyrethroide) gegen Mottenfraß ausgerüstet. Die Insektizidausrüstung ist beispielsweise ein Kriterium des „Wollsiegels“ für Teppiche.

Ist ein Teppich unbehandelt oder bereits älter, sollte darauf geachtet werden, dass er frei im Raum liegt, gut abzusaugen und auszuklopfen ist. Der gesamte Teppich sollte dem Sonnenlicht ausgesetzt sein, da dunkle Stellen unter Schränken etc. gerne von Motten oder Teppichkäfern befallen werden. Ritzen unter dem Teppich sollten regelmäßig abgesaugt werden. Soll eine mögliche Pyrethroidbelastung des Innenraumes oder ein Mottenbefall des Bodenbelags hundertprozentig vermieden werden, sollte ein anderer Bodenbelag gewählt werden (z.B. Laminat, Parkett, Kork).

Befallsabschätzung

Bereits beim ersten Verdacht auf einen Befall sollte zügig eine Befallsermittlung und eine Bestimmung der Mottenart durchgeführt werden, indem geprüft wird, welche Textilien Fraßlöcher aufweisen und wo sich Eier, Larven und Gespinste befinden.

Das Ausmaß eines Befalls kann leicht durch das Aufstellen von Pheromon-Klebefallen (Lockstoff-Fallen) ermittelt werden. Dabei sollte darauf geachtet werden, ggf. Fallen an mehreren Stellen zu platzieren (z.B. in Kleiderschränken, Truhen etc.), um den zentralen Befallsherd besser lokalisieren zu können. Nach der Bekämpfung sollten Lockstoff-Fallen eingesetzt werden, um den Erfolg der Maßnahme zu kontrollieren.

Lockstoff-Fallen enthalten Sexuallockstoffe der Mottenweibchen (Pheromone) und locken paarungsbereite Mottenmännchen zu einem Klebestreifen. Die Fallen können dazu beitragen, die Fortpflanzung der Motten einzuschränken. Sie reichen als Maßnahme aber allein nicht aus, um den Befall sicher zu beseitigen.

Pheromon-Klebefallen für Kleidermotten werden in Supermärkten, Drogeriemärkten, Baumärkten oder im Fach- und Internethandel angeboten.

Bekämpfungsmaßnahmen

Zur Bekämpfung stehen verschiedene Verfahren sowie chemische und biologische Mittel gegen Kleidermotten zu Verfügung. Die angebotenen Präparate werden derzeit hinsichtlich ihrer Wirksamkeit und ihres Gefährdungspotentials für Mensch und Umwelt im Rahmen der Biozid-Produkte-Richtlinie geprüft und bewertet.

Angeboten werden chemische Mottenbekämpfungsmittel, die giftig für das Nervensystem sind. Oft sind dies synthetische Insektengifte aus der Gruppe der Pyrethroide, z.B. Empenthrin, Cypermethrin oder  Prallethrin. Genutzt werden auch natürliche Gemische bzw. Wirkstoffe wie die Pyrethrine, die aus dem Extrakt von Chrysanthemen gewonnen werden. Da diese natürlichen Wirkstoffe sehr schnell im Sonnenlicht zerfallen und abgebaut werden, werden den Mitteln oft chemische Wirkungsverstärker wie das Piperonylbutoxid (PBO) zugesetzt.

Auf die Verwendung dieser Mittel sollte soweit möglich verzichtet werden, zumal meistens die Kombination von Vorsorgemaßnahmen und nichtchemischen bzw.  alternativen Bekämpfungsmaßnahmen (s.u.) ausreichen. Bei hartnäckigem, wiederkehrendem Befall sollte ein sachkundiger Schädlingsbekämpfer zu Rate gezogen werden.

Alternative Bekämpfungsmaßnahmen

Vor Beginn von Bekämpfungsmaßnahmen sollte geprüft werden, welche Textilien Fraßlöcher aufweisen und wo genau sich Eier, Larven oder Gespinste befinden.

Zerstörte, nicht weiter verwendbare Textilien sollten umgehend in einer verschlossenen Plastiktüte über den Hausmüll entsorgt werden.

Die Umgebung der befallenen Textilien (Kleiderschränke, Kommoden oder Truhen) inklusive aller Ritzen sind gründlich mit dem Staubsauger zu reinigen. Dabei ist besonders auf das Aussaugen von Fugen, Ritzen und Fußleisten etc. zu achten. Danach die Flächen mit Essigwasser auswischen und sodann gut trocknen. Fugen und andere schlecht zugängliche Stellen können mit einem Föhn erhitzt werden, um die eventuell übrig gebliebenen Motten, Larven oder Eier abzutöten. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass die Flächen hitzebeständig sind und eine ausreichende Lüftung des Föhns sichergestellt ist, um eine Überhitzung zu vermeiden. Diese Maßnahmen sind über mehrere Wochen mehrmals zu wiederholen.

In der Umgebung befindliche Textilien gründlich reinigen (waschen, ausklopfen, absaugen). Nach der Reinigung die Textilien ausgebreitet und unter Wenden dem Sonnenlicht aussetzen, damit vorhandene Eier und Larven austrocknen bzw. durch das Sonnenlicht abgetötet werden.

Durch wiederholte extreme Temperaturschwankungen kann die Larvenentwicklung in bzw. auf nicht waschbaren Textilien (Wandteppiche, gestickte Bilder, Pelze) gestoppt werden. Für die Hitzebehandlung bei einer Temperatur von 50 °C bis 60 °C und einer Dauer von knapp einer Stunde eignet sich ein Umluftherd besonders gut. Diese Behandlung zur Abtötung von Motteneiern und -larven ist auch in einem Backofen ohne Umluft möglich, wenn sich die Temperatur exakt regulieren lässt. Sicherheitshinweis: Wegen potentieller Brandgefahr bei zu hoher Temperatur immer in der Nähe bleiben!

Empfindliche Textilien können eingefroren werden. Bei minus 18 °C über eine Woche werden alle Entwicklungsstadien der Motten abgetötet. Es empfiehlt sich, diese Maßnahme im Abstand von ca. 3 Wochen zu wiederholen.

Sind diese Maßnahmen erfolgreich gewesen, können die bereits erwähnten ätherischen Öle als Repellentien verwendet werden, um das Risiko eines erneuten Befalls  zu reduzieren. Geruchsempfindliche Personen oder Personen mit einem erhöhten Allergierisiko sollten diese Mittel zunächst vorsichtig auf ihre Verträglichkeit hin prüfen.

Bei starkem Befall ist der Einsatz natürlicher Feinde der Kleidermotte möglich. Die Schlupfwespen (Trichogramma evanescens) sind natürliche Feinde der Kleidermotten. Bei einer Größe von nur ca. 0,4 mm handelt es sich um sehr kleine Insekten, die weder für Menschen, noch für Haustiere gefährlich oder lästig sind. Sie legen ihre Eier in die Motteneier. Diese sterben dadurch ab. Stehen keine Motteneier mehr für die Eiablage zur Verfügung, verschwinden die Nützlinge. Der Handel bietet Kärtchen mit den lebenden Schlupfwespen an, die in die betroffenen Schränke oder Räume gelegt und über einen Zeitraum von rund viereinhalb Monaten bis zu sechsmal erneuert werden müssen. In Baumärkten, im Fachhandel und im Internet werden mittlerweile verschiedene Präparate auch für den Privathaushalt angeboten. Sie werden mit mehreren Briefsendungen versandt.

Der Pflanzenextrakt Neem (oder Niem) wirkt als natürliches Insektizid und wird aus den Blättern des tropischen Neembaumes gewonnen. Er stoppt die Entwicklung der Insekten. Insektenlarven werden innerhalb weniger Stunden nach der Behandlung inaktiviert. Es kommt zu einem anhaltenden Fraßstopp. Nach einigen Tagen können sich die Mottenlarven nicht weiter entwickeln und sterben ab. Grundsätzlich ist zu beachten, dass auch natürliche Gifte ein Gefahrenpotential haben und entsprechend den synthetischen ebenfalls nur mit Sachkenntnis angewendet werden sollten.

Da die hier empfohlenen Maßnahmen in der Regel über einen längeren Zeitraum erfolgen bzw. wiederholt werden müssen und unterschiedlich gut gegen die verschiedenen Entwicklungsstadien wirken, ist es ratsam eine Kombination der verschiedenen Maßnahmen, sowie eine Befalls- bzw. Erfolgskontrolle unter Verwendung von Lockstoff-Fallen vorzunehmen.