StartseiteSchädlingsratgeberBunter Nagekäfer (Totenuhr)

Bunter Nagekäfer (Totenuhr)

Xestobium rufovillosum
Totenuhr
© Gilles San Martin / CC BY-SA 3.0

Aussehen

Der Bunte (Gescheckte) Nagekäfer, bzw. Totenuhr, ist ein Käfer aus der Familie der Nagekäfer (Anobien), auch Poch- oder Klopfkäfer genannt.
Fünf bis neun Millimeter langer dunkelbrauner Käfer mit gelbgrauen Haarflecken gescheckt. Der Bunte Nagekäfer ist der größte Nagekäfer in Mitteleuropa. Die Larven werden ca. 10 Millimeter lang.

Lebensraum / Vorkommen

Die Nagekäfer leben auf Bäumen (vornehmlich Eichen und Weiden), an morschem Holz oder auch im alten (feuchten) Holz von Fachwerkhäusern und alten Möbeln. Im Frühling suchen die Käfer auch Blüten auf.

Verhalten

Das Männchen schlägt in der Paarungszeit, um Weibchen anzulocken, mit seinem Kopf an Holz. Auch Menschen können dieses Tickgeräusch hören (so entstand der Name Totenuhr). Die Larven entwickeln sich im Holz von Eichen oder Weiden oder in Holz von Häusern oder Möbeln, durchbohren es und ernähren sich davon, wobei sie Schäden am Holz anrichten.

Ernährung / Wachstumsbedingungen

Wichtig für eine optimale Entwicklung ist die Feuchtigkeit des Holzes und ein damit verbundener leichter Pilzbefall, weniger die Temperatur. Vom Ei bis zum Käfer dauert die Entwicklung unter besten Bedingungen (22-25 oC und 25 % Holzfeuchtigkeit) ca. ein bis zu zwei Jahre, normalerweise bis zu sechs Jahre, unter Umständen auch länger. Es werden bis zur Verpuppung mehrere Larvenstadien durchlaufen. Der erwachsene Käfer lebt nur zwei bis drei Wochen, kann laufen und fliegen und nimmt keine Nahrung mehr zu sich.

Fortpflanzung

Der Käfer legt nach der Paarung die Eier an Holz, die Larven entwickeln sich über mehrere Stadien bis zur Verpuppung über ein oder mehrere Jahre im pilzbefallenen Holz, von dem sie leben und es dadurch durchbohren.

Natürliche Feinde

Blauer Fellkäfer, Fettspinne, Schlupfwespe, Raubwanze, Erzwespe, Milben, Vögel.

Informationen zum Artenschutz

Nicht geschützt.

Typische Schäden

Die Larven des Nagekäfers durchlöchern das Holz fast siebartig. Von außen zu sehen sind die runden 2-4 Millimeter im Durchmesser großen Ausfluglöcher der adulten Käfer. Die runden Fraßgänge der Larven liegen meist im Innern des Holzes. Bevorzugt befallen wird Laubholz (insbesondere Eichenholz, aber auch Weide), manches Mal auch Nadelholz, das feucht oder bereits von Parasiten und/oder Pilzen geschädigt ist (z.B. in Fachwerkbauten und Dachstühlen). Daher ist der Bunte Nagekäfer eigentlich ein Sekundärschädling. Das befallene Holz wirkt schwammartig.

Gefahrenabschätzung

Zur Vorsorge ist darauf zu achten, dass nur trockenes Holz verbaut bzw. ins Haus geholt wird und dass dieses trocken bleibt und nicht etwa schon von Pilzen befallen ist. Der Käfer befällt als Sekundärschädling nur Holz, das bereits durch holzzerstörende Pilze vorgeschädigt ist, deren Geruch den Käfer anzieht. Im Haus befindliches Holz sollte regelmäßig auf unerkannte Feuchteschäden überprüft werden.

sonstige Informationen

Alternative Bekämpfungsmaßnahmen

Finden sich Käfer in größerer Anzahl, müssen die Brutstätten gefunden und befallenes Holz möglichst vollständig entfernt werden. Bei tragenden Holzelementen muss ein Fachmann für Schädlingsbekämpfung/Holz- und Bautenschutz/Baustatiker o.ä. hinzugezogen werden.

Wichtig ist die Ursachenbeseitigung, z.B. Ausbau des pilzbefallen Holzes und Trockenlegung versteckter Feuchtestellen.

Die DIN 68800-4 beschreibt die technischen Standards zu Bekämpfungsmaßnahmen gegen holzzerstörende Insekten. Das Heißluftverfahren tötet Insekten ab. Hierbei werden alle Stellen des zu behandelnden Holzes über mindestens 60 Minuten auf 55°C erhitzt, wobei aus Brandschutzgründen eine Oberflächentemperatur von 120°C nie überschritten werden darf Thermische Verfahren (Heißluftverfahren) zur Bekämpfung holzzerstörender Insekten (vgl. auch RAL-UZ 57). Das Verfahren bietet aber keinen vorbeugenden Holzschutz, eine Nachbehandlung mit vorbeugenden Holzschutzmitteln kann aber unterbleiben, wenn die Bauteile kontrollierbar oder insektensicher ummantelt sind.

Die Begasung mit erstickenden Gasen (Stickstoff, Kohlenstoffdioxid) benötigt eine Behandlungszeit von mehrere Wochen und ist somit nur für kleinere Holzgegenstände geeignet. Elektrophysikalische Verfahren mittels Mikrowellen und Hochfrequenztechnik sind als Sonderverfahren ebenfalls in der DIN 68800-4 erwähnt und gehören ebenfalls zu den thermischen Verfahren. Hierbei wird das Holz in einem Strahlungsfeld (Mikrowelle) bzw. in einem Kondensatorfeld (Hochfrequenztechnik) auf 55°C erwärmt (vgl. auch RAL UZ 34).

Bei Fachwerkbauten sollte stets trockenes Holz verwendet werden. Befallene Möbel können evtl. mit einer Wärmebehandlung gerettet werden.

Holzpflege durch natürliche Stoffe wie Leinöl, Bienenwachs, natürliche Harze und ätherische Öle aus Holzinhaltsstoffen verhindert die Feuchtigkeitsaufnahme von Möbeln und fungiert indirekt als vorbeugende Maßnahmen zur Befallsvermeidung.

Weitere Informationen: