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Gemeiner Speckkäfer

Dermestes lardarius
Gemeiner Speckkäfer
© André Karwath Aka / CC BY-SA 3.0

Aussehen

Viele Arten der Familie der Dermestiden sind auf der ganzen Welt zu finden. Weltweit sind rund 880 Arten bekannt, davon leben circa 67 in Mitteleuropa. Neben dem Gemeinen Speckkäfer (Dermestes lardarius) sind weitere Arten wie der Gefleckte Pelzkäfer (Attagenus pellio), der Museumskäfer (Anthrenus museorum), und der Berlinkäfer (Trogoderma angustum) von Bedeutung. Der Gemeine Speckkäfer wird ausgewachsen zwischen 7 und 9,6 mm groß. Kennzeichnend ist die zweifarbige Flügeldecke. Gut zu erkennen sind auf der helleren, gelblichen Flügelhälfte drei schwarze Flecken. Speckkäferlarven zeigen eine längliche Form, sind auf der Unterseite gelblich weiß, auf dem Rücken bräunlich. Der fast schwarze Rückenschild ist in jedem Segment deutlich zu erkennen und segmentiert. Die Larven besitzen dichte, borstige Haarbüschel.

Lebensraum / Vorkommen

Die Gemeine Speckkäfer ist weltweit verbreitet, stammt jedoch ursprünglich aus Europa und Asien. Verlassene Vogel- und Wespennester (z. B. Taubenschläge) bieten Speckkäfern geeignete Lebensräume. Federn und tote Jungvögel dienen hier als Nahrung. In Häusern werden sie, sofern  ausreichend Nahrung vorhanden ist, zu Material- und Hygieneschädlingen. Den meisten Schaden richten die Larven an.

Verhalten

Der Gemeine Speckkäfer orientiert sich zum Licht. Da die adulten Käfer flugfähig sind, können sie beachtliche Strecken zurücklegen. So können sie fliegend durch Luftschächte oder Fenster in Gebäude gelangen. Die Larven wiederum scheuen das Licht und verstecken sich im Dunkeln, z.B. hinter Fußleisten oder unter Teppichen.

Ernährung / Wachstumsbedingungen

Für die Entwicklung benötigt der Gemeine Speckkäfer Produkte tierischer Herkunft. Die Larven ernähren sich zum Beispiel von toten Insekten, Räucherwaren und Häuten. Auch Kannibalismus ist möglich. Zu der Ernährung des Speckkäfers können außerdem Federn oder Pelze gehören, da die Tiere in der Lage sind Keratin zu verdauen. Pflanzliche Materialien werden eher selten gefressen. In der Natur leisten Speckkäfer wichtige Aufgaben, in dem sie Kadaver restlos vertilgen. In Wohnungen und Vorratsräumen werden sie zu Schädlingen. Werden Essensreste oder Tierfutter unverschlossen aufbewahrt oder Abfälle zu lange in der Wohnung belassen, sind diese ein attraktives Refugium für Speckkäferlarven.

Fortpflanzung

Die Begattung findet ab einer Temperatur von 16 °C statt. Die Weibchen des Gemeinen Speckkäfers legen bis zu 150 Eier portioniert oder einzeln in ein geeignetes Nahrungssubstrat ab. Die Entwicklungszeit der Larven dauert zwischen 1,5 und 5 Monaten und ist stark von der Temperatur abhängig. In freier Natur kann sich pro Jahr meist nur eine Generation ausbilden, in geschlossenen und beheizten Räumen hingegen bis zu zwei.

Gesundheitsrisiken für den Menschen

Der Gemeine Speckkäfer ist nicht nur einen Materialschädling, sondern auch ein Hygieneschädling. Der Kot verunreinigt Lebensmittel. Nach Kontakt oder einatmen der Exkremente können allergische Reaktionen oder Margen-Darmbeschwerden auftreten. Außerdem kann sich an stark befallenen und schlecht belüfteten Orten Kondenswasser entstehen, was einer Bildung von Schimmel förderlich ist.

Typische Schäden

Neben Fraßschäden an tierischen Lebensmitteln, Textilien oder Pelzen wird auch weicheres Holz befallen. Für die Verpuppung benötigen die Larven des Gemeinen Speckkäfers festere Materialien, in der die Puppenwiege angelegt wird. Neben Holz eigen sich dafür auch Kork, Pappe, Papierstapel, Styropor, Tabakballen oder Mörtel.

Gefahrenabschätzung

Zu bedeutenden Schäden kann es kommen, wenn über längere Zeit keine Maßnahmen gegen ein aktives Speckkäfervorkommen unternommen werden und sich ein starker Befall entwickelt hat.

Alternative Bekämpfungsmaßnahmen

Vorsorgemaßnahmen wie die Entziehung der Nahrungsgrundlagen und von Versteckmöglichkeiten sind sehr wichtig. Eine gründliche Reinigung der Wohnung und ein beherztes Entsorgen von befallenen Lebensmitteln und anderer Materialen können weitere Bekämpfungsmaßnahmen oder gar den Einsatz chemischer Insektizide unnötig machen. Die Beobachtung (Monitoring) und die Reinigungsmaßnahmen müssen über mehrere Wochen und Monate, gemäß dem Vermehrungszyklus des Speckkäfers, wiederholt werden.  Larven und verpuppte Individuen können sich hinter Fußleisten, unter Teppichen, in Schubladen oder Lattenrosten verstecken. Entsprechend sorgfältig sollten die Reinigungsmaßnahmen durchgeführt und beibehalten werden. Reste an Lebens- und Futtermitteln sollten stets entsorgt oder gut verschlossen aufbewahrt und der Hausmüll zeitnah entsorgt werden.

Kleidungsstücke und Textilien können bei möglichst hohen Temperaturen gewaschen oder  in die chemische Reinigung gebracht werden. Das Waschen von Wolle oder empfindlichen Textilien bei niedrigen Temperaturen in der Waschmaschine ist wirkungslos. In oder an Textilien, Pelzen oder ähnlichen Gegenständen können die Tiere bei sehr tiefen Temperaturen (unter -20 °C) in einer Tiefkühltruhe abgetötet werden. Dafür sollten die Materialien in Plastikbeuteln verschlossen und über mehrere Tage eingefroren werden, ggf. ist der Vorgang zu wiederholen. Ein Abtöten durch hohe Temperaturen ist schneller zu erreichen. Temperaturen über 60 °C sind in ca. zehn Minuten und 55 °C in ca. einer Stunde für alle Entwicklungsstadien tödlich.

Falls notwendig, sollte eine geprüfte und sachkundige Schädlingsbekämpfungsfirma mit der Bekämpfung beauftragt werden. Dies gilt auch für das regelmäßige Monitoring als Vorsorgemaßnahme im betrieblichen Vorratsschutz. Vom Einsatz von Insektiziden durch ungeschulte Personen oder zur vorbeugenden Anwendung ist in jedem Fall abzuraten. Eine sehr wirksame Vorsorgemaßnahme ist das Verhindern des Zuflugs adulter Käfer durch Verschließen potentieller Einflugwege wie Luftschächte oder Fenster. Hierbei können Fliegennetze oder Insektengaze hilfreich sein. Die üblichen Hygieneregeln im Haushalt oder Betrieb sind einzuhalten.