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Bläuepilze

Zu den Bläuepilzen zählt man rund 100 verschiedene Pilzarten, darunter vor allem Pilze aus der Abteilung der Schlauchpilze (Ascomycetes).
Bläuepilzbefall an gelagertem Nadelholz
Bläuepilzbefall an gelagertem Nadelholz
© Cholo Alemann / CC BY-SA 3.0

Aussehen

Der Begriff Bläuepilze beschreibt nicht das Aussehen der Pilze selbst, sondern das Schadbild, das durch den Pilzbefall verursacht wird. Die Hyphen der Pilze wachsen in die Holzzellen, füllen diese aus und so erscheint das Holz optisch dunkel bläulich verfärbt.

Lebensraum / Vorkommen

Bläuepilze lassen sich am liebsten auf Nadelholz nieder, selten betroffen sind Laubhölzer wie Ahorn, Buche oder Tropenhölzer. Bläuepilze wachsen meist im Splintholz. In der Natur übernehmen Pilze sehr wichtige Funktionen u.a. als Zersetzer organischer Materialien wie Blätter und Holz. Bläuepilze besiedeln frisch geschlagene Bäume. Die Pilze lieben es feucht und warm.

Verhalten

Bläuepilze wachsen im sogenannten Splintholz, der äußeren Schicht eines Baumstammes. Der Pilz wächst dabei mit seinen Hyphen in die Splintholzzellen hinein sowie an dessen Oberfläche und bildet seine Fruchtkörper aus. Durch die Besiedlung mit Bläuepilzen verfärbt sich das Holz charakteristisch bläulich. Die Pilze ernähren sich von den Inhaltsstoffen des Splintholzes, vor allem der nährstoffhaltigen Parenchymzellen, nicht jedoch von den Zellwandsubstanzen Lignin und Cellulose. Daher zerstören die Bläuepilze die Holzstruktur nicht. Die Tragfähigkeit des Holzes bleibt erhalten.

Ernährung / Wachstumsbedingungen

Bläuepilze benötigen ausreichend Feuchtigkeit und Wärme. Am besten breiten sie sich aus bei einer Holzfeuchte von 35 % und Temperaturen zwischen 18° bis 25° Celsius. Sie ernähren sich von Zellinhaltsstoffen des Holzes, von Zucker, Stärke und Eiweiß.

Fortpflanzung

Unter dem Sammelbegriff Schlauchpilze finden sich solche, die sich geschlechtlich und ungeschlechtlich fortpflanzen. Bei Schlauchpilzen ist die ungeschlechtliche Fortpflanzung die dominante Form der Vermehrung. Hierbei bildet der Pilz Sporen mit Hyphen. Diese können je nach Art durch Wind, Wasser oder Tiere verbreitet werden.

Gesundheitsrisiken für den Menschen

Bläuepilze zählen zu den Materialschädlingen. Gesundheitsrisiken für den Menschen bestehen nicht.

Typische Schäden

Befallsabschätzung

Die Befallsabschätzung erfolgt optisch. Ein Befall zeigt sich an der typischen bläulichen Verfärbung des Splintholzes, von Schnittflächen oder Oberflächen. Bei normaler Holzbläue besteht gewöhnlich kein Sanierungsbedarf. Da aber Bläuepilze Anzeiger für zu große Feuchtigkeit sind und diese auch anderen Holzschädlingen gute Wachstumsbedingungen bietet, ist bei einem Bläuepilz-Befall abzuklären, ob gleichzeitig wohlmöglich ein Schimmelpilzbefall vorliegt. Hier ist ggf. ein Sachverständiger einzubeziehen. Bläuepilze entwerten das Holz durch die veränderte Optik. Durch ihr Wachstum können die Bläuepilze auch Holz-Beschichtungen beschädigen und so Folgeschäden, wie Fäulnis, verursachen.

Grundsätzlich werden drei verschiedene Arten von Bläuebefall an Nadelholz unterschieden:  

  1. Stammholzbläue oder primäre Bläue: Sie entsteht an frisch geschlagenem Holz und dringt von der sogenannten Hirn- oder Mantelfläche aus in stehende oder liegende Stämme ein.
  2. Schnittholzbläue (Oberflächenbläue) oder sekundäre Bläue: Sie entsteht an frisch gesägtem, zu feuchtem Holz und breitet sich nach dem Einschneiden des Holzes aus.
  3. Anstrichbläue oder tertiäre Bläue: Sie tritt auf, wenn getrocknetes oder verarbeitetes Holz erneut Feuchtigkeit aufnimmt, z.B. wenn Oberflächenbeschichtungen Risse bekommen, Wasser ins Holz eindringt und mit ihm Pilzsporen.

Ob Verfärbungen an Hölzern wie Konstruktionsvollholz, Balkenschichtholz oder Profilbretter zulässig sind oder nicht, regeln verschiedene DIN-Normen und Richtlinien. 

Übersicht über DIN-Normen und Richtlinien bietet das Sachverständigenbüro für Holzschutz unter http://www.holzfragen.de/seiten/blaeue.html.

Gefahrenabschätzung

Da Bläuepilze selbst die Holzstruktur nicht zerstören und die Tragfähigkeit befallener Hölzer erhalten bleibt, besteht in der Regel keine Gefahr. Dennoch sollte ein Befall aufmerksam beobachtet werden und die Ursachen für den Befall genau geklärt werden.

Vorsorge- und Bekämpfungsmaßnahmen

Vorsorgemaßnahmen

Meist ist der Pilz schon im Holz, wenn man es kauft. Doch können auch bereits gestrichene Flächen befallen werden, wenn der Lack rissig wird. Sporen können zudem über Schimmelpilzsporen übertragen werden oder über Schädlinge wie dem Borkenkäfer verbreitet werden. Hieraus ergeben sich folgende Vorsorgemaßnahmen:

  • Holz vor der Verwendung auf Bläuepilzbefall hin untersuchen und nur Holz einbauen, dass frei von Befall ist.
  • Baumängel vermeiden. Undichte Stellen beispielsweise an der Dampfsperre können zu einem erhöhten Tauwasseranfall in der Dämmkonstruktion und in Folge dessen zu Bläuepilz oder auch Schimmelpilzbefall an verbauten Holzteilen führen.
  • Ausreichend und richtig Lüften, um die Luftfeuchtigkeit im Gebäude zu senken. Pilze brauchen Feuchtigkeit, fehlt diese, könne sie sich nicht ansiedeln.
  • Große Temperaturunterschiede im Gebäude vermeiden um der Bildung von Kondenswasser vorzubeugen.
  • Oberflächenbehandlungen wie beispielsweise Fensteranstriche frühzeitig auf Risse hin kontrollieren und rechtzeitig erneuern.

Bekämpfungsmaßnahmen

  • Erste und grundsätzliche bauliche Maßnahme muss sein, die Ursache der erhöhten Feuchte des verbauten Holzes zu ergründen und abzustellen, um so für die Austrocknung der Hölzer zu sorgen. Im Außenbereich ist dies mitunter nicht möglich.  
  • Bei der sogenannten Anstrichbläue hilft mechanisches Abschleifen. Das Einatmen der Pilzsporen ist durch das Tragen einer Schutzmaske zu vermeiden.  
  • Zur optischen Behandlung können Oberflächen mechanisch gesäubert werden.

Chemische Bekämpfungsmaßnahmen

  • Chemische Verbindungen wie Chor als Aufheller sind nicht empfehlenswert. Sie sind oft gesundheitsschädlich und die aufhellende Wirkung nicht von langer Dauer.
  • Biozidhaltige Holzschutzlacke sind nicht notwendig.

Weitere Informationen

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