StartseiteAktuelles

Dauerhafte Geh- und Radwegbrücken in Holzbauweise durch konstruktiven Holzschutz

Wer durch den Wald spaziert und dabei einen Bach überquert, der tut dies im besten Fall auf einer Holzbrücke – soweit ein stimmiges Bild. In einigen Fällen wird dieses Bild jedoch durch die Verwendung von Aluminium oder Stahl getrübt. „Häufig wird dabei argumentiert, dass diese Materialien aus Gründen der Dauerhaftigkeit besser geeignet seien als Holz. Wenn die Brücke aber richtig konstruiert wurde, sind auch in Holzbauweise dauerhafte Konstruktionen möglich“, sagt Prof. Dr. Wilfried Moorkamp vom Fachbereich Bauingenieurwesen der FH Aachen.

Das Interesse daran, Holzbrücken zu erhalten und zu erbauen, ist aber auch gesamtgesellschaftlicher Natur, wie sein Kollege Prof. Dr. Thomas Uibel betont: „Was die Nachhaltigkeit angeht, sind Holzbrücken den anderen Materialien überlegen.“ Aus dieser Motivation heraus ist das Forschungsprojekt „Nachhaltige Standardbrücken in Holzbauweise“ entstanden, an dem Christian Bedbur und Jonas Thull, Wissenschaftliche Mitarbeiter am Fachbereich Bauingenieurwesen, derzeit arbeiten. Bei einer Veranstaltung zum Erfahrungsaustausch an der FH Aachen diskutierten die Forscher mit Vertreterinnen und Vertretern von Städten und Gemeinden über die Ziele und Schwierigkeiten, die mit dem Forschungsprojekt verbunden sind. Zusätzliche Impulse lieferten Prof. Dr. Antje Simon von der Fachhochschule Erfurt und Diplom-Ingenieur Frank Miebach aus Lohmar mit ihren Vorträgen.

„Wir wollen eine Standardbrücke aus Holz konstruieren, die eine Lebensdauer von mindestens 60 Jahren erreicht“, formuliert Christian Bedbur das Forschungsziel. Die Bestandsanalyse in der ersten Phase des Forschungsprojektes, an der 292 von 396 Kommunen teilgenommen haben, hatte ergeben, dass derzeit 96 % der Holzbrücken in Nordrhein-Westfalen nicht ausreichend geschützte Brücken sind und bereits vor der angesetzten Lebensdauer von 30 Jahren teilweise stark verschlissen sind.

„Derzeit ist der fehlende konstruktive Holzschutz der Hauptgrund für den Verschleiß der Holzbrücken. Wir haben vier kritische Bereiche ausgemacht: den Hauptträger, den Belag, das Geländer und die Auflager“, erklärt Jonas Thull. An diesen Stellen wolle man ansetzen und den konstruktiven Holzschutz verbessern. „Verbesserungspotenziale sind zum Beispiel Verschalungen und Abdeckungen mit ausreichendem Überstand am Hauptträger, Stahlwinkel zur Befestigung der Geländer oder Ablaufrinnen an der Auflagerbank“, so Thull. In der Diskussion mit den 80 Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Veranstaltung gab es weitere Anregungen, die zu einer besseren Konstruktion der Standardbrücke führen können. Von Seiten der Städte und Gemeinden gab es aber gleichzeitig Anerkennung für das Vorhaben und Bereitschaft, Standardholzbrücken einzusetzen.

(FH Aachen, 22.03.2018)