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Entscheidungshilfen zur Verringerung des Biozideinsatzes an Fassaden

Mauerschutz
© H.-J. Spindler / pixelio.de

Beschreibung

Das Umweltbundesamt bietet für verschiedene Akteure, von der Allgemeinheit, über die Bauplaner bis hin zu den Handwerkern Vorort Merkblätter mit Hintergrundinformationen und Empfehlungen zur Verringerung des Biozideinsatzes an Fassaden an. Bei Wärmedämmverbundsystemen sind Produkte mit dem Blauen Engel (Umweltzeichen RAL-UZ 140) oder vergleichbare Systeme ohne Filmschutz zu bevorzugen.

sonstige Informationen

An Gebäudefassaden können sich Algen und Pilze ansiedeln, die als grau-grünlicher bis schwarzer Belag sichtbar werden. Betroffen sind alle Materialien wie Putz, Farbe, Holz, Metall, Glas, Klinker, Kunststoff oder Sichtbeton. Diese „lebenden“ Verschmutzungen beeinträchtigen jedoch keineswegs die bauphysikalische Funktionalität. Die Konstruktion einer Fassade und standortbedingte Faktoren beeinflussen das Risiko des Befalls. Häufig wird zu biozidhaltigen Reinigungslösungen, Anstrichen und Putzen gegriffen, um auf chemischen Weg dem unschönen Bewuchs vorzubeugen. Dieser Einsatz von Bioziden belastet jedoch Mensch und Umwelt. Außerdem ist die Schutzwirkung zeitlich begrenzt. Für eine nachhaltig schöne Fassade sind die Zusammenhänge zu verstehen, damit die richtigen Maßnahmen getroffen werden können.

Biozide werden in sogenannten filmgeschützten Farben und Putzen eingesetzt, um die Ansiedlung von Algen und Pilzen auf Hausfassaden zu verhindern. Für diesen Zweck müssen die Biozid-Wirkstoffe  an der Oberfläche der Hausfassade mobil und für die Organismen verfügbar, d.h. wasserlöslich sein. Dies bringt das Problem mit sich, dass die toxischen und umweltgefährlichen Wirkstoffe  mit Niederschlägen aus der Fassade ausgewaschen und in Böden und Gewässer gelangen. Hier stellen sie eine Gefahr für die Wasserlebewesen aber auch für die Trinkwasserversorgung dar. Wichtig ist eine Strategie, bereits während der Planungsphase von Bau- und Sanierungsprojekten alternative, biozidfreie oder biozidarme Verfahren einzubeziehen, um die Biozidbelastung der Umwelt zu verringern. Dies trägt außerdem zum vorsorgenden Gesundheitsschutz von Anwendern und Hausbewohnern bei.   

Die Biozide werden  zwar je nach verwendeter Farbe oder Putz mit „Filmschutz“ unterschiedlich stark aus Fassaden mit dem Niederschlag ausgewaschen, es gibt jedoch kein Produkt, bei dem eine solche Freisetzung verhindert wird. Vor allem frisch verputzte oder gestrichene Gebäude entlassen die Biozide in vergleichsweise hohen Konzentrationen in die Umwelt. Das verschmutzte Fassadenwasser kann über Drainagen oder Regenwasserentlastungskanäle direkt in Bäche gelangen. Nach einigen Jahren ist dann auch die Schutzwirkung gegen Algen- und Pilzbewuchs nicht mehr gegeben, es wird wieder gestrichen und der Kreislauf der Umweltbelastung beginnt von neuem.

Ausgerechnet die zahlreichen Baumaßnahmen zur energetischen Sanierung mit dem Anbringen von Wärmedämmverbundsystemen an Hauswänden haben das Problem des Umwelteintrags von Bioziden aus dieser Nutzung stark verschärft. Gut gedämmte Fassaden bleiben länger feucht nach Regen oder Nebel und bieten somit ideale Wachstumsbedingungen für Algen und Pilze. Neben der Konstruktion der Fassade beeinflussen auch Standortfaktoren das Risiko eines Befalls.

Um beides zu erreichen – eine schöne Fassade und eine Verringerung an Biozidbelastungen ist das Zusammenspiel verschiedener Maßnahmen zu verschiedenen Zeitpunkten wichtig.  Bereits während der Planungsphase eines Neubaus sollte geprüft werden, ob Standortfaktoren verändert, konstruktive Schutzmaßnahmen wie breite Dachüberstände eingeplant und  alternative, biozidfreie Baumaterialien bzw. Anstrich- und Putzverfahren eingesetzt werden können. So kann beispielsweise eine zweischalige Außenwand mit Klinker zum Abschluss eine gute Alternative darstellen. Eine weitere wichtige Maßnahme ist die Entwicklung und Umsetzung von Instandhaltungs- und Reinigungsplänen für die Fassaden.