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EU-weit drohen über 110 Milliarden Euro Kosten durch Arzneimittel, Pflanzenschutzmittel und Biozide

Mit Blick auf die zunehmende Belastung der Gewässer mit Rückständen von Arzneimitteln, Pflanzenschutzmitteln und Bioziden wird seit einiger Zeit über die Einführung einer so genannten vierten Reinigungsstufe in Kläranalgen diskutiert. Damit wären nach Berechnungen einer neuen Studie im Auftrag des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) erhebliche Mehrkosten verbunden.

Allein in Deutschland würde die Ausstattung aller Kläranlagen mit dieser zusätzlichen Reinigungstechnologie - bezogen auf die Lebensdauer der betrachteten Anlagen - über 37 Milliarden Euro betragen. Europaweit ergäben sich Kosten in Höhe von über 110 Milliarden Euro.

Grundlage für diese Kostenschätzung ist eine Studie vom IWW Rheinisch-Westfälisches Institut für Wasser Beratungs- und Entwicklungsgesellschaft mbH im Auftrag des BDEW, welche die Jahresgesamtkosten für 28 Mitgliedstaaten der EU sowie Norwegen und die Schweiz ermittelt hat. Hierbei wurde auf Daten des Umweltbundesamtes zurückgegriffen. Als mögliche Reinigungstechnologien wurden die Ozonung sowie die Zugabe von Pulveraktivkohle einschließlich einer Nachbehandlung betrachtet.

„Diese Zahlen zeigen eindrucksvoll, welche enormen zusätzlichen Milliardenkosten auf die Bürger zukommen würden. Sie müssten diese Zusatz-Belastungen entweder über höhere Abwassergebühren oder indirekt über öffentliche Zuschüsse tragen", sagte Martin Weyand, BDEW-Hauptgeschäftsführer Wasser/Abwasser in Berlin. "Es ist deshalb höchste Zeit für eine umfassende Gesamtstrategie, die insbesondere auf die Vermeidung der Einträge abstellt. Stoffe, die gar nicht erst in die Kanalisation gelangen, müssen anschließend auch nicht mit hohem Kosten- und Energieaufwand aus dem Abwasser entfernt werden. Notwendig ist es, auf allen Ebenen eine ökologisch-verträgliche Strategie umzusetzen, die auf strengere Anforderungen bei der Zulassung, der Anwendung, der Substitution kritischer Stoffe durch ökologisch-abbaubare Produkte und einer transparenten Entsorgung für die Bürger durch Rücknahmesysteme oder Verbrennung setzt. Damit gelingt es auch, Stoffe aus den Gewässern fernzuhalten. Ohne eine solche konsequente Umsetzung des Verursacherprinzips kommen auf die Bürgerinnen und Bürger in Deutschland Umweltkosten in Milliarden-Höhe zu. Noch ist ein Umsteuern möglich."

(BDEW, 26.9.2017)