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Dickmaulrüssler

Otiorhynchus sp., O. sulcatus (Gefurchter Dickmaulrüssler)
Gefurchter Dickmaulrüssler
Gefurchter Dickmaulrüssler
© ThKatz / Fotolia.com

Aussehen

Die Gattung der Dickmaulrüssler (Otiorhynchus) gehört zur Familie der Rüsselkäfer. Die bekannteste Art ist der Gefurchte Dickmaulrüssler (Otiorhynchus sulcatus), weitere Arten sind u.a. Mittlerer Schwarzer Rüsselkäfer (O. niger), Kleiner Schwarzer Rüsselkäfer (O. ovatus), Schwarzer Rüsselkäfer oder Großer Schwarzer Rüsselkäfer (O. coecus), Kleeluzerne-Rüssler oder Luzerne-Dickmaulrüssler (O. ligustici), Scheckiger Dickmaulrüssler (O. singularis), Rauher Lappenrüssler (O. raucus).

Dickmaulrüssler werden ca. 3 bis 14 Millimeter lang und sind schwarz, braun, manchmal auch gelb gefärbt oder dunkel mit gelblichen Punkten. Sie besitzen einen kräftigen Rüssel. Der Rücken ist meist unbehaart und geriffelt und körnig uneben.

Die gelblich-weißen Larven, mit braunem Kopf, haben keine Beine und sind etwa so lang wie der erwachsene Käfer.

Lebensraum / Vorkommen

Die Gattung der Dickmaulrüssler ist in Europa, Nordafrika und Asien mit ca. 1000 Arten und Unterarten verbreitet. Neben lange bekannten Arten treten in Deutschland sowohl unter Glas als auch im Freiland zunehmend südliche Arten auf, die vom weltumspannenden Pflanzenhandel profitieren. So wurden in einer Untersuchung in Brandenburg als Hauptschädiger an unterschiedlichen Pflanzenarten neben Otiorhynchus sulcatus sieben weitere Arten festgestellt. In anderen Bundesländern bzw. an anderen als den untersuchten Standorten kommen weitere Arten hinzu.

Verhalten

Der dämmerungs- und nachtaktive Dickmaulrüssler frisst von April bis Oktober Löcher in Blätter, Triebe und Knospen von sehr vielen und unterschiedlichen Nutz- und Zierpflanzen (z. B. Beeren, Wein, Gehölze wie Eiben, Kirschlorbeer, Azaleen, Blumen und Stauden u.a.m.). Er frisst aber auch Unkraut. Der Käfer ist scheu und lässt sich bei Störungen zum Boden fallen, wo er sich versteckt. Er kann nicht fliegen, aber sich zu Fuß über größere Entfernungen ausbreiten. Er kann ca. drei Jahre alt werden.

Die Larve schädigt die Wurzeln, Knollen und Rhizomen der Pflanzen, indem sie zuerst die feinen Wurzeln frisst, mit denen die Pflanzen Wasser aufnehmen, ältere Larven fressen dann die Rinde der Hauptwurzeln.

Ernährung / Wachstumsbedingungen

Die Käfer ernähren sich von Blättern, Trieben, junger Rinde und Knospen von sehr vielen Zier- und Nutzpflanzen. Die Larven dagegen von Wurzeln und Knollen vieler Pflanzen.

Fortpflanzung

Der Dickmaulrüssler legt nach der Paarung (oft findet aber auch Jungfernzeugung statt, wobei alle Nachkommen weiblich sind) ab Mai/Juni bis August etwa 500 bis 1000 Eier im Boden ab, im Wurzelbereich der Wirtspflanze. Die Larven schlüpfen nach ca. zwei bis drei Wochen und fressen an den Wurzeln der Pflanzen. Dann verpuppen sie sich. Nach ca. drei Wochen schlüpfen die jungen Käfer. Die Larven und auch die Puppen können auch überwintern. Die ersten Käfer schlüpfen ca. Ende Mai/Anfang Juni, die letzten noch im August. Geschlechtsreif sind sie nach vier bis fünf Wochen. In einem Jahr entwickelt sich nur eine Generation. Schäden verursachen die Larven hauptsächlich im Frühling (die Larven, die überwintert haben) und im Herbst (junge Larven).

Natürliche Feinde

Spitzmaus und Igel, Maulwürfe, Erdkröten, Vögel (auch frei laufende Hühner) und Eidechsen, aber auch Laufkäfer, Tausendfüßer und Spinnen sind natürliche Feinde der Käfer. Für sie sollte man Unterschlupf- und Nestmöglichkeiten im Garten schaffen.

Typische Schäden

Typische Schäden des Dickmaulrüsslers sind vor allem Löcher bzw. buchten- und bogenförmige Fraßstellen an Nutz- und Zierpflanzen (besonders Rhododendren, Azaleen, Kirschlorbeer, Buchsbaum, Wein), Beeren (Erdbeeren) und Blumen (Rosen, Stauden). Die weitaus bedeutenderen Schäden verursachen allerdings die Larven am Wurzelwerk. Über die angefressenen Stellen der Wurzeln können zudem Bodenpilze in die Pflanze eindringen und sie zusätzlich schädigen.

Die Blätter sind meist vom Rand her halbkreisförmig angefressen. Gehölze wachsen nur schwach, Pflanzen wirken welk oder sterben bei starkem Befall auch ab.

Gefahrenabschätzung

Der Dickmaulrüssler wird oft durch eingetopfte Pflanzen, die im Freiland gepflanzt werden, verbreitet. Er zählt auch im Privatbereich zu den wichtigsten Schädlingen und befällt insbesondere Dachgärten.

Alternative Bekämpfungsmaßnahmen

Im Dunkeln kann man die Käfer mit Hilfe einer Taschenlampe von den Pflanzen absammeln, allerdings muss man schnell sein, weil sie sich bei einer Störung auf den Boden fallen lassen und verstecken. Man kann auch unter befallene Pflanzen Blumentöpfe mit Holzwolle aufstellen, in denen sich die Käfer am Tage gern verstecken. Sie können dann täglich eingesammelt werden. Auch die häufige Bearbeitung des Bodens kann die Entwicklung der Larven stören.

Gegen die Larven selber helfen im Fachhandel erhältliche räuberische Nematoden (Fadenwürmer), die man mit einer Gießkanne im April/ Mai oder im September/ Oktober auf dem Boden verteilt, am besten abends. Die Fadenwürmer sind nur ca. 0,1 Millimeter lang und für Menschen ungefährlich. Sie dringen im Boden in die Larven des Dickmaulrüsslers ein, vergiften die Larve mit einer speziellen Bakterienart innerhalb von drei Tagen und vermehren sich in ihr, dann verlassen sie das tote und rotbraun verfärbte Tier, um sich einen neuen Wirt zu suchen. In jeder Larve entwickeln sich an die 300.000 neue Fadenwürmer.

Gegen die Fressschäden der Käfer kann man in den Boden der Pflanzen alle zwei Monate Neempresskuchen einbringen, der aus dem Samen des Neembaums besteht und dessen Öl für die Käfer giftig ist. Die Pflanze nimmt diese Stoffe auf und verhindert dadurch selbst, dass die Käfer und die Larven weiter an ihr fressen.

Allerdings sollte man Neempresskuchen und Nematoden niemals gleichzeitig zur Bekämpfung verwenden, da der Wirkstoff auch die Fadenwürmer tötet.

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