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Algen

Algenteppich auf Gewässer
Algenteppich auf Gewässer
© Thomas Max Müller / PIXELIO

Aussehen

Unter dem Oberbegriff Algen werden ein- oder mehrzellige Pflanzen zusammengefasst, die  in wässerigen Lebensräumen als Primärproduzenten die erste Stufe der Nahrungskette bilden. Hierzu nutzen sie als Energiequelle das Sonnenlicht und Kohlenstoffdioxid (Photosynthese). Rotalgen (Rhodophyta) und Braunalgen (Phaeophyta) zählen zu den Makroalgen und leben überwiegend im Küstenbereich (Seetang). Wichtige (auch) im Süßwasser lebende Algengruppen sind Grünalgen (Chlorophyta), Kieselalgen (Diatomeen bzw. Bacillariophyta) und Augentierchen (Euglenozoa). Kieselalgen bilden eine Schale aus Ablagerungen der Kieselsäure (Siliziumdioxid) aus. Augentierchen (Euglena) vereinen pflanzliche und tierische Eigenschaften, indem sie sich mit Hilfe  einer Geißel aktiv fortbewegen können, Photosynthese betreiben und gleichzeitig auf die Aufnahme von Vitaminen und organischen Stoffen angewiesen sind. Meist werden auch Blaualgen (Cyanophyta) zu den Algen gerechnet, obwohl diese nicht mit Pflanzen, sondern eher mit Bakterien (Prokaryoten) verwandt sind.

Mikroalgen haben üblicherweise Größen von wenigen Mikrometern und lassen sich nur mittels Lichtmikroskopie direkt beobachten. Makroalgen sind bereit makroskopisch z.B. als Seetang zu erkennen.

Lebensraum / Vorkommen

Die meisten Grün-, Kiesel- und Blaualgen sowie die Augentierchen leben freischwebend als Phytoplankton des Wassers oder setzen sich an Oberflächen fest. Unter günstigen Umständen erreichen sie hohe Zelldichten, die bei massenhafter Vermehrung zu einer Algenblüte führen. Unter den Spurenstoffen bestimmt oftmals das Vorkommen des Nährstoffs Phosphor das Ausmaß des Algenwachstums.

Verhalten

Die meisten Algen leben planktisch, das bedeutet, sie werden passiv von der Wasserströmung verfrachtet. Oftmals setzen sie sich auch an Grenzflächen fest. Braunalgen bilden fädige oder blattartige Formen aus, sind oft mit wurzelartigen Ausläufern im Boden verankert und leben überwiegend im Meeresbereich (Seetang).

Ernährung / Wachstumsbedingungen

Algen benötigen zum Wachstum Licht, Kohlenstoffdioxid bzw. Hydrogencarbonat,  Mineralstoffe und Nährstoffe.

Fortpflanzung

Algen vermehren sich meist durch Zellteilung oder vegetativ. Sie bilden teilweise Sporen aus. Kieselalgen und Augentierchen vermehren sich auch sexuell durch Ausbildung von begeißelten Sporen.

Natürliche Feinde

Als Primärproduzenten dienen Algen als Nahrungsquelle für das filtrierende Zooplankton. Manche Wasserschnecken raspeln den Algenrasen von Oberflächen ab.

Gesundheitsrisiken für den Menschen

Die meisten Algen sind nützlich, da sie überschüssige Nährstoffe verbrauchen und Biomasse sowie Sauerstoff produzieren. Allerdings setzen bestimmte Algen (insbesondere Blaualgen) durch ihren Stoffwechsel natürliche Algentoxine frei, die sich in Gewässern oder der Nahrungskette anreichern können und bei der Aufbereitung von Oberflächenwasser zu Trinkwasser entfernt werden müssen.

Weitere Informationen zu Blaualgen (Cyanobakterien):
http://www.cyanobacteria-platform.com

Handlungsempfehlung zu Blaualgen (Cyanobakterien), Algentoxine und “Wasserblüte“ des Ministeriums für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Verbraucherschutz des Landes Brandenburg:
http://www.mugv.brandenburg.de/cms/media.php/lbml.a.2339.de/bade_he.pdf

Alternative Bekämpfungsmaßnahmen

Voraussetzung für das Algenwachstum ist das Vorhandensein von Mineralnährstoffen, Kohlenstoffdioxid und Lichtenergie. Das Algenwachstum kann in Aquarien und Gartenteichen, Schwimmbädern oder auch auf Gehwegplatten und auf Hauswänden als störend empfunden werden. In Kühltürmen können Algen den Betriebsablauf durch übermäßiges Wachstum behindern. Für diese Bereiche werden Algizide angeboten, die umweltschädlich sein können. Indem nicht die Algen, sondern die Ursachen des Algenwachstums bekämpft werden, lässt sich der Einsatz von Algiziden vermindern oder ganz ersetzen.

Algenbekämpfung in Aquarien

In Aquarien kann das Algenwachstum durch folgende Maßnahmen eingedämmt werden:

  • Überfütterung vermeiden, um die Phosphatkonzentrationen zu   begrenzen.
  • Auswahl von Leuchtstoffröhren, deren Lichtspektrum das Algenwachstum begrenzt.
  • Reduzierung der Beleuchtungszeiten.
  • Einsatz von algenfressenden Aquarienbewohnern (Zooplankton,  algenfressende Fische, Schnecken).
  • Manuelles Entfernen der Algen von Glaswänden durch Kratzer oder Schwamm und nachfolgendes Absaugen der Algen.
  • Wasserreinigung mit Außenfilter.
  • Regelmäßiger Wasserwechsel.

Algenbekämpfung in Gartenteichen

Übermäßiges Algenwachstum in Gartenteichen ist oftmals ein Hinweis auf Überdüngung und / oder übermäßigen Lichteinfall. Wenn die verschiedenen Organismengruppen optimal miteinander im Gleichgewicht stehen, ist das Algenwachstum begrenzt. Die Beschattung der Wasserflächen durch Bäume, Sträucher oder Schwimmpflanzen begrenzt den Lichteinfall. Die Zufütterung von Fischen ist oftmals die wichtigste Eintragsquelle für Phosphat und sollte vermieden werden. Durch Einsatz von Wasserflöhen (Daphnien) lässt sich die Algendichte begrenzen.

Algenbekämpfung auf Gehwegen

Das Ausmaß des Algenbefalls auf Gehplatten lässt sich durch die Materialauswahl und eine gute Drainage positiv beeinflussen. Ein vorhandener Algenbefall kann mechanisch durch Schrubben in Verbindung mit Sand und durch Auskratzen der Fugen eingedämmt werden. Durch den Einsatz von Hochdruckreinigern lässt sich zumindest eine zeitweilig Besserung erzielen.

Algenbefall auf Fassaden

Wärmegedämmte Fassaden können durch die erhöhte Tauwasserbildung das Algenwachstum fördern. Weitere Faktoren sind ein fehlender konstruktiver Regenschutz (Dachüberstand), der Aufbau des Putzes, etc.. Der Algenbewuchs wird lediglich aus ästhetischen Gründen als störend empfunden, verursacht aber keine Materialschäden.

Weitere Informationen zu Schutzmittel für Mauerwerke im Biozid-Portal

Algenbekämpfung in Kühltürmen

Offene Kühltürme u.a. von Kraftwerken werden aufgrund der erhöhten Wassertemperatur und des hohen Luftdurchsatzes oft von Algenwachstum beeinträchtigt. Durch Beschattung und die Vermeidung offener Wasserbecken können das Algenwachstum und damit auch die Biofilmbildung sowie das Vorkommen von Legionellen in Kühlanlagen deutlich reduziert werden.

Weitere Informationen:

  • Blaualgen, Algentoxine und Wasserblüte
    Informationen des Ministeriumsfür Ländliche Entwicklung, Umwelt und Verbraucherschutz des Landes Brandenburg (2009): Blaualgen (Cyanobakterien), Algentoxine und “Wasserblüte“