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Hausstaubmilbe

Dermatophagoides (Gattung)
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Aussehen

Milben haben sich an die verschiedensten Lebensräume angepasst. Dies führt zu einer großen Vielfalt in Größe und Aussehen. Da Milben zu den Spinnentieren gehören, besitzen sie vier Beinpaare. Im Larvenstadium haben sie jedoch oft nur drei Beinpaare.

Die Hausstaubmilben sind sehr klein. Unter dem Mikroskop sind die 0,1–0,5 mm großen Tiere an ihrem ovalen Körper zu erkennen, der auf der hinteren Hälfte längsgestreift ist. Männchen sind deutlich kleiner als die Weibchen.

Lebensraum / Vorkommen

Die häufigsten Hausstaubmilbenarten in Europa sind Dermatophagoides pteronyssinus, Dermatophagoides farinae sowie Dermatophagoides microceras.

Hausstaubmilben finden sich überall im Staub von Innenräumen. Bevorzugte Aufenthaltsorte sind Bettmatratzen, das Oberbett, Polstermöbel und ältere Bücher. Dort sind in der Regel ausreichend Hautschuppen und Haare als Nahrung vorhanden. Betten sind besonders betroffen, da Menschen im Schlaf pro Nacht rund 200 ml Feuchtigkeit ausschwitzen. Für die Milben ist dieses feuchtwarme Klima ideal.

Ernährung / Wachstumsbedingungen

Die Hausstaubmilben ernähren sich in erster Linie von kleinen menschlichen oder tierischen

Hautschuppen, Haaren oder Federn. Täglich verliert der Mensch zirka ein Gramm Hautschuppen.

Welche Bedeutung anhaftende Schimmelpilze für die Ernährung spielen, ist abschließend noch nicht geklärt. Ideal für Wachstum und Vermehrung ist ein feuchtwarmes Klima mit einer mittleren relativen Luftfeuchtigkeit von 73 % oder höher und einer Temperatur von 20-30 °C. Die verschiedenen Arten an Hausstaubmilben unterscheiden sich etwas in ihren Ansprüchen, so dass die eine oder andere Art, abhängig von den Umgebungsbedingungen von Temperatur und Feuchtigkeit dominanter auftritt.

Fortpflanzung

Die Milbenweibchen legen pro Tag 1- 2 Eier, die sich innerhalb von 30-50 Tagen über zwei Larvenstadien zu erwachsenen, geschlechtsreifen Tieren entwickeln. Die Lebensdauer der Weibchen ist stark von den Lebensbedingungen abhängig und reicht von etwa 30 bis zu 100 Tagen. In dieser Zeit legen sie zwischen 40 und 80 Eier ab.

Während weniger günstigen Lebensbedingungen, wie z.B. Trockenheit, können die Milben Dauerstadien bilden und so längere Perioden überdauern.

Die Hauptvermehrungszeit liegt in den Monaten Mai bis Oktober. In den Wintermonaten sinkt i.d.R. die Vermehrungsrate, da durch das Heizen die Raumluftfeuchte stark absinkt.

Gesundheitsrisiken für den Menschen

Die Hausstaubmilbe an sich ist für Menschen ungefährlich. Zum Problem werden ihre Ausscheidungen, die eine Hausstaubmilbenallergie auslösen können. Der Kot zerfällt im Hausstaub in winzige Partikel von etwa 35 Mikrometer. Sie enthalten Allergene, wie bestimmte Verdauungsenzyme der Milben, die eingeatmet allergische Reaktionen mit schnupfenähnlichen Symptomen bis hin zu asthmatischen Erkrankungen verursachen können.

Gefahrenabschätzung

Je höher die Konzentration an Allergenen in der Wohnung ist, desto stärker treten bei Hausstauballergikern die typischen gesundheitlichen Beschwerden auf, wie tropfende bzw. verstopfte Nase, gerötete, entzündete Augen, Niesen und Husten, Atemnot, juckende Haut, Kopfschmerzen oder Halskratzen.

Während der Heizperiode sterben viele Milben aufgrund der sinkenden Luftfeuchtigkeit ab. Die Milbenkörper und der Kot zerfallen und die Allergene werden in großen Mengen freigesetzt und verwirbelt. Daher können auch während der Herbst- und Wintermonate Beschwerden bei Allergikern auftreten.

Da die Symptome auch durch andere Ursachen ausgelöst werden können, sollte immer mithilfe eines Allergietests beim Facharzt auf eine Hausstaubmilbenallergie diagnostiziert werden.

Vorbeugende und alternative Bekämpfungsmaßnahmen

Vorsorgemaßnahmen

Eine Wohnung kann nicht frei von Hausstaubmilben gestaltet werden. Die winzigen Spinnentiere gehören seit Urzeiten zum menschlichen Lebensraum dazu. Selbst ein frisch gereinigtes Kopfkissen kann noch immer rund 10.000 Milben beheimaten. Zählt man nicht zu den Allergikern, reichen die klassischen vorsorgenden Hygienemaßnahmen aus. Vorsorge bedeutet in diesem Fall, die Milbendichte soweit möglich zu reduzieren, in dem die Lebensbedingungen für die Hausstaubmilben mithilfe klassischer Hygienemaßnahmen so unattraktiv wie möglich gestaltet werden: 

  • Reduzierung der relativen Luftfeuchtigkeit in Wohn- und Schlafräumen auf möglichst 45–55 %. Um dies zu erreichen, sollte die Innenraumluft der gesamten Wohnung mindestens dreimal am Tag über Stoßlüften erneuert werden (kräftiger Durchzug bei weit geöffneten Fenstern, je 3-5 Minuten). Diese schnelle und effektive Art des Lüftens verhindert außerdem ein Auskühlen der Wohnung und spart daher auch Heizkosten. Auf Luftbefeuchter  sollte verzichten werden.
  • Die Schlafzimmertemperatur möglichst niedrig halten, bei max. 18 °C. 
  • Nicht sofort morgens das Bett machen. Das Bettzeug, wenn möglich im Freien ausschütteln und lüften oder zunächst auf dem Bett zurückschlagen. Beim anschließenden Lüften der Räume sollte die Matratze unbedeckt bleiben, damit die Feuchtigkeit entweichen kann.
  • Den Platz unter dem Bett nicht als Stauraum verwenden. Eine gute Belüftung der Matratze, auch von unten, muss gewährleistet sein. Matratzen sollten alle sieben bis zehn Jahre erneuert werden, da nach ca. sieben Jahren die höchste Dichte an Hausstauballergenen in einer Matratze erreicht ist.
  • Bettwäsche häufig wechseln und waschen. Oberbett und Kopfkissen sollten ebenfalls mehrmals im Jahr nach Anleitung gewaschen oder gereinigt werden. Wichtig ist bei Nutzung der eigenen Waschmaschine eine Waschtemperatur von mind. 60 °C und die Verwendung eines pulverförmigen Vollwaschmittels.
  • Plüschtiere ab und an für 24 Stunden in die Tiefkühltruhe legen. Dies tötet die Milben ab. Allerdings wird der Milbenkot damit nicht beseitigt. Wirksamer ist daher das Waschen bei 60 °C in der Waschmaschine. Wenn dies nicht möglich ist, zunächst einfrieren und anschließend nach Etikett bei entsprechend niedrigerer Temperatur waschen. Achten Sie bereits beim Kauf auf entsprechende Reinigungsmöglichkeiten.
  • Staubfänger wie schwere Gardinen, Langflorteppiche oder Polstermöbel  möglichst reduzieren. Grünpflanzen im Schlafzimmer vermeiden.
  • Glatte Bodenbeläge sollten feucht gewischt werden, um das Aufwirbeln von Staub soweit wie möglich zu reduzieren, Teppiche mehrmals pro Woche absaugen. 
  • Auf das Rauchen in der Wohnung sollte gänzlich verzichten werden.
  • Luftfilter in Klimaanlagen und Dunstabzügen sind regelmäßig zu überprüfen und zu warten.

  

Befallsabschätzung

Eine Befallsabschätzung im üblichen Sinne ist nicht sinnvoll, da Hausstaubmilben in allen Innenräumen vorkommen. Relevant ist die individuelle Verträglichkeit gegenüber Hausstauballergenen. Die Exposition gegenüber dem Hausstaub führt zu einer Desensibilisierung und stärkt das Immunsystem.

 

Alternative Bekämpfungsmaßnahmen

Reagieren Personen allergisch auf Hausstaubmilben bzw. auf  den Hausstaub, sind verschiedene Maßnahmen möglich, um zusätzlich zu den aufgeführten Vorsorgemaßnahmen, die Konzentration der Allergene in den Wohn- und Schlafräumen noch weiter zu reduzieren.

  • Allergiker sollten einen milbenallergendichten Überzug für die Matratze -  auch bei Schaumstoff- und Latexmatratzen – anschaffen (sog. „Encasings“). Der Bezug muss die Matratze völlig einschließen. Encasing-Spannbezüge sind nicht geeignet. Sinnvoll sind auch entsprechende Überzüge für Kopfkissen und Oberbetten. Bei einem Encasing handelt es um einen sehr engmaschigen Zwischenbezug, der mit der normalen Bettwäsche überzogen wird. Wichtig ist, dass auch das Bett des Partners mit einem Encasing bezogen wird.
    Link: Öko-Test (2011): Matratzenbezüge, milben- und allergendicht. Test vom Juli 2011: http://www.oekotest.de/cgi/index.cgi?artnr=98011&bernr=01&seite=00
  • Beim Oberbett kann es statt Encasing ausreichen, beim Kauf auf waschbare Decken bzw. Kopfkissen zu achten. Die Decken und Kissen müssen mindestens bei 60 °C, besser aber bei 95 °C waschbar sein und alle 4 bis 6 Wochen in die Maschine. Damit wird der Großteil der Hausstaubmilben abgetötet. Wichtig ist die Verwendung eines pulverförmigen Vollwaschmittels. Der Informationsverbund Dermatologischer Kliniken (IVDK) geht nicht von einem erhöhten Risiko zur Entwicklung einer Waschmittelallergie aus.
    Link: Forum Waschen (2011): Sie mögen es feucht und warm - Hausstaubmilben. Bei Hausstaub-Allergie sind besondere Maßnahmen erforderlich, Presseinformation September 2011
    http://forum-waschen.de/files/content/pdf-pressemeldungen/presseinfo-hausstaubmilben-allergie.pdf
  • Die Kleidung sollte nicht in der Nähe des Bettes ausgezogen werden, da beim Ausziehen sehr viele Hautschuppen freigesetzt und im Raum verwirbelt werden.
  • Zum Reinigen von Teppichen und Teppichböden eignet sich ein Staubsauger, der über einen HEPA-Filter verfügt (high efficiency particulate air-Filter). Zu empfehlen sind auch sogenannte zentrale Staubsaugeranlagen. Der Motor und ein Staubbehälter werden zentral im Haus montiert. In den Wohnräumen befinden sich nur die Anschlussdosen für den Saugschlauch. Häuser und Etagenwohnungen lassen sich mit diesem System nachrüsten. Andererseits sind Staubsauger mit Auffangbehältern (ohne Staubsaugerbeutel) für Menschen mit einer Hausstaubmilbenallergie nicht zu empfehlen, da bei deren Entleerung viel Feinstaub und Allergene in die Atemluft entweichen können.
  • Natürliche Fressfeinde sind z.B. räuberische Milben, Bücherskorpione oder Silberfischchen. Sie spielen allerdings für die Bekämpfung von Hausstaubmilben in der Wohnung keine Rolle, da sie die Population an Haustaubmilben nicht merklich dezimieren können und selbst als Lästlinge eher unerwünscht im menschlichen Wohnumfeld sind.

Auf den Einsatz von Bioziden, ob in Form von Milbensprays oder als antibakterielle ausgerüstete Matratze oder Betttextilien, sollte grundsätzlich verzichtet werden. Abgesehen von möglichen Gesundheitsgefahren oder Umweltbelastungen durch das Auswaschen der Wirkstoffe, sollten insbesondere Allergiker auf reizende oder allergieauslösende Wirkstoffe und Beistoffe verzichten. Dies gilt auch für biologische Wirkstoffe wie Geraniol oder Neemextrakt, die als reizend klassifiziert und Befindlichkeitsstörungen bis hin zu Allergien (z.B. beim Geraniol) verursachen können. Selbst wenn eine leicht akarizide Wirkung durch Milbensprays oder indirekte Effekte auf die Milben über die Hemmung von Schimmelpilzen mittels der Ausrüstung der Textilfasern mit Desinfektionsmitteln wie Silberverbindungen möglich sind – hier mangelt es an unabhängigen wissenschaftlichen  Testergebnissen - werden die allergenen Zerfalls- und Ausscheidungsprodukte durch die chemische Bekämpfung nicht beseitigt. Die Haustaubmilben werden über die Luft, über Staub sowie über die Kleidung schnell wieder in ihrem angestammten Lebensraum zurückkehren.