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Bremsen

Tabanidae
Pferdebremse
Pferdebremse
© Angelika Wolter / PIXELIO

Aussehen

Die Familie der Bremsen gehört zur Unterordnung der Fliegen innerhalb der Ordnung der Zweiflügler. Sie zählen zu den blutsaugenden Insekten. Stellvertretend werden hier genannt die Regenbremse (Haematopota pluvialis) als häufigste und die Pferdebremse (Tabanus sudeticus) als größte Art.

Bremsen sehen den Stubenfliegen ähnlich, sind aber in der Regel etwas länglicher, schmaler als diese. Die Regenbremse ist ca. 8 bis 12 mm lang. Sie ist grau bis dunkelbraun gefärbt, besitzt rötliche große und glänzende Facettenaugen (manchmal mit Streifen) und mehrgliedrige Fühler. Das Weibchen hat einen kräftigen Stechrüssel, der beim Männchen zurückgebildet ist.

Die Pferdebremse ist die größte Art in Mitteleuropa und wird 19 bis 25 mm lang, sie fällt durch wespenähnliche graue und braune Streifen auf dem Hinterleib auf.

Lebensraum / Vorkommen

Bremsen leben in Europa, Nordafrika (bis zum Südrand der Sahara) und Asien (südlich bis zum Himalaja ohne indischer Subkontinent und die arabische Halbinsel) bis in eine Höhe von ca. 2000m. Es gibt ca. 3.500 bis 4.000 verschiedene Arten, 70 davon in Mitteleuropa. In Europa ist die Regenbremse am häufigsten vertreten. Bremsen leben bevorzugt am Waldrand, in Sümpfen und Feuchtwiesen sowie in der Nähe großer Tiere wie Rindern und Pferden, also auf Weiden und in Ställen.

Bremsen werden mit unterschiedlichen Namen bezeichnet: In Norddeutschland ist Dase oder Blinde Fliege verbreitet, im Westen Blinder Kuckuck, im Süden auch Bräme/Brämer. Der Name der Regen- bzw. Gewitterbremse erklärt sich durch die erhöhte Lust der Bremsen bei Regen oder vor einem Gewitter zu stechen.

Verhalten

Bremsen, d.h. deren Weibchen, sind immer auf der Suche nach warmblütigen Tieren und Menschen, von deren Blut sie sich ernähren. Über ihre Fühler können sie die chemischen Stoffe im Schweiß und Atem von Mensch und Tier sowie Körperwärme wahrnehmen, auch über große Entfernungen werden sie dadurch angelockt. Sie können sehr geschickt und schnell fliegen, bis zu 6 km/h. Sie lassen sich, anders als Stubenfliegen, nicht so leicht verscheuchen. Die Regenbremse hört man im Gegensatz zur Rinderbremse, die deutlich brummt, kaum beim Anflug. Besonders aktiv und stechbereit sind Bremsen zwischen April und August, besonders an schwülwarmen Tagen.

Ernährung / Wachstumsbedingungen

Das Weibchen ernährt sich parasitär von Blut, die Männchen von Pflanzensäften und Nektar, wodurch sie als Bestäuber dienen.

Fortpflanzung

Das erbeutete Blut dient der befruchteten Bremse für die Entwicklung der Eier. Die ca. 400 bis 1000 länglichen weißen Eier werden in mehreren Häufchen an Pflanzen abgelegt, die am Wasser wachsen. Die Eier färben sich bald braun bis schwarz. Nach 2 bis 4 Tagen schlüpfen die weißlich-grünen Larven (Pferdebremse), wo sie sich im feuchten Boden und im Wasser entwickeln und sich von Schwebstoffen abgestorbener Pflanzen und Tiere ernähren oder auch Kleinlebewesen erbeuten. Nach ein oder auch mehreren Jahren verpuppen sich die Larven im Schlamm oder in feuchter Erde. 10 bis 23 Tage danach schlüpfen die fertigen Bremsen. Die Flugzeit der Bremsen dauert ca. von April bis Oktober.

Gesundheitsrisiken für den Menschen

Bremsenstiche sind schmerzhaft, die Stelle kann eventuell noch weiterbluten, stark anschwellen und jucken. Ausgelöst wird dies nicht durch ein Gift der Bremse, sondern durch eine allergische Reaktion der Haut auf den Speichel und die darin enthaltenen Gerinnungshemmer der Bremse. Sie saugt bis zu 0,2 ml Blut. Krankheiten werden dabei in Deutschland, soweit bekannt, nicht übertragen, obwohl Bremsen Lyme-Borreliose übertragen könnten. Eventuell wurde beim Menschen der Zusammenhang bisher nur nicht genau beobachtet und erkannt, darum sollte man sich die von Bremsen gestochene Stelle merken und beobachten.

Informationen zum Artenschutz

Bremsen sind nicht geschützt und werden insbesondere in der Rinder- und Pferdezucht als Lästlinge bekämpft, da die Tiere sich kaum wehren können.

Typische Schäden

In der Weidewirtschaft kann massiver Befall zu einer starken Beunruhigung der Tiere führen, die durch eine Milchminderleistung bei Kühen beispielsweise dann auch ökonomische Auswirkung haben kann. Krankheitsübertragungen sind hier ebenfalls eher wahrscheinlich.

Gefahrenabschätzung

Auch wenn theoretisch aufgrund der Größe des Saugrüssels die Möglichkeit einer mechanischen Übertragung von gefährlichen Infektionskrankheiten durch Bremsen besteht, so sind diese bis dato in Deutschland für den Menschen nicht nachgewiesen worden. Anders in Afrika, wo z. B. die Übertragung von Milzbrand berichtet wird. Die humanpathogene Filarie Loa Loa benutzt in Westafrika Vertreter der Bremsenunterfamilie Chrysopinae als Zwischenwirt. Eine Erkrankung von Pferden an Lyme-Borreliose (über die Pferdebremse) wird berichtet.

Alternative Bekämpfungsmaßnahmen

Bei Bremsenstichen helfen gegen den Schmerz und die Schwellung vor allem Kühlung. Man kann auch Salben und Gels mit kühlenden und juckreizlindernden Wirkungen benutzen.

Zur Vermeidung von Stichen helfen nur passive Maßnahmen wie die Meidung von Orten, die besonders von Bremsen angezogen werden, wie z.B. Weiden, (Reit-)ställe sowie schützende Kleidung. Vergrämende Mittel (Repellents), z.B. ätherische Öle, halten Bremsen offenbar nicht ab.

Auch in der Weidewirtschaft helfen passive Verfahren, wie das Trockenlegen von geeigneten Brutstätten (Wasserlachen, Misthaufen oder feuchte, waldnahe Weidestandorte). Eher für wertvolle Weidetiere wie Pferde kommen passive Schutzmaßnahmen wie Schutzdecken und Kopfmasken u.ä. in Betracht, die in einer auch für Bremsenstiche undurchdringlichen Qualität angeboten werden und z.T. auch mit Repellents ausgerüstet sind.

Weitere Informationen: