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Österreichisches UBA untersuchte Desinfektionsmittelwirkstoffe

Ziele der vorliegenden Studie des Umweltbundesamtes GmbH waren die Überprüfung von ausgewählten Biozidprodukten mit desinfizierenden Wirkstoffen hinsichtlich der Einhaltung der chemikalien- und biozidproduktrechtlichen Kennzeichnungsvorschriften sowie die analytische Kontrolle der am Etikett angegebenen Wirkstoffe. Am häufigsten gefunden wurden quaternäre Ammoniumverbindungen (QAV).

Die untersuchten 37 Desinfektionsmittel aus den Produktarten 2 (Desinfektionsmittel und Algenbekämpfungsmittel) und 3 (Produkte für die Hygiene im Veterinärbereich) wurden teilweise auch als Reiniger oder Medizinprodukt ausgewiesen. Zwei Biozidprodukte stammten aus der Produktart 4 (Desinfektionsmittel für den Lebens- und Futtermittelbereich). Vom Formulierungstyp überwog mit 26 Produkten das Konzentrat, 9 Produkte waren gebrauchsfertige Lösungen. Bei den 2 Desinfektionstüchern waren die analytischen Ergebnisse nicht auswertbar.

Mehr als ein Drittel der untersuchten Biozidprodukte enthielt mehr als einen bioziden Wirkstoff, 2 Produkte enthielten eine Kombination aus maximal 4 Wirkstoffen; insgesamt kamen 11 biozide Wirkstoffe, die am österreichischen Markt zulässig sind, zum Einsatz.

Positiv hervorzuheben ist, dass in keinem der untersuchen Desinfektionsmittel die verbotenen Wirkstoffe Triclosan und Triclocarban nachweisbar waren.

Der am häufigsten vertretene Wirkstoff war DDAC (Didecyldimethylammoniumchlorid) C10 in 22 Produkten, gefolgt von ADBAC/BKC (Alkyldimethylbenzylammoniumchlorid) C12-C16. Glutaral war in 14 Produkten enthalten. Große Unterschiede gab es bei der Angabe der Wirkstoffe: Während bei 2 Produkten jede Angabe zur Identität und zum Wirkstoffgehalt fehlte, war auf einem Produkt der Wirkstoffgehalt nicht ausgewiesen. Oft fehlte auch die genaue Angabe, welche der 3 zulässigen ADBAC-Verbindungen im Produkt enthalten ist. Von den 32 auswertbaren Biozidprodukten, die laut Auslobung DDAC (Didecyldimethylammoniumchlorid) C10, ADBAC oder Glutaral enthielten, wiesen 5 Biozidprodukte Abweichungen zum angegebenen Wirkstoffgehalt auf, der über der analytischen Messunsicherheit von 30 % lag: Bei 3 Proben war der Glutaral-Gehalt zu niedrig, bei einer Probe knapp noch unter der Messunsicherheit. Nur bei einem Produkt waren zusätzlich auch der Gehalt und die Angabe zu den quaternären Ammoniumverbindungen nicht richtig: Das angegebene DDAC C10 war nur in sehr geringen Konzentrationen vorhanden, stattdessen wurde ADBAC nachgewiesen. Ähnlich wie bei einer anderen Probe, in der ADBAC, aber nicht das deklarierte DDAC C10, enthalten war. Eine Probe enthielt um 46 % zu viel ADBAC (4,6 % statt 3,2 %).

Die nachgewiesenen Verunreinigungen der quaternären Ammoniumverbindungen waren heterogen und korrelierten nicht immer mit dem Wirkstoffgehalt. Nach Abschluss des EU-Genehmigungsverfahrens für quaternäre Ammoniumverbindungen und bei etablierter Identität der Wirkstoffe wäre eine erneute analytische Bestimmung der Verunreinigungen bezüglich der Zulässigkeit der Wirkstoffe und Wirkstoffquellen sinnvoll.

(UBA GmbH, 30.03.2018)