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Ameisen, Weg- und Rossameise

Lasius niger (Schwarze Wegameise oder Schwarze Gartenameise), Lasius brunneus (Braune Wegameise), Lasius emarginatus (Zweifarbige Wegameise), Camponotus ligniperda und Camponotus herculeanus (Braunschwarze und Schwarze Rossameise)
Braunschwarze Rossameise
Braunschwarze Rossameise
© Richard Bartz / CC BY-SA 2.5

Aussehen

Schwarzen Wegameise (Lasius niger): Die Arbeiterinnen der Schwarzen Wegameise sind 3 bis 5mm lang, die Männchen 3,5–4,5 mm, die Königinnen mit 8–9 mm deutlich größer. Die Farbe variiert zwischen Braun und Schwarz mit feinen Haaren auf einem Teil des Hinterleibs. Hierdurch wirkt das Tier glänzend.

Braune Wegameise (Lasius brunneus): Der Kopf der Braunen Wegameise ist hell bronzebraun, der mittlere Körperabschnitt gelblichbraun und der Hinterleib dunkelbraun bis schwarzbraun. Arbeiterinnen der Braunen Wegameise sind 3-4 mm groß.

Zweifarbige Wegameise (Lasius emarginatus): Der Kopf der Zweifarbigen Wegameise ist rötlichbraun bis dunkelbraun. Der mittlere Körperabschnitt rötlich, der Hinterleib dunkelbraun bis schwarzbraun. Die Arbeiterinnen der Zweifarbigen Wegameise sind bis 4mm groß.

Braunschwarze und Schwarze Rossameise (Camponotus ligniperda und Camponotus herculeanus): Die Rossameise ist die größte einheimische Ameisenart in Deutschland. Die Arbeiterinnen werden bis zu 1,4 cm groß, die Königinnen bis 1,8 cm. Kopf und Hinterleib der Rossameise sind schwarz, der mittlere Körperabschnitt etwas rötlich gefärbt. Im Aussehen unterschieden sich die Braunschwarze und Schwarze Rossameise nicht wesentlich, sie haben jedoch unterschiedliche Ansprüche an ihren Lebensraum.

Lebensraum / Vorkommen

Verschiedene Ameisenarten treten als Holzschädlinge auf, darunter die Schwarze, die Zweifarbige und die Braune Wegameise sowie die Rossameise.

Die Schwarze Wegameise findet man natürlicherweise in Wäldern und offenen Landschaften. Als sehr anpassungsfähige Art lebt sie auch unter Steinen, Baumrinde und in Mauerspalten und ist eine der häufigsten Ameisen Mitteleuropas.

Die Braune Wegameise ist eine baumbewohnende, relativ scheue Wegameisen-Art. Sie hat ihr natürliches Vorkommen in Laubwäldern und Laubgehölzen und legt ihre Nester in morschem Holz an. Die Arbeiterinnen der Braunen Wegameise sammeln regelmäßig Honigtau von verschiedenen Blattläusen oder Rindenläusen. Die männlichen und weiblichen Geschlechtstiere schwärmen von Ende Mai bis Anfang August.

Die Zweifarbige Wegameise bevorzugt Wärme und Trockenheit. In Deutschland kommt sie nur südlich von 52°30` N vor- die Stadt Osnabrück liegt beispielsweise auf diesem Breitengrad. Sie bevorzugt sehr warme Felsgebiete mit nur schwach entwickeltem Pflanzenbewuchs. In der Natur baut sie ihr Nest vor allem in Felsritzen und Hohlräumen, sowie unter Steinen und in morschem Totholz. Als Ersatzbiotop dienen Umgebungen mit Stein und Beton, alte Mauern und Ruinen. Im versiegelten Umfeld menschlicher Behausungen kann diese Art andere dominieren. Die Nestkerne bestehen oft aus einer braunen Kartonstruktur, wie sie auch für die Glänzendschwarze Holzameise (Lasius fuliginosus) bekannt sind. Diese Kartonnester werden aus diversem organischem Material, das mit Honigtau vermischt wurde, errichtet. Der Honigtau dient hierbei zum einen als Kittsubstanz und zum anderen als Substrat für das Wachstum von Pilzhyphen, die der Konstruktion zusätzliche Festigkeit verleihen. Die Ernährung der Art ist vielseitig.

Die Rossameise ist die größte Ameisenart überhaupt. Die Rossameise kommt in ganz Deutschland, von der Tiefebene bis ins Mittelgebirge vor. Während die Braunschwarze Rossameise (Camponotus igniperda) im Flach- und Hügelland sonnige, trockene Laub- oder Mischwälder, Trocken- und Halbtrockenrasen mit Buschwerk sowie Feldrainen besiedelt und hier überwiegend Erdnester anlegt, bevorzugt die Schwarze Rossameise (Camponotus herculeanus) höher gelegene, feuchtere und kühlere Gebiete und legt hier ihre Nester gewöhnlich in lebenden Bäumen, gerne in Weichhölzern wie Fichte, Tanne, Kiefer, seltener in Laubbäumen an. Zur Nestanlage höhlt sie totes und morsches Holz aus, ihre Nester haben oft auch einen großen unterirdischen Anteil. Fehlen große Stämme, können auch reine Bodennester angelegt werden. Die Arbeiterinnen nehmen Honigtau auf, erbeuten andere Insekten und lecken Pflanzensäfte auf. Obgleich in der Natur lebende Bäume für den Nestbau bevorzugt werden, findet man die Rossameise hin und wieder im Gebälk von Häusern, wo sie ihre Nester bevorzugt in Balken aus Kiefern- und Fichtenholz baut. Trotz ihrer Vorliebe für Nadelhölzer können auch Laubhölzer befallen werden.

Verhalten

In unseren Ökosystemen spielen Ameisen eine wichtige Rolle. Mit ihren vielen Gangsystemen lockern sie den Boden auf, bringen Biomasse in den Boden ein, fördern so die Bodenfruchtbarkeit und das Pflanzenwachstum. Von ihren Nestern aus wandern die Arbeiterinnen auf bestimmten Wegen, die mit Duftstoffen markiert werden, zu Blattlauskolonien, deren Honigtau ihnen als Nahrung dient oder als Nahrung für Pilze genutzt wird, deren Hyphen das Nest stabilisieren. Ihr Verhalten, Nester in Holz anzulegen, machen manche Ameisenarten für den Menschen zum Materialschädling. Haben sich Ameisen im Haus als Holzschädling angesiedelt, werden oft auch Lebensmittel zur Versorgung der Kolonie genutzt.

In der Regel nisten sich Ameisen nicht in intaktes Bauholz ein, sondern besiedeln Holz, das durch holzfressende Insekten oder durch Pilze bereits vorgeschädigt ist. Dabei sind sie nicht auf reine Holzkonstruktionen beschränkt, sondern bauen ihre Gänge auch in andere verbaute Materialien, wie Dichtungsmaterialien. Besonders wärme- und trockenheitsliebende Arten wir die Zweifarbige Wegameise nisten auch in Mauerspalten und Hauswänden. Je nach Art und Organisation des Ameisenstaates werden Nester mit mehreren Kolonien angelegt, in denen sich auch mehrere Königinnen befinden können. Dies ist im Hinblick auf eine Beseitigung des Befalls zu bedenken.

Oft wird ein Befall erst erkannt, wenn die Geschlechtstiere zur Paarung ausfliegen. Dies erfolgt je nach Art zwischen Mai und Anfang August.

Ernährung / Wachstumsbedingungen

In der Natur ernähren sich die Ameisen überwiegend von Honigtau, der von Blattläusen ausgeschieden wird. Sie können aber auch bei einem entsprechenden Angebot von Vorräten oder Abfällen des Menschen leben.

Fortpflanzung

Die Entwicklung der Ameisen verläuft vom Ei über Larvenstadium und Puppe bis hin zur Erwachsenenform. Nach dem Paarungsflug errichtet die fortpflanzungsfähige Ameisenkönigin ein Nest und beginnt mit der Eiablage. Zunächst betreibt die Königin die Brutpflege, später übernehmen die jungen herangewachsenen Ameisen die Versorgung der Brut und der Königin, bzw. Königinnen.

Gesundheitsrisiken für den Menschen

Die hier beschriebenen Ameisen sind in erster Linie Materialschädlinge und keine Vorrats- oder Hygieneschädlinge. Sie können aber verfügbare Vorräte als Nahrungsquelle nutzen und so die Lebensmittel verunreinigen.

Gefahrenabschätzung

Ein Befall mit Holzameisen im Haus ist sehr ernst zu nehmen, da der Befall so stark sein kann, dass tragende Bauteile in ihrer Haltbarkeit gefährdet sind. Bei einem Befall von verbauten Holzteilen im Haus besteht daher dringender Handlungsbedarf. Je eher ein Befall entdeckt wird, desto kleiner der Aufwand für dessen Bekämpfung. Unabhängig von der Bekämpfung empfiehlt sich bei einem Befall die Einschaltung eines Bausachverständigen.

Vorsorgemaßnahmen

Vorsorge ist die wirksamste, chemiefreie Maßnahme gegen eine Einwanderung von Ameisen ins Haus und deren Etablierung. Viele der genannten Maßnahmen halten auch andere Schädlinge fern:
Um das Eindringen von Ameisen in die Wohnung und das Einnisten zu vermeiden:

  • Löcher und Risse im Mauerwerk, an Türen und Fenstern sollten ausgebessert werden. In der Wohnung sollten Fugen oder Spalten mit Silikon u.ä. verschlossen werden.
  • Ein Anlocken von Ameisen sollte vermieden werden. Futterreste in Tiernäpfe oder zugängliche Essensreste sollten vermieden und Vorräte sollten immer gut verschlossen, “ameisensicher” aufbewahrt werden.
  • Eine Einschleppung ist zu vermeiden: Kontrollieren Sie Blumentöpfe, Zweige und Kaminholz, bevor sie diese ins Haus holen.
  • Schnell reagieren: Einzelne Ameisen sollten Sie sofort aufkehren und ins Freie befördern. Haben sich Ameisen beim „Hochzeitsflug“ ins Haus verirrt, öffnen Sie die Fenster. Die Tiere bewegen sich auf Licht zu. Ggf. lassen sie sich mit einem Ventilator vertreiben.
  • Einwanderung aus der Vegetation erschweren: Vegetation am Haus zurückschneiden.
  • Da Ameisen in vorgeschädigten Hölzern siedeln, ist ein Primärbefall mit Pilzen zu verhindern. Feuchtequellen sind zu vermeiden, regelmäßiges Stoßlüften wird empfohlen.
  • Empfehlenswert ist eine regelmäßige Kontrolle verbauter Hölzer (Dachstuhl, Bodendielen). Vorgeschädigte und feuchte Hölzer sind zu entfernen und die Feuchtigkeits-Quelle zu beseitigen.
  • Konstruktorische Mängel, durch die Feuchtigkeit ins Haus und an verbaute Holzteile gelangt, sind zu beseitigen.

Befallsabschätzung

Visuell: Das Suchen von Indizien ist oft der schnellste Weg, um einen Befall zu identifizieren. Herumliegende Späne, Holzstaub, Ameisenstraßen und schwärmende Ameisen können einen Befall anzeigen.

Bekämpfungsmaßnahmen

Bei Verdacht auf Holzameisen muss ein Experte zu Rate gezogen werden. Liegt ein Befall mit Holz zerstörenden Ameisen vor, ist ein sachkundiger Schädlingsbekämpfer und ein Bausachverständiger unerlässlich, da es zu erheblichen Schäden an der Bausubstanz kommen kann. Hat sich bereit eine Ameisenkolonie angesiedelt, ist die Bekämpfung unabhängig von der Bekämpfungsart eine große Herausforderung. Außerhalb des Nestes trifft man in der Regel nur die Arbeiterinnen an. Das eigentliche Ziel von Bekämpfungsaktionen sind immer die Königinnen. Diese halten sich jedoch in den am besten geschützten Nestbereichen auf und sind – auch mit chemischen Methoden wie Kontaktgiften und Fraßködern - nur schwer zu erreichen. Bei einigen Ameisenarten, die aufgrund ihrer Sozialstruktur mehrere Königinnen in einem Staat haben und deren Nester über mehrere Kolonieteile verfügen, ist die Bekämpfung daher besonders schwierig. Denn erst wenn sämtliche Kolonieteile vernichtet sind, kann eine Bekämpfungsmaßnahme als dauerhaft erfolgreich angesehen werden.

Ein Befall mit holzschädigenden Ameisen kann professionell mit Heißluft oder mit Kälte (flüssigem Stickstoff) bekämpft werden, so dass vollständig auf biozidhaltige Holzschutzmittel verzichtet werden kann. Verschiedene Anbieter bieten das Heißluftverfahren, ausgezeichnet mit dem Blauen Engel, an: RAL-ZU 57 (siehe www.blauer-engel.de). Fragen Sie gezielt nach diesen nicht-chemischen Alternativmethoden. Sind Bauteile, die der Stabilität dienen, befallen, so ist ein Austausch der befallenen Hölzer notwendig.

Alternative Bekämpfungsmaßnahmen

Ameisen können professionell mit Heißluft oder mit Kälte (flüssigem Stickstoff) bekämpft werden.