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Holzschutzmittel

Holzschutz
© Uwe Wagschal / pixelio.de

Materialspezifizierung

Holzschutzverfahren dienen dem Schutz von Holz und Holzerzeugnissen gegen den Befall durch Holzschädlinge. Der Einsatz chemischer Holzschutzmittel ist nur in bestimmten Bereichen, etwa bei tragenden Bauteilen baurechtlich vorgeschrieben (nach DIN 68800). In allen anderen Bereichen sollte auf chemischen Holzschutz verzichtet und stattdessen baulich konstruktiven Maßnahmen und geeigneten Alternativverfahren Vorzug gegeben werden, um Belastungen der Innenräume, der Bewohner und der Umwelt mit potentiell gefährlichen Holzschutzmitteln zu vermeiden. Grundsätzlich gilt: konstruktiver Holzschutz vor chemischem Holzschutz.

Vorbeugender Holzschutz/Holzmodifikation

Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, Holz dauerhaft vor Fäulnis und Fraß zu schützten, ohne biozidhaltige Holzschutzmittel einzusetzen oder um den Einsatz biozidhaltiger Holzschutzmittel zu reduzieren. Hierzu zählen u. a. die Wahl der richtigen Holzart, bauliche konstruktive Maßnahmen und in einigen Bereichen auch thermische Verfahren. Zudem werden chemische Modifikationsverfahren angewandt, um Holz gegenüber Abrieb, Feuchtigkeit, Pilz- oder Insektenbefall unempfindlicher zu machen. Hierzu zählen die Acetylierung, Furfurylierung, Melaminharzbehandlung, Holzvernetzung und die Behandlung mit siliziumhaltigenVerbindungen.

Holzauswahl

Kernholz

Kernholz ist widerstandsfähiger als Splintholz. Als Kernholz bezeichnet man bei zahlreichen Baumarten die innere Zone im Stammquerschnitt, die sich meist deutlich vom äußeren, helleren Splintholz unterscheidet. Echtes Farbkernholz enthält natürliche Inhaltsstoffe, die die Zellwände tief einfärben  und in der Regel die Dauerhaftigkeit des Holzes erhöhen. Auch die Holzart hat Einfluss auf die Widerstandfähigkeit der Holzprodukte gegenüber Schädlingen: Hölzer von Lärche, Eiche, Robinie und Douglasie sind erheblich widerstandsfähiger als das Holz von Fichte oder Tanne. Mit der richtigen Holzwahl kann späteren teuren und aufwendigen Schutzmaßnahmen vorgebeugt werden. Auch in Verbindung mit chemischen Holzschutzmaßnahmen ist die Wahl der Holzart eine der wichtigsten baulich konstruktiven Maßnahmen.

Technisch vorgetrocknete Hölzer und hitzebehandelte Hölzer

Der Ansiedlung holzzerstörender Pilze kann vorgebeugt werden, in dem technisch vorgetrocknetes Holz mit geringem Feuchtegehalt verbaut wird. Das Prinzip der technischen Trocknung von  Bauholz zur Verbesserung der Haltbarkeit ist schon lange bekannt. Bereits vor 7000 Jahren wurde bei der Erstellung von Pfahlbauten Holz durch Hitze konserviert. Bei der sogenannten Hitze-Behandlung wird das Holz unter Sauerstoff-Ausschluss für mehrere Stunden auf 150-250°C erhitzt. Hierdurch verändert sich seine chemische Struktur derart, dass die Wasseraufnahmefähigkeit des Holzes verringert wird. Nicht nur der Befall mit feuchtigkeitsliebenden Pilzen auch die Ansiedlung von Schadinsekten kann so verhindert bzw. gehemmt werden. Pilzwachstum wird durch eine Holzfeuchte von über 20% gefördert. So genannte Trockenholzinsekten benötigen zu ihrer Entwicklung Holzfeuchten von 7-15%. Die Larven des, wegen gravierender Bauschäden besonders gefürchteten, Hausbockkäfers entwickeln sich ab einer Holzfeuchte von 8-10% wobei das Feuchteoptimum bei 30% liegt. Durch die technische Holztrocknung oder Hitzebehandlung des zu verbauenden Holzes kann das Befallsrisiko deutlich gesenkt werden.

Acetylierte Hölzer

Die Wirkung der Hitzebehandlung kann durch die gezielte Zugabe von Essigsäureanhydrid noch gesteigert werden. Bei der Acetylierung wird die Zellwand des Holzes verändert: Hier werden die im Holz befindlichen Hydroxylgruppen durch Acetylgruppen ersetzt. Acetylverbindungen kommen schon von Natur aus in geringer Anzahl in allen Holzarten vor. Durch diesen Prozess nimmt acetyliertes Holz wesentlich weniger Wasser auf als unbehandeltes Holz. Verwendung finden acetylierte Hölzer vor allem bei der Fensterkonstruktion, doch auch im Außenbereich und für tragende Konstruktionen sind die acetylierten Hölzer einsetzbar. Für den Innenbereich wird ihr Einsatz nicht empfohlen, da das Problem der Freisetzung von nicht gebundener Essigsäure oder des Essigsäureanhydrids noch nicht gelöst ist. Zu bedenken ist auch, dass der Rohstoff- und Energieeinsatz bei der Acetylierung sehr hoch ist. Durch integrierte Chemikalienrückgewinnung können die Verfahren optimiert werden und auch Energie eingespart werden. Trotz der Einschränkungen bietet die Acetylierung eine Alternative zu mit Holzschutzmitteln behandelten Hölzern.

Furfurylierte Hölzer

Ein weiteres Verfahren der chemischen Modifikation von Holz ist die Behandlung mit Furfurylalkohol. Hierbei handelt es sich um eine erneuerbare Chemikalie, die aus Pflanzenabfällen aus der Zuckerfabrikation oder anderen landwirtschaftlichen Biomasseprodukten wie Maiskolben oder Sonnenblumen abgeleitet wird. Bei der Furfurylierung wird die Holzstruktur chemisch verändert, dass es sehr fest und dauerhaft ist. Es zeichnet sich durch Pilzresistenz aus. In Deutschland ist furfuryliertes Holz noch nicht auf dem Markt erhältlich.

Konstruktiver Holzschutz

Der baulich konstruktive Holzschutz dient im Wesentlichen dem vorbeugenden Schutz von Holz vor Witterungseinflüssen, Taubildung und Bildung von Kondenswasser. Damit ist der konstruktive (bauliche) Holzschutz die Voraussetzung für einen erfolgreichen vorbeugenden Holzschutz. Auch im Falle eines eingetretenen Schädlingsbefalls ist neben bekämpfenden Verfahren die Abstellung der Schadensursachen wesentlich. Hierbei sind oft bauliche Umbauten zur Verbesserung des konstruktiven Holzschutzes sinnvoll. Pilze lieben Feuchtigkeit und auch Schadinsekten benötigen Mindestfeuchten, um sich zu vermehren. Das Abhalten von Regen- und Spritzwasser und das Vermeiden von Tau- und Kondenswasser ist daher eine wesentliche Voraussetzung, um spätere Schäden durch Pilz- und Insektenbefall zu vermeiden. Zum konstruktiven Holzschutz zählen u. a. Dachüberstände und Abdeckungen.

Beachten Sie besonders folgende Regeln

im Außenbereich:

  • Das ungeschützte Holz darf nicht das Erdreich berühren, so sollten Holzverkleidungen mindestens einen Abstand von 20cm zum Erdboden haben.
  • Holzstützen für Balkone oder Wintergärten sind auf Stahlschuhen zu befestigen, so dass ein Bodenabstand und ein Spritzwasserschutz von ca. 20 bis 30cm eingehalten werden. 
  • Der beste konstruktive Holzschutz für Holzfassaden, Holzfenster und Holzkonstruktionen gegen Schlagregen sind Überdachungen, Vordächer und große Dachüberstände. Holzabdeckungen sollten immer mit ausreichendem Gefälle angebracht sein.

im Innenbereich:

  • Die Holzfeuchte der Balken für Dachstühle und Holzstützen sollte nicht mehr als 18% betragen, dies setzt eine entsprechende Bauweise und Durchlüftung voraus.
  • Für Möbel, Holzböden, Wandverkleidungen und Decken sollte die Holzfeuchte nicht mehr als 12% betragen. Dies ist bei üblichem Wohnklima sichergestellt.
  • Unter Dach so bauen, dass alle tragenden Elemente gut einsehbar sind oder aber Insektendicht verkleiden
  • Bevorzugte Verwendung von Kernholz für tragende Konstruktionen (s. o.)
  • Fliegengitter, besonders an Öffnungen, Fenstern auf dem Dachboden anbringen, um das Eindringen von Schadinsekten zu verhindern.
  • Regelmäßige Kontrolle auf einen möglichen Schädlingsbefall durchführen

Bekämpfender Holzschutz ohne Biozide

Heißluftverfahren

Eine biozidfreie Methode zur Bekämpfung holzzerstörender Insekten ist das Heißluftverfahren. Das Verfahren ist zu empfehlen und entspricht dem Stand der Technik. Das Heißluftverfahren kann zur Behandlung von verbautem Holz in Innenräumen oder von Holzmöbeln eingesetzt werden und ist mit dem Blauen Engel RAL-UZ 57 / Umweltzeichen (siehe. unten: Informationen zu Labeln) ausgezeichnet. Bei der Heißluftbehandlung muss an allen Stellen des zu behandelnden Holzes eine Mindesttemperatur von 55°C für die Dauer von mindestens 60 Minuten erreicht werden. In der Nähe hitzeempfindlicher Materialien wie elektrischen Leitungen oder bei unzugänglichen Stellen müssen ggf. andere Verfahren ergänzend eingesetzt werden.

Hochfrequenztechnik

Zu den biozidfreien Holzschutzverfahren zählt auch die Bekämpfung von Schadinsekten und -pilzen mit Hochfrequenztechnik. Bei dieser Methode werden Elektroden an das zu behandelnde Holz gelegt und hochfrequente Ströme durch das Holz geleitet. Hierdurch wird das Holz auf ca. 55°C erhitzt und so die gewünschte Abtötung von Schädlingen und Pilzen erzielt. Das Wirkungsprinzip ist das Gleiche wie bei der Heißluftmethode. Kritisiert wird die Technik u. a. wegen der Unverträglichkeit des Verfahrens mit Metallen im Holz und dem hohen Energieaufwand.

Mikrowellenverfahren

Zu den neueren biozidfreien Verfahen zählen auch Mikrowellenverfahren. Die Mikrowelle transportiert Energie in das Holz, erhitzt das Wasser im Holz und erzeugt so Hitze. Hierdurch werden die Schadinsekten, wie Nagekäfer und ihre Larven sowie Pilze, abgetötet. Der Vorteil der Mikrowellenanwendung liegt darin, dass die Anwendung von nur einer Seite möglich ist. Die Bekämpfung des Hausbocks ist schwieriger, weil er sich im äußeren Holz aufhält und hier ein Entweichen der Wärme verhindert werden muss, um die notwendig hohe Temperatur für eine erfolgreiche Bekämpfung zu halten. Erfahrungen mit Mikrowellenverfahren liegen u.a. vor in der Sanierung von Fachwerk, Fußbodenparkett und für die gezielte Austrocknung feuchter Balkenköpfe. Eine großräumige Behandlung von Dachstühlen ist mit dem Mikrowellenverfahren sehr aufwendig. Besser geeignet ist das Mikrowellenverfahren nach Auskunft der Anwender für kleinflächige Anwendungen.

Informationen zu Labeln

Obgleich im Handel erhältlich, sind bislang nicht alle erhältlichen Holzschutzmittel nach Biozidrecht auf ihre Wirksamkeit sowie auf ihre Gesundheits- und Umweltgefährdung hin untersucht worden. Hilfe bei der Orientierung zur Auswahl von geprüften Holzschutzmitteln aber auch zur Vermeidung von holzschutzmittelbehandelten Holzerzeugnissen bieten daher verschiedene Gütezeichen und Label.
Informationen zu Labeln

Weitere Informationen: