StartseiteSchädlingsratgeberHausbockkäfer, umgangssprachlich auch „großer Holzwurm“ oder „Hausbock“ genannt.

Hausbockkäfer, umgangssprachlich auch „großer Holzwurm“ oder „Hausbock“ genannt.

Hylotrupes bajulus
Hausbockkäfer
Hausbockkäfer
© Siga / CC BY-SA 3.0

Aussehen

Hausbockkäfer werden etwa 10-28 Millimeter lang, die Männchen sind etwas kleiner als die Weibchen. Der Käfer ist braun-schwarz, fein grauweiß behaart mit zwei mehr oder weniger deutlich weißen Haarflecken auf den Flügeldecken. Der Halsschild ist rundlich mit zwei glatten Schwielen auf der Oberseite. Der Kopf ist deutlich schmaler als der Halsschild. Seine Antennen sind etwas weniger als halb so lang wie sein Körper. Die Weibchen sind an ihrer ausstülpbaren Legeröhre zu erkennen.

Die Larve des Hausbockkäfers ist weiß bis elfenbeinfarbig und deutlich segmentiert. Sie wird im Laufe Ihrer Entwicklung bis zu 25 Millimeter groß.

Lebensraum / Vorkommen

Der Hausbockkäfer ist sehr weit verbreitet und kommt von Nordafrika über ganz Europa bis weit nach Asien vor. Seinen natürlichen Lebensraum hat der Käfer im Wald, wo er seine Eier in abgestorbenes Nadelholz legt.

Als Holzschädling befällt der Hausbockkäfer bevorzugt verbautes Nadelholz von Fichte, Kiefer, Lärche und Douglasie. Der Fraß der Larven konzentriert sich dabei auf das Splintholz. Selten werden Möbel oder Türen in den unteren Stockwerken eines Hauses befallen. Häufig besiedelt der Käfer verbautes Holz im Außenbereich wie Masten, Pfähle oder Fachwerk. Selbst obere Teile von im Süß- oder Meerwasser verbauten Hafenpfählen können befallen sein.

Verhalten

Der Hausbockkäfer legt seine Eier in totes Nadelholz, in der Natur in so genanntes Totholz, in Gebäuden in verbaute Dachbalken oder in Hölzer im Außenbereich. Seine Larven ernähren sich vom Splintholz.

Ernährung / Wachstumsbedingungen

Die optimale Holzfeuchte liegt für die Hausbockkäfer-Larven bei 30 %, das untere Limit für ihre Entwicklung bei 8-10 %. Relativ frisch verbautes Holz ist stärker befallsgefährdet als älteres, trockeneres Holz, denn es enthält noch große Mengen an Duftstoffen (Öle und Harze), die den Hausbock bei seiner Suche nach einem geeigneten Platz für die Eiablage anziehen. Aber auch bei alten Hölzern, die 60 Jahre und älter sind, kann ein Befall nicht ausgeschlossen werden. Die Larven kompensieren dann die geringere Qualität des Splintholzes durch eine größere Nahrungsaufnahme mit einer einhergehenden schnelleren Zerstörung des Holzes. Je nach Lebensbedingungen brauchen die Larven 3 bis 6, manchmal sogar 12 Jahre für die Entwicklung bis zum adulten Käfer.

Fortpflanzung

Das Hausbockkäfermännchen sucht anhand des spezifischen Nadelholzdufts geeignetes Holz aus und lockt dann mit seinem Sexualduftstoff ein Weibchen an. Zwei bis drei Tage nach der Begattung legt das Weibchen mit seiner langen, biegsamen Legeröhre ca. 300 Eier in passende Risse und Spalten von Kiefern-, Fichten-, Lärchen- oder Douglasienholz. Schlüpfen die Larven nach 2-3 Wochen, fressen sie sich sogleich ins Splintholz. Im Laufe ihres mehrjährigen Lebens kann eine Larve große Mengen Holz verwerten. Nach der Verpuppung verlassen die Vollinsekten im Juni bis August das Holz durch ein ovales Ausflugloch von ungefähr 3x7 Millimetern und suchen sich einen Sexualpartner. Hierauf beginnt der Fortpflanzungszyklus erneut.

Gesundheitsrisiken für den Menschen

Bei dem Hausbockkäfer handelt es sich um einen Materialschädling. Gesundheitsrisiken für den Menschen bestehen nicht.

Typische Schäden

Befallsabschätzung

Für eine Befallsabschätzung bei Hausbockkäfer ist es oft notwendig, das befallene Holz aufzubrechen, um das genaue Ausmaß zu erkennen. Denn anders als beim Holzwurm (Anobium punctatum) ist ein aktiver Hausbockkäfer-Befall von außen nicht an Holzmehlspuren sichtbar. Die Larven des Hausbockkäfers verschließen ihre Fraßgänge, so dass kein Holzmehl herausdringt. Bisweilen ist ein Befall an den charakteristisch raspelnden Fraßgeräuschen der Larven zu erkennen, doch wird dieses nicht immer wahrgenommen und so bleibt ein Befall mit Hausbockkäfern oft lange unbemerkt. Fallen die kleinen vier bis sieben Millimeter großen ovalen Ausflugslöcher der adulten Tiere oder die Spuren von Fressfeinden auf, ist der Befall oft bereits erheblich. Das ganze Ausmaß des Befalls zeigt sich erst, wenn die übriggebliebene dünne Holzhaut über den Fraßgängen entfernt wird.

Wird ein aktiver Befall mit Trockenholzinsekten festgestellt, so ist zunächst dessen Ausbreitung zu ermitteln. Gegebenenfalls sind die Dielen oder Dachabdeckungen dafür zu öffnen und auch andere schwer zugängliche Bereiche einzubeziehen (vgl. DIN 68800 Teil 4 „Holzschutz im Hochbau“). Die Befallsabschätzung sollte durch einen Sachverständigen erfolgen. Hierzu untersucht der Sachverständige das Schadbild und bestimmt im Holz gefundene Larven und Puppen. Hierbei klärt er auch, wie groß der Schaden ist und ob eine Behandlung oder eher ein Austausch der Hölzer sinnvoll ist.

Gefahrenabschätzung

Der Hausbockkäfer kann aufgrund seiner erheblichen Fraßleistung an verbautem Nadelholz in vergleichsweise kurzer Zeit erhebliche Zerstörung anrichten. Dabei kann das Splintholz der befallenen Hölzer von den Larven, während ihrer langen Entwicklungszeit, vollkommen zerstört werden. Da die Larven ihre Gänge verstopfen und kein Holzmehl zu sehen ist, bleibt ein Befall oft lange unbemerkt. Manchmal lässt sich ein Fraßgang erkennen, der nur durch eine sehr dünne, fast papierartig hervorgewölbte Holzschicht abgedeckt ist. Sind die typischen ovalen Ausfluglöcher zu sehen oder wird man durch Fraßfeinde des Hausbockkäfers auf einen Befall aufmerksam, ist dieser i.d.R. bereits sehr weit fortgeschritten.  

Ein Hausbock-Befall ist in zahlreichen Bundesländern in den Bauordnungen als anzeige- und meldepflichtig geregelt. Ein Befall ist dort den Bauordnungsbehörden umgehend anzuzeigen. Ob es sich bei einem beobachteten Schaden tatsächlich um das Werk von Hausbockkäfern handelt, sollte durch eine sachkundige Bestimmung sichergestellt werden. Begleitend sollte durch Bestandsaufnahme das Ausmaß der Schädigung abgeschätzt werden. Sind tragende Hölzer betroffen, sind geeignete Maßnahmen mit einem Bausachverständigen oder Statiker zu klären.

Vorsorge- und Bekämpfungsmaßnahmen

Vorsorgemaßnahmen

Als Konstruktionsholz Holzarten mit farbigem Kern und einem maximalen Splintholzanteil von 10 % wählen, die weder vom Hausbock noch vom Nagekäfer befallen werden.

Temperaturschwankungen, die zu Rissen im Holz führen können, vermeiden, da der Hausbockkäfer gerade frisch entstandene Risse und Spalten zur Eiablage nutzt.

Frische Anschnittstellen und Risse auch bei Reparaturarbeiten an älteren Holzkonstruktionen vermeiden, da auch diese zur Eiablage einladen.

Holzkonstruktionen so ausführen, dass sie für regelmäßige Kontrollen gut zugänglich sind.         

Bekämpfungsmaßnahmen 

Alle Bekämpfungsmaßnahmen bekämpfen nur den aktuellen Befall. Um einen erneuten Befall zu verhindern, sind gezielte Vorsorgemaßnahmen zu treffen (s.o.). Vor einer Bekämpfung sind stets die Art der Schadorganismen und der Befallsumfang durch dafür qualifizierte Fachleute oder Sachverständige abzuschätzen. Bekämpfungsmaßnahmen dürfen grundsätzlich nur von qualifizierten Fachfirmen bzw. Fachleuten durchgeführt werden. 

Befallene Bauteile auswechseln. Sind tragende Bauteile befallen, ist ein Bausachverständiger zur Prüfung auf statische Mängel heranzuziehen. Ist die Stabilität durch den Befallsschaden nicht mehr gegeben, sind die Hölzer zu ersetzten.

Der Einsatz chemischer Holzschutzmittel (Biozide) als Fraß- oder Kontaktgift über eine Oberflächenbehandlung oder Bohrlochinjektionen ist von einem Fachmann durchzuführen. Dabei ist sicherzustellen, dass zuvor alle vermulmten Holzbereiche bis auf den gesunden Querschnitt entfernt wurden und der verbleibende Querschnitt noch ausreichend tragfähig ist. Ein ordnungsgemäßer chemischer Holzschutz muss gewährleiten, dass das Holz das chemische Mittel ausreichend gut aufnehmen kann.

Für die Anwendung von Bekämpfungsmitteln (Bioziden) in Räumen, in denen sich Menschen oder Tiere aufhalten oder Lebensmittel gelagert werden, gelten besondere Vorschriften (vgl. DIN 68800 Teil 4 „Holzschutz im Hochbau“).

Für Bekämpfungsmaßnahmen gegen holzzerstörende Pilze und Insekten sei auf die DIN 68800 Teil 4 und die entsprechenden Merkblätter des Wissenschaftlich technischen Arbeitskreises für Bauwerkserhaltung und Denkmalpflege e.V., u.a. das Merkblatt "Heißluftverfahren zur Bekämpfung tierischer Holzzerstörer", verwiesen.

Alternative Bekämpfungsmaßnahmen

Heißluftverfahren: Hier werden befallene Hölzer einer thermischen Heißluftbehandlung (55 °C über 60 min) unterzogen. Dies ist grundsätzlich von einer Fachfirma und möglichst im Sommer durchzuführen. Die Gefahr eines erneuten Befalls ist zu besprechen und ggf. Vorsorgemaßnahmen zu treffen.

Mikrowellenverfahren: Hierbei erhitzen Mikrowellen das Holz und überhitzen dabei innerhalb von etwa drei Minuten alle (wasserhaltigen) Lebewesen. Voraussetzung ist ein ausreichend starkes elektromagnetisches Feld. Das Verfahren hat sich zur Bekämpfung eines Befalls mit holzzerstörenden Insekten in Dachstühlen bewährt, es hat allerdings keine vorbeugende Wirkung vor einem möglichen erneuten Insektenbefall.

Bekämpfungsmaßnahmen: Bekämpft wird nur der aktuelle Befall. Um einen erneuten Befall zu verhindern, sind gezielte Vorsorgemaßnahmen zu treffen (s.o.). Vor einer Bekämpfung sind stets die Art der Schadorganismen und der Befallsumfang durch dafür qualifizierte Fachleute oder Sachverständige abzuschätzen. Bekämpfungsmaßnahmen dürfen grundsätzlich nur von qualifizierten Fachfirmen bzw. Fachleuten durchgeführt werden.  

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